Gestohlene Pakete: Paketdienste überführen Diebe mit Fangpaketen, GPS-Signal und Videoüberwachung

Im Paketzentrum Köln-Eifeltor wurden 2018 mehrere wertvolle Pakete aufgerissen und der Inhalt gestohlen. Dafür musste sich ein 60-jähriger Paketzusteller vor dem Kölner Amtsgericht verantworten.

Laut eines Berichts des Kölner Express (www.express.de) wurde der Zusteller mit einem präparierten Paket überführt; einer sogenannten Fangsendung. Die DHL-Sicherheitsabteilung hatte das Paket so aussehen lassen, als stamme es von einem Schmuckhändler. Als der diebische Zusteller das Paket in die Finger bekam, öffnete er es - und wurde prompt überführt. DHL hatte die Fangsendung durchgehend überwacht.

In einem anderem Fall soll sich der Zusteller aufgrund der Kameraüberwachung im Paketzentrum hinter einem großen Paket versteckt haben, um unbeobachtet Schmuck zu klauen.


Fangbriefe auch bei der Deutschen Post im Einsatz

In einem Artikel des Tagesspiegels (nicht mehr online) war zu lesen, dass bei verlorenen Briefsendungen von der Deutschen Post ebenfalls Fangsendungen zur Täterermittlung eingesetzt werden.

Fangbriefe erwecken den äußeren Anschein, als enthielten sie wertvolle Waren, wie z.B. Gutscheine oder Bargeld. Auch eine Aufschrift wie "Für das Geburtstagskind" kann potenzielle Diebe anlocken.

Öffnet der Dieb einen Fangbrief, verströmt eine chemische Sicherheitsfarbe, die sich von Kleidung und Händen tagelang nicht abwaschen lässt. Dieses Verfahren wird auch bei Banküberfällen eingesetzt, indem mit Farbe präparierte Geldbündel in den Händen der Räuber explodieren.

Auf diese Weise werden in Berlin jährlich bis 10 Zusteller enttarnt und fristlos gekündigt, sagte ein Post-Sprecher gegenüber dem Tagesspiegel. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass Briefe nicht nur von Mitarbeitern gestohlen werden sondern z.B. auch durch Briefkasten-Aufbrüche oder durch Fahrzeugklau abhanden kommen.


Videoüberwachung gegen Posträuber

Um die Recherche nach verlorenen Paketen zu beschleunigen und um potenzielle Diebe abzuschrecken, nutzen alle Paketdienste Videoüberwachungsanlagen in ihren Sortierzentren.

Die Transportbänder innerhalb der Paketzentren werden fortlaufend gefilmt, während gleichzeitig die Strichcodes der Pakete eingelesen werden. Durch die Verknüpfung der Paketnummer mit Zeit und Ort der Scanstelle lässt sich im Bedarfsfall das Videobild eines vermissten Pakets digital abrufen.

Diese Videoüberwachung gibt es hauptsächlich in überregionalen Paketzentren. In kleineren, regionalen Zustellbasen oder Zustellstützpunkten gibt es nach Paketda-Informationen weniger Videoüberwachung.

Beispiel: Software zur Videoüberwachung in Paketzentren, Quelle: www.ametras.com

Software zur Videoüberwachung

Trotz Videoüberwachung: Profidiebe beklauten DPD in Luxemburg

Im Jahr 2019 wurde ein riesiger Diebstahl bei DPD in Luxemburg aufgedeckt. Pakete im Wert zwischen 650.000 und 1 Million Euro sollen dort abhanden gekommen sein. Die luxemburgische Zeitung L'essentiel berichtete, dass Anfang Oktober 2019 fünf Lagerarbeiter und ein Fahrer des DPD-Depots 0539 in Bettemburg (Google Streetview) verhaftet wurden.

Die Bande ging offenbar sehr professionell vor, so dass "über Monate hinweg" niemandem die verlorenen Pakete auffielen. Im DPD-Depot fanden die Diebstähle gezielt im toten Winkel von Überwachungskameras statt. Eine andere Masche war laut L'essentiel, dass die Postleitzahlen wertvoller Pakete so verändert wurden, dass sie der Ausliefertour des angeklagten Fahrers zugeordnet wurden.

Quelle: www.lessentiel.lu


Peilsender in Fangpaketen

Die Westfälischen Nachrichten (WN) berichteten 2016 von einem ehemaligen DHL-Mitarbeiter, der im Paketzentrum Greven von 2012 bis 2013 regelmäßig Pakete geklaut hat.

Interessant ist, mit welchen Mitteln DHL versuchte, dem diebischen Arbeitnehmer auf die Schliche zu kommen. Zunächst wurden die Verlustmeldungen ausgewertet. Ein interner Ermittler sagte laut WN-Bericht, dass die Verluste immer dann zurückgingen, wenn der Täter keinen Dienst hatte. Daraufhin wurden im Paketzentrum Greven spezielle Pakete mit eingebautem Peilsender eingeschleust, um sie bei Diebstahl orten zu können. Das brachte jedoch keinen Erfolg. Schließlich installierte DHL eine Videoüberwachung. Der LKW-Fahrer wurde überfuhrt, als er ein Paket öffnete und es mitgehen ließ.


Handscanner von DHL haben GPS-Ortungssignal

Der Kölner Express berichtete 2018 über eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Köln. Dort waren zwei ehemalige DHL-Paketboten angeklagt, weil sie sich teure Smartphones an Fake-Lieferadressen in ihrem Zustellbezirk schicken ließen.

Laut Kölner Express wussten die beiden Betrüger, dass ihre Handscanner mit einer GPS-Ortung ausgestattet sind. Deshalb wäre es bei DHL aufgefallen, wenn die Pakete als "zugestellt" gescannt würden, obwohl sich die Paketboten gar nicht an der Lieferanschrift befanden. Die Boten fuhren mit den Smartphone-Paketen also zu den Fake-Lieferanschriften, scannten die Pakete dort als "zugestellt" und krakelten etwas ins Unterschriftenfeld.

Trotzdem kam die Polizei den Betrügern bald auf die Schliche. Vermutlich, weil 15 Handy-Diebstähle im stets gleichen Zustellbezirk einfach auffallen mussten. Das Urteil von 11 Monaten Haft auf Bewährung erging wegen Betrugs und Urkundenfälschung.


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