Vermissen Sie einen Brief oder ein Paket? Dann ist der erste Schritt, einen sogenannte Nachforschungsauftrag oder eine Verlustmeldung einzureichen. Eine andere Bezeichnung lautet Suchauftrag.
Wie und mit welchem Formular die Nachforschung bei Deutsche Post, DHL, Hermes, usw. beauftragt wird, erklären wir unseren separaten Nachforschungs-Ratgebern.
Unzustellbare Briefe und Pakete werden in speziellen Ermittlungsstellen bearbeitet. Die dortigen Mitarbeiter dürfen Sendungen öffnen, um im Inneren nach gültigen Adressinformationen zu suchen. Außerdem haben die Mitarbeiter Zugriff auf Nachforschungsaufträge / Verlustmeldungen.
► Anhand der Sendungsnummer, Adressangaben oder einer Inhaltsbeschreibung können vermisste Sendungen eventuell wieder einem Kunden zugeordnet werden.
Besonderheit bei Briefen: Sie kommen manchmal aufgeschlitzt und ohne Inhalt beim Empfänger an. Hier muss kein Diebstahl vorliegen, sondern evtl. wurde das Kuvert von einer Sortiermaschine beschädigt, so dass der Inhalt herausgefallen ist. Das passiert oft bei Briefen mit scharfkantigen Gegenständen (z.B. Schlüssel). Laut Deutscher Post treffen pro Tag ca. 2000 Fundsachen im Servicecenter Briefermittlung in Marburg ein.
Ist ein Brief weder beim Empfänger noch beim Absender zustellbar, z.B. weil die Absenderanschrift fehlt, wird die Sendung zum Servicecenter Briefermittlung transportiert. Das existiert seit 1975. Zuvor hatte jedes Bundesland eine eigene Nachforschungsstelle.
Die 100 Mitarbeiter in Marburg versuchen, Absender oder Empfänger unzustellbarer Briefe herauszufinden. Manchmal leisten sie echte Detektivarbeit, wenn z.B. Sütterlin-Schrift entziffert werden muss, eine uralte PLZ auf dem Kuvert steht oder kein gültiger Straßenname.
Video: So arbeitet das Briefermittlungs-Center in Marburg
In Marburg landen alle Briefsendungen, die in den regionalen Briefzentren als unzustellbar deklariert wurden. Einem Bericht der Welt zufolge waren es 2017 ca. 16.000 Sendungen täglich. Im Dezember 2022 berichtete die Rheinische Post von 10.000 Sendungen pro Tag.
► Gelingt es den Postmitarbeitern, eine ungültige Anschrift zu korrigieren, wird der Brief i.d.R. binnen 24 Stunden weitertransportiert.
► Kann keine korrekte Anschrift ermittelt werden, wird die Sendung drei Monate lang aufbewahrt. Erhebt kein Kunde Anspruch darauf, wird die Sendung vernichtet oder versteigert (Quelle: www.wa.de).
Wertgegenstände darf die Deutsche Post nach Fristablauf behalten oder versteigern lassen. In unzustellbaren Briefen gefundenes Geld wird auf ein Sperrkonto der Post eingezahlt und dort 30 Jahre verwahrt (Quelle: welt.de).
► Die Mitarbeiter der Briefermittlung sind übrigens die einzigen, die das Briefgeheimnis brechen dürfen, um im Inneren eines Umschlags nach Empfänger- oder Absenderanschriften zu forschen. Normale Postbedienstete dürfen das gemäß §39 Postgesetz nicht.
Die Anschrift der Nachforschungsstelle lautet: Servicecenter Briefermittlung, 35031 Marburg. Eine Straßenangabe ist nicht notwendig, weil es sich um eine Großkunden-PLZ handelt. Die Hausanschrift lautet Zimmermannstr. 2, 35039 Marburg. E-Mail-Adresse: servicecenterbriefermittlung@deutschepost.de
So waren die Briefumschläge der Briefermittlungsstelle Marburg früher mal bedruckt:
Unzustellbare DHL-Pakete, die keine gültige Empfänger- und Absenderanschrift haben, landen in einer Ermittlungsstelle und werden dort geöffnet, um den Empfänger anhand des Paketinhalts zu ermitteln. Ermittlungsstellen gibt es in:
Können die Mitarbeiter in der Paketermittlung keinen Empfänger ausfindig machen, wird das Paket eingelagert. Als Kunde sollten Sie unbedingt einen Nachforschungsauftrag bei DHL einreichen, damit Ihr vermisstes Paket schneller gefunden wird.
Solche Aufkleber erhalten Pakete, die in der Ermittlungsstelle bearbeitet wurden:
Für die Lagerung eines Pakets in der DHL-Ermittlungsstelle können in bestimmten Fällen Kosten zwischen 30 und 40 Euro anfallen, wie die unten abgebildete Abrechnung zeigt, die ein Kunde erhalten hat. Diese Lagergebühren entstehen nur, wenn der Absender die Rücknahme eines unzustellbaren Pakets verweigert. Konkret bedeutet das: Ist ein Paket beim Empfänger unzustellbar und wird deshalb an den Absender zurückgesendet, lehnt dieser jedoch die Annahme ab, lagert DHL das Paket kostenpflichtig ein.
Im August 2023 berichtete die Thüringische Landeszeitung über die Polizei Gotha, wo DHL-Pakete mit illegalem Inhalt landen.
Laut Zeitungsbericht gehen jährlich insgesamt ca. 650.000 DHL-Pakete in den Ermittlungsstellen Wuppertal und Apfelstädt ein. Alle Pakete aus den alten Bundesländern gelangen nach Apfelstädt (ca. 325.000). Davon wiederum 800 (0,25%) sind ein Fall für die Polizei Gotha.
Die Zahlen sind eine Besonderheit, weil DHL und andere Paketdienste solche Informationen eigentlich geheim halten. Rechnet man 650.000 unanbringliche Pakete auf die Gesamtmenge von 1,668 Milliarden Pakete um, die DHL 2022 in Deutschland beförderte, ergibt das 0,039 Prozent. Ein verschwindend geringer Anteil. Pro Tag sind rechnerisch zwischen 1.700 und 1.800 Pakete weder beim Empfänger noch beim Absender zustellbar.