Paket wurde abgestellt, nun ist es verschwunden

Illustration: Zusteller legt Paket vor Haustür ab
Oh Schreck, mein Paket ist weg! Dieser Ratgeber erklärt die Lage, wenn ein (angeblich) abgestelltes Paket am Wunschort nicht auffindbar ist. Wer haftet?


Inhaltsverzeichnis

  1. Paket wurde ohne meine Erlaubnis einfach abgestellt
  2. Paket wurde mit meiner Erlaubnis abgestellt
  3. Ich vermute, dass der Zusteller kein Paket abgestellt hat
  4. Sonderfall: Briefkasten-Einwurf
  5. Fragen von Nutzern


Paket wurde ohne meine Erlaubnis einfach abgestellt

Stellt ein Paketzusteller eine Sendung ab, ohne dass Sie als Empfänger/in eingewilligt haben, ist der Zusteller im Verlustfall dafür verantwortlich. Medienberichten zufolge haften Zusteller sogar persönlich für den Schaden durch Lohnabzug.

Haben Sie als Privatkunde bei einem gewerblichen, deutschen Verkäufer (Fachbegriff: B2C) eingekauft, so besteht gesetzlicher Verbraucherschutz gemäß § 474 BGB Absatz 2 (ausführlich erklärt auf leipzig.ihk.de).

In diesem Fall brauchen Sie das verlorene Paket nicht beim Paketdienst reklamieren, sondern können direkt den Verkäufer haftbar machen. Erfahrungsgemäß wird der Verkäufer die Haftung zunächst ablehnen und sagen, Sie hätten dem Paketdienst eine Abstellerlaubnis erteilt. Widersprechen Sie dem und verlangen, dass der Händler einen Beweis für die angebliche Abstellerlaubnis vorlegt.

Sofern Sie keine Abstellerlaubnis erteilt haben, wird der Händler keinen Beweis für die Abstellerlaubnis erbringen können. Daraus folgt, dass das Paket ohne Erlaubnis abgestellt wurde und Sie als Empfänger/in den Kaufpreis zurückverlangen können, oder Sie erklären sich mit einer Ersatzlieferung einverstanden.

Lassen Sie sich nicht darauf ein, selber Schadenersatz vom Paketdienst einzufordern, weil das mühsam ist. Am besten ist es, wenn Sie Geld oder Ersatzlieferung vom Händler bekommen, und der Händler holt sich seinerseits Schadenersatz vom Paketdienst.

Wichtig zu wissen: Es kann sein, dass der Händler eine Eidesstattliche Erklärung von Ihnen verlangt. Damit sichert er sich gegen Betrüger ab, die den Nichterhalt eines Pakets bloß vortäuschen, um eine kostenfreie Zweitlieferung zu bekommen. Paketda rät, die Eidesstattliche Erklärung abzugeben.

► Bei Paketen von Privat an Privat (z.B. Kauf bei eBay) können Sie die Verantwortung gemäß § 447 BGB nicht auf den Verkäufer abwälzen. Sie als Empfänger/in tragen das Transportrisiko und müssen sich folglich selbst mit dem Paketdienst auseinandersetzen. Musterbriefe hier.

Seien Sie wachsam, wenn nach der Reklamation plötzlich der Paketzusteller bei Ihnen klingelt und um eine Unterschrift bittet. Es kann sein, dass Sie damit nachträglich den Erhalt des vermissten Pakets bestätigen. Dann sind Paketdienst und Händler nicht mehr haftbar.

Unterschreiben Sie keine Formulare an der Haustür. Auch nicht, wenn der Zusteller Druck macht oder Mitleid erregt durch Hinweis auf Lohnabzug. Einige Zusteller geben vor, Sie müssten das Formular zur Schadenabwicklung unterschreiben. Das ist falsch. Es handelt sich nach unserer Erfahrung fast immer um Formulare zur nachträglichen Bestätigung des Paketerhalts.

↑ zum Inhaltsverzeichnis


Vor der Haustür abgestellte Pakete


Paket wurde mit meiner Erlaubnis abgestellt

Dieser Fall gehört zu den schwierigsten Reklamationsfällen überhaupt, weil meistens Aussage gegen Aussage steht: Der Paketdienst behauptet, eine Sendung wurde am vereinbarten Ort abgelegt. Und der Empfänger behauptet, er habe dort keine Sendung vorgefunden.

Sowohl der Kunde als auch der Paketdienst können Recht haben. Möglicherweise wurde das Paket von einem Dritten (Einbrecher, Passant, Mitbewohner im Haus, etc.) am Ablageort entdeckt und geklaut. In diesem Fall trägt der Empfänger das Verlustrisiko. Die Abstellgenehmigung befreit den Paketdienst nämlich von der Haftung, sobald das Paket abgestellt wurde.

► Pakete müssen immer am vereinbarten Ort abgestellt werden. Ist als Ablageort die Garage vereinbart, aber der Zusteller hat das Paket vor die Haustür gestellt, dann ist der Paketdienst haftbar zu machen.

Schwierig ist bloß die Beweisführung. Ohne Videoüberwachung oder aufmerksame Nachbarn lässt sich kaum nachweisen, dass ein Zusteller ein Paket am faschen Ort abgestellt hat.

Paketda rät:

Ist ein Paket abhandengekommen, machen Sie zur Beweissicherung ein Gedächtnisprotokoll von dem Geschehen. Also wann Sie nach Hause gekommen sind, wo Sie nach dem Paket gesucht haben, mit welchen Nachbarn Sie sprachen und was diese ausgesagt haben.

Versuchen Sie außerdem, den Paketzusteller am Folgetag abzupassen und zu befragen. Machen Sie einen Ausdruck der Sendungsverfolgung. Dort wird angezeigt, zu welcher Uhrzeit das Paket angeblich abgestellt wurde. Ungefähr zu dieser Uhrzeit kommt der Zusteller wahrscheinlich auch am nächsten Tag in Ihren Bezirk.

Melden Sie den Paketverlust dem Absender des Pakets und dem Paketdienst. Fordern Sie vom Paketdienst eine Kopie der Abstellgenehmigung an. Und widerrufen Sie die Abstellgenehmigung für die Zukunft (Kündigungsratgeber hier).

Je nach Beweislage wird der Paketdienst die Zahlung von Schadenersatz ablehnen oder eine kleine Kulanzzahlung anbieten. Dass ein Paketdienst vollen Schadenersatz leistet, nachdem ein abgestelltes Paket verschwunden ist, kommt extrem selten vor. Der Paketempfänger müsste dafür eindeutige Videoaufzeichnungen haben, die beweisen, dass der Paketzusteller entweder gar nicht auf dem Grundstück war, oder dass das Paket am falschen Ort abgestellt wurde und danach von einem Dritten geklaut wurde.

Haben Sie als Kunde solche eindeutigen Beweismittel, können Sie Schadenersatz vom Paketdienst einklagen. Fordern Sie den Paketdienst dazu zunächst außergerichtlich zur Zahlung von Schadenersatz auf. Sie brauchen einen Wertnachweis über den Inhalt des Pakets (z.B. Kaufbeleg). Schicken Sie die Zahlungsaufforderung am besten per Einschreiben an den Paketdienst und setzen eine Frist von 3 Wochen.

Ist die Zahlungsfrist erfolglos verstrichen, können Sie entweder noch eine Mahnung hinterherschicken oder Sie beantragen einen gerichtlichen Mahnbescheid. Für letzteres empfehlen wir die Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt oder einer Verbraucherzentrale. Weitere Reklamations-Möglichkeiten finden Sie in diesem Ratgeber.

Einen TV-Beitrag des NDR zum Thema "Abgestelltes Paket ist verschwunden" finden Sie hier bei Youtube.

↑ zum Inhaltsverzeichnis



Ich vermute, dass der Zusteller kein Paket abgestellt hat

Diebstähle durch Zusteller sind selten, aber sie kommen leider vor. Einen Diebstahl nachzuweisen, ist für Kunden schwierig, weil die Handscanner der Zusteller mit GPS ausgerüstet sind.

Von DPD ist bekannt, dass ein Paket nur dann als zugestellt gebucht werden kann, wenn sich der Zusteller tatsächlich an der Lieferadresse befindet. Siehe z.B. dieser Bericht von krone.at (bezieht sich auf Österreich, aber in Deutschland nutzt DPD auch das GPS-Signal).

Theoretisch ist es möglich, dass ein Zusteller zur Lieferanschrift fährt, im Auto sitzen bleibt und das Paket als abgestellt scannt. Anschließend fährt er weg und unterschlägt das Paket. Bei einigen Paketdiensten müssen Zusteller vom abgestellten Paket ein Beweisfoto machen. Doch auch diese Sicherungsmaßnahme lässt sich umgehen. Der Zusteller kann das Paket zum Schein am Wunschort abstellen, ein Foto machen und es anschließend wieder mitnehmen.

► Sofern Sie einen Diebstahlverdacht hegen, denken Sie nicht bloß an den Zusteller. Auch Jugendliche können aus Langeweile durch die Straßen ziehen und Pakete klauen. Teilweise gibt es auch Profidiebe (Banden), die Zustellern hinterherfahren und Paketabstellungen beobachten. Sobald die Luft rein ist, werden die Pakete dann vom Abstellort geklaut.

Falls Sie mehrere Pakete an einem Tag erwarten, könnten sogar nachfolgende Paketzusteller tatverdächtig sein. Angenommen, um 11 Uhr morgens hat DHL ein Paket bei Ihnen abgestellt, und um 14 Uhr kam UPS vorbei. Um 18 Uhr finden Sie das UPS-Paket am Abstellort, aber nicht das DHL-Paket. Theoretisch könnte der UPS-Zusteller das DHL-Paket entwendet haben.

Wie gesagt, sind solche Fälle selten, aber in der Realität schon vorgekommen. Machen Sie vielleicht einen Aushang im Supermarkt und sprechen mit Nachbarn über das Thema. Vielleicht finden Sie weitere Betroffene, denen Pakete geklaut wurden. Falls ja, könnten Sie sich zusammenschließen und z.B. die örtliche Tageszeitung informieren. Öffentliche Berichterstattung erhöht den Druck auf den/die Täter und sorgt unter Nachbarn für erhöhte Wachsamkeit hinsichtlich Paketdiebstählen.

Übrigens rät auch die Polizei dazu, Diebstähle von Paketen anzuzeigen. Handelt es sich um einen Einzelfall, ist die Aufklärungswahrscheinlichkeit eher gering. Aber wenn bei der Polizei viele Anzeigen aus einem bestimmten Gebiet eingehen, könnte sie dort verstärkt Streife fahren und intensiver fahnden.

Abschließend ein rechtlicher Aspekt: Ist dem Zusteller ein Paketdiebstahl nachweisbar, entfallen sämtliche Haftungsbegrenzungen gemäß § 435 HGB. Darin heißt es, dass Paketdienste (Frachtführer) haften, sofern der Paketverlust durch vorsätzliches oder leichtfertiges Handeln verursacht wurde "und in dem Bewußtsein, daß ein Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreten werde".

↑ zum Inhaltsverzeichnis



Sonderfall: Briefkasten-Einwurf

Gelegentlich erscheint in der Sendungsverfolgung die Meldung "Paket abgestellt" in Verbindung mit dem Abstellort "Briefkasten". Unter bestimmten Umständen dürfen Zusteller Sendungen in Briefkästen einwerfen, auch wenn der Empfänger nicht explizit eingewilligt hat. Mehr dazu in diesem Ratgeber.

↑ zum Inhaltsverzeichnis




  Veröffentlicht am   |   Autor:




Ihre Fragen zum Thema