Zusteller müssen für verlorene Pakete haften / Mehr Fracht-Charterflüge, weil Passagierflüge ausfallen


Zusteller müssen für verlorene Pakete haften

Das NDR-TV-Magazin "Markt" berichtete am 06.04.2020 über einen DHL-Zusteller, der für verlorene Pakete Schadenersatz an seinen ehemaligen Arbeitgeber bezahlen sollte. Es ging um 1.375 Euro für mehrere nicht zugestellte Pakete. Bericht in der Mediathek bei ndr.de.

Unabhängig von dem Einzelfall, der im TV-Bericht ausführlich dargestellt wird, bemerkt Nicolai Franke, Gewerkschaftssekretär bei Verdi Hamburg, eine Zunahme von Regressforderungen gegenüber Zustellern. Er sagt: "Wir nehmen solche Fälle in der Vergangenheit immer häufiger wahr. Und es ist offensichtlich so, dass die Deutsche Post AG ihr Augenmerk in der Hauptsache darauf legt, gegenüber dem Kunden gut dazustehen. Da bleibt die Loyalität gegenüber den Beschäftigten auf der Strecke."

Franke bemängelt, dass den Paketkunden angeblich mehr Glauben geschenkt werde als den Zustellern. Rechtfertigungen und Erklärungen der Zusteller, warum sie für Verluste nicht verantwortlich sind, beachte DHL angeblich nicht. Franke wörtlich: "Die Deutsche Post AG scheint den Einzelfall gar nicht zu prüfen. [...] Die Zustellerinnen und Zusteller werden ohne die Einzelprüfung erstmal pauschal in Regress genommen."

Gegenüber dem NDR widerspricht Deutsche Post DHL dieser Darstellung. Letztendlich ging der im TV-Beitrag besprochene Fall gut für den Arbeitnehmer aus: die Post verzichtete auf Schadenersatz.



Weil Passagierflüge ausfallen: mehr Charterflüge für Frachttransporte

Das auf Express- und Notfalllogistik spezialisierte Lufthansa-Tochterunternehmen time:matters (Neu-Isenburg, Nähe Flughafen Frankfurt) meldet seit Beginn der Corona-Krise immer mehr Charterflüge. Laut time-matters-Facebookseite organisierte das Unternehmen beispielsweise ein Passagierflugzeug, um medizinische Güter von Frankfurt nach Madrid zu transportieren. Ein weiterer Auftrag war der Transport von 17 Tonnen Atemmasken von Shanghai nach Wien.

Die Samedaylogistics GmbH aus Kelsterbach (am Flughafen Frankfurt) ist in der gleichen Branche tätig und organisiert für seine Kunden ebenfalls Charterflüge. Eine günstige Angelegenheit ist das nicht: Aktuell kostet ein Vollcharterflug von China nach Europa ca. 1,4 Millionen Euro. Der Normalpreis vor Corona lag bei 500.000 Euro. (Quelle: Minute 4:20 in Folge 10 des BVL-Podcast mit Zufall-Geschäftsführer Jürgen Wolpert).

Übrigens: Werden Passagierflugzeuge genutzt, um in den Kabinen Fracht zu transportieren, müssen zur Ladungssicherung trotzdem Flugbegleiter an Bord sein. Diese Vorschrift gilt zumindest in Singapur, wie forbes.com unter Berufung auf die zuständige Luftfahrtbehörde berichtet. Die Hersteller Airbus und Boeing empfehlen Begleitpersonal in der Kabine, falls darin Fracht transportiert wird.




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