Abstellgenehmigung: Paket angeblich abgestellt, aber geklaut

Die folgenden Tipps ersetzen keine professionelle Rechtsberatung und werden von der Paketda-Redaktion ohne Gewähr veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Muss ein Zusteller klingeln oder darf er das Paket sofort abstellen?
  2. Dürfen Pakete einfach vor der Haustür abgelegt werden?
  3. Eine Abstellgenehmigung liegt vor, aber das Paket wurde gar nicht abgestellt

Dieser Ratgeber behandelt das Thema, dass ein Paket angeblich beim Empfänger abgestellt wurde. Aber der Empfänger hat das Paket nicht vorgefunden.

Voraussetzung ist: Der Empfänger hat dem Paketdienst eine Abstellgenehmigung erteilt. Sofern keine Abstellgenehmigung vorliegt, hätte das Paket gar nicht abgestellt werden dürfen und der Paketdienst haftet für den Verlust.

Tipp: Widerrufen Sie eine Abstellgenehmigung gegenüber dem Paketdienst, sofern es Anzeichen für eine unzuverlässige Paketzustellung gibt. Den Mustertext für einen Widerruf finden Sie hier.

Nutzen Sie außerdem unsere Musterbriefe, um angeblich abgestellte und verlorene Pakete zu reklamieren.
Musterbriefe zur Reklamation abgestellter Pakete

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Muss ein Zusteller klingeln oder darf er das Paket sofort abstellen?

Sofern eine Abstellgenehmigung vorliegt, darf der Zusteller das Paket am vereinbarten Ort ablegen, ohne vorher beim Empfänger zu klingeln. Sofern Sie Ihren Stammzusteller gut kennen, können Sie ihn natürlich darum bitten, vor dem Ablegen des Pakets bei Ihnen zu klingeln.

Falls mal ein Aushilfszusteller in Ihrem Bezirk unterwegs ist, kennt dieser die mündliche Absprache jedoch nicht und wird das Paket deshalb ohne zu klingeln abstellen.

Abstellvereinbarungen (auch Garagenvertrag genannt) sind üblicherweise in den Handscannern der Zusteller gespeichert. Manchmal passiert es jedoch, dass ein Ablagevertrag aus irgendwelchen Gründen nicht im Handscanner erscheint und von Aushilfszustellern deshalb nicht beachtet wird. Einige Kunden berichten auch davon, dass neu eingearbeitete Paketzusteller sich mit Abstellgenehmigungen nicht auskennen und Pakete an Filialen oder Paketshops umleiten, obwohl eine Abstellgenehmigung vorliegt.

Paketda rät: Sprechen Sie Ihren Paketzusteller am besten direkt an und weisen ihn auf die Abstellgenehmigung hin. Oder hängen Sie einen kleinen Hinweis an die Haustür oder die Klingel.

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Dürfen Pakete einfach vor der Haustür abgelegt werden?

Unsichere Orte, an denen Pakete leicht gestohlen werden können, sollten niemals als Ablageorte gewählt werden. Dazu gehören die Haustür und bei Mehrfamilienhäusern auch der Hausflur. Manchmal werden Pakete auch im Vorgarten abgestellt oder in Altpapiertonnen. Dies sind keine sicheren Ablageorte.

Die Rhein-Main-Presse berichtete im Frühjahr 2016 von mehreren Fällen, bei denen ein DHL-Zusteller Pakete in Altpapiertonnen hinterlegt hat. Tragisch: Eine Mülltonne wurde mitsamt des Pakets zur Deponie gebracht. DHL musste in diesem Fall Schadenersatz leisten, weil der Empfänger keine Abstellgenehmigung erteilt hatte und der Zusteller eigenmächtig handelte. Hätte der Paketempfänger jedoch eine Abstellgenehmigung erteilt, gäbe es von DHL keinen Schadenersatz.

Zurück zu der Frage, ob Pakete vor der Haustür abgestellt werden dürfen. Ja, sofern der Empfänger damit einverstanden ist und dem Paketdienst eine Erlaubnis erteilt hat. Nein, wenn der Empfänger keine Abstellvereinbarung mit dem Paketdienst getroffen hat. Wenn keine Abstellgenehmigung vorliegt, müssten Pakete immer gegen Unterschrift zugestellt werden und dürfen weder im Garten noch vor der Haustür abgestellt werden.

Sonderfälle sind die Zustellung an Briefkästen sowie DPD Parcelleter, welche keine Empfängerunterschrift erfordern. Zu diesem Thema lesen Sie bitte den Ratgeber zum Verlust abgestellter Briefsendungen.

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Eine Abstellgenehmigung liegt vor, aber das Paket wurde gar nicht abgestellt

Dieser Fall gehört zu den schwierigsten Reklamationsfällen überhaupt, weil meistens Aussage gegen Aussage steht: Der Paketdienst behauptet, eine Sendung wurde am vereinbarten Ort abgelegt. Und der Empfänger behauptet, er habe dort keine Sendung vorgefunden.

Beide Seiten können Recht haben. Möglicherweise wurde das Paket von einem Dritten (Einbrecher, Passant, Mitbewohner im Haus, etc.) am Ablageort entdeckt und einfach mitgenommen. In diesem Fall trägt der Empfänger das Verlustrisiko. Die Abstellgenehmigung befreit den Paketdienst nämlich von der Haftung, sobald das Paket abgestellt wurde.

Das Paket muss jedoch am vereinbarten Ort abgestellt worden sein. Wenn als Ablageort die Garage vereinbart war, aber der Zusteller hat das Paket vor die Haustür gestellt, dann haftet i.d.R. der Paketdienst für den Verlust. Es sei denn, die Garage war abgeschlossen und nicht zugänglich. Aber in diesem Fall könnte man argumentieren, dass der Zusteller das Paket besser wieder mitgenommen hätte anstatt es vor die Haustür zu legen.

Es ist leider schwierig, dem Paketzusteller das Abstellen an einem falschen Ort zu beweisen. Die wenigsten Paketempfänger haben eine Videoüberwachung zu Hause. Vielleicht gibt es jedoch Nachbarn im Haus, die das Paket (oder den Paketzusteller) möglicherweise gesehen haben und die Ablage am falschen Ort bezeugen können.


Paketda rät:

Wenn ein Paket abhandengekommen ist, machen Sie zur Beweissicherung ein Gedächtnisprotokoll von dem Geschehen. Also wann Sie nach Hause gekommen sind, wo Sie nach dem Paket gesucht haben, mit welchen Nachbarn Sie sprachen und was diese ausgesagt haben. Versuchen Sie außerdem, den Paketzusteller am Folgetag abzupassen und zu befragen. Machen Sie einen Ausdruck der Sendungsverfolgung. Dort wird angezeigt, zu welcher Uhrzeit das Paket angeblich abgestellt wurde. Ungefähr zu dieser Uhrzeit kommt der Zusteller wahrscheinlich auch am nächsten Tag in Ihren Bezirk.

Melden Sie den Paketverlust dem Absender des Pakets und dem Paketdienst. Fordern Sie vom Paketdienst eine Kopie der Abstellgenehmigung an. Und widerrufen Sie die Abstellgenehmigung für die Zukunft.

Je nach Beweislage wird der Paketdienst die Zahlung von Schadenersatz ablehnen oder eine kleine Kulanzzahlung anbieten. Dass ein Paketdienst vollen Schadenersatz leistet, nachdem ein abgestelltes Paket verschwunden ist, kommt extrem selten vor. Der Paketempfänger müsste dafür eindeutige Videoaufzeichnungen haben, die beweisen, dass der Paketzusteller entweder gar nicht auf dem Grundstück war, oder dass das Paket am falschen Ort abgestellt wurde und danach von einem Dritten geklaut wurde.

Wenn Sie als Kunde solche eindeutigen Beweismittel haben, können Sie Schadenersatz vom Paketdienst einklagen. Fordern Sie den Paketdienst dazu zunächst außergerichtlich zur Zahlung von Schadenersatz auf. Sie brauchen einen Wertnachweis über den Inhalt des Pakets (z.B. Kaufbeleg). Schicken Sie die Zahlungsaufforderung am besten per Einschreiben an den Paketdienst und setzen eine Frist von 3 Wochen.

Wenn die Zahlungsfrist verstrichen ist, können Sie entweder noch eine Mahnung hinterherschicken oder Sie beantragen gleich einen gerichtlichen Mahnbescheid. Für letzteres empfehlen wir die Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt.

Sie können auch direkt bei Paketda.de einen Anwalt um eine Einschätzung des Falls bitten.

Ich wünsche Rat vom Rechtsanwalt

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