Paket auf Briefkasten abgestellt oder ohne Unterschrift in den Briefkasten eingeworfen

Briefkasten leer

Inhaltsverzeichnis

  1. Mein Paket wurde einfach auf dem Briefkasten abgestellt (und wurde womöglich geklaut)
  2. Wer haftet, wenn eine abgestellte Sendung verloren geht?
  3. Mein Paket wurde ohne Unterschrift in den Briefkasten eingeworfen (aber dort ist es nicht)
  4. Was tun, wenn ein Paket im Briefkasten nicht auffindbar ist?

Mein Paket wurde einfach auf dem Briefkasten abgestellt (und wurde womöglich geklaut)

Generell gilt, dass weder Briefe noch Pakete herrenlos irgendwo abgelegt werden dürfen. Es sei denn, der Empfänger hat dem Zusteller bzw. dem Zustelldienst eine Erlaubnis erteilt. Das geht auch mündlich und informell, wenn man seinen Zusteller z.B. gut kennt und als verlässlich einschätzt.

Manche Briefe sind einfach zu groß für den Briefkastenschlitz. Damit der Empfänger solche Sendungen nicht jedes Mal in der Filiale abholen muss, ist das Abstellen auf dem Briefkasten die einfachere Variante. Wenn es sich um ein Mehrfamilienhaus handelt, bei dem die Briefkästen im Hausflur hängen, sollte die Haustür nur für Mieter zu öffnen sein. Wenn auch fremde Leute den Flur betreten können, ist das Diebstahlrisiko nach Einschätzung der Paketda-Redaktion zu hoch.

Im Zweifel gilt: Erteilen Sie dem Zusteller keine Erlaubnis zum Abstellen von Post auf dem Briefkasten. Wenn es trotzdem gemacht wird (ohne dass Ihr Einverständnis vorliegt), weisen Sie den Zusteller darauf hin. Entweder durch persönliche Ansprache oder durch einen Hinweiszettel an Ihrem Briefkasten ("Bitte keine Post abstellen. Große Sendungen bitte an Filiale.") Alternativ können Sie auch eine Nachricht an den Kundenservice des Postunternehmens schicken. Anschriften siehe hier.

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Wer haftet, wenn eine abgestellte Sendung verloren geht?

Wenn Sie als Empfänger eine Abstellerlaubnis erteilt haben, haften Sie bei Diebstahl oder Verlust von Sendungen selbst. Auch wenn Sie keine ausdrückliche Erlaubnis erteilt haben, aber z.B. monatelang ohne Widerspruch das Abstellen hingenommen haben, könnte man Ihnen ein stillschweigendes Einverständnis unterstellen.

Wenn Sie das Abstellen von Sendungen nicht erlaubt haben oder sogar ausdrücklich widersprochen haben, haftet das Postunternehmen für verloren gegangene Sendungen. Manchmal wird dem Zusteller der Schaden sogar vom Gehalt abgezogen. Zu diesem Thema lesen Sie bitte den Ratgeber zum Verlust abgestellter Paketsendungen.

Haftungs-Unterschied zwischen Briefen und Paketen

Briefe und Päckchen sind i.d.R. nicht versichert. Einschreiben sind bei Verlust bis 25 Euro versichert und Einwurf-Einschreiben bis 20 Euro (Stand: 2016). Eine Besonderheit sind Wertbriefe der Deutschen Post mit höherer Versicherungssumme. Bei einem Verlust normaler Briefe und Päckchen gibt es also keinen Schadenersatz. Ausnahme sind Hermes-Päckchen: Hier gibt es eine geringe Versicherungsdeckung von 50 Euro.

Die Paketda-Redaktion rät

Machen Sie es von der Zuverlässigkeit Ihres Zustellers abhängig, ob Sie eine Abstellerlaubnis erteilen oder nicht. Bei Paketen sollten Sie die Abstellerlaubnis immer schriftlich erteilen (Vordrucke für Abstellgenehmigungen siehe hier), um einen Nachweis der Vereinbarung zu haben.

Im Zweifelsfall können Sie die Abstellgenehmigung jederzeit widerrufen, z.B. wenn der Zusteller ausgewechselt wird oder wenn der vereinbarte Ablageort nicht eingehalten wird. Wenn eine Sendung an einem anderen Ort abgestellt wird, als schriftlich vereinbart wurde, haftet der Paketdienst für den Verlust. Als Empfänger kann man aber kaum nachweisen, wo der Zusteller das Paket abgestellt hat, wenn es danach verloren ging bzw. geklaut wurde. Es sei denn, der Bereich ist videoüberwacht oder ein Zeuge hat die Falschablage mitbekommen.

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Mein Paket wurde ohne Unterschrift in den Briefkasten eingeworfen (aber dort ist es nicht)

Normalerweise müssen Paketzustellungen immer durch die Unterschrift des Empfängers quittiert werden. Es gibt folgende Ausnahmen:

  • Wenn der Empfänger eine Abstellgenehmigung erteilt hat (siehe oben)
  • Wenn es sich um eine nicht-nachweispflichtige Sendung handelt (z.B. Päckchen)
  • Wenn die Sendung in den Briefkasten hineinpasst (je nach AGB des Paketdienstes)

Sofern eine Sendung nicht nachweispflichtig ist und/oder der Empfänger eine Abstellgenehmigung erteilt hat, darf eine Zustellung durch Einwurf in den Briefkasten erfolgen. Auch eine Zustellung in Paketkästen ist möglich (siehe Paketkasten-Ratgeber).

Das gilt allerdings nur, sofern die Sendung vollständig in den Briefkasten hineinpasst. Es darf für Fremde nicht möglich sein, die Sendung herauszuziehen. Außerdem darf der Zusteller die Sendung nicht derart in den Briefkastenschlitz quetschen, so dass sie beschädigt wid.

Wenn eine Sendung zu groß für einen Briefkasten ist, muss sie dem Empfänger persönlich übergeben werden. Oder alternativ an Nachbarn oder an eine Postfiliale.

Der Paketdienst DPD bietet eine Versandform an, die sich DPD ParcelLetter nennt. Das sind kleine, briefähnliche Sendungen. Die Zustellung quittiert der DPD-Bote selbst in seinem Handscanner. Die Sendung wird in den Briefkasten eingeworfen, ohne dass der Empfänger unterschreiben muss. Allerdings gilt auch hier: Passt die Sendung in den Briefkasten nicht hinein, muss eine persönliche Übergabe erfolgen.

Laut AGB von DPD (Punkt 6.3.) ist es Zustellern erlaubt, kleinformatige Sendungen mit einem Warenwert bis max. 50 Euro in den Briefkasten des Empfängers einzuwerfen. Es ist die Pflicht des Absenders, DPD schriftlich auf höherwertige Sendungen hinzuweisen und den Briefkasten-Einwurf zu verbieten. Diese Pflicht betrifft das Vertragsverhältnis zwischen Absender und DPD. Wenn der Absender hier einen Fehler macht, haftet der Empfänger nicht.

In der Sendungsverfolgung von DHL lesen viele Kunden den Hinweis "Zugestellt an Briefkasten". Das deutet darauf hin, dass auch DHL-Boten Paketsendungen offenbar ohne Unterschrift des Empfängers in den Briefkasten einwerfen. In den AGB von DHL findet sich jedoch kein Paragraph, der dies erlaubt. In Abschnitt 4.2 wird explizit die "Aushändigung gegen Empfangsbestätigung" erwähnt.

Aus Verbrauchersicht ist dies eine gute Regelung, weil man aus ihr ggf. eine Haftung von DHL ableiten kann, sofern eine Sendung verbotenerweise in den Briefkasten eingeworfen wurde.

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Was tun, wenn ein Paket im Briefkasten nicht auffindbar ist?

Wenn Sie als privater Verbraucher bei einem gewerblichen (Versand-) Händler bestellt haben, haftet der Versender für die ordnungsgemäße Zustellung (§ 474 Abs. 2 BGB). Der Versender haftet dem Kunden (Empfänger) gegenüber sogar für das Fehlverhalten des Paketdienstes. Als Verbraucher haben Sie Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises (bzw. können die Zahlung verweigern), sofern der Absender die Zustellung nicht beweisen kann.

Bei Paketen von Privat an Privat ist es schwieriger. Hier kann der Empfänger die Haftung nicht auf den Absender abwälzen. Beispiel eBay-Verkäufe: Hier trägt der Empfänger das Transportrisiko (§ 447 Absatz 1 BGB). Den Absender trifft lediglich die Pflicht, im Schadens- bzw. Verlustfall die Schadenabwicklung mit dem Paketdienst zu übernehmen. Weil man als Empfänger kein Vertragsverhältnis mit dem Paketdienst hat, muss der Absender die Ansprüche geltend machen. Lesen Sie dazu unseren Nachforschungs-Ratgeber.

Wenn ein Paket angeblich in den Briefkasten eingeworfen wurde, aber dort nicht liegt, sollte man so schnell wie möglich den Paketdienst kontaktieren. Vielleicht kann durch Befragung des Zustellers noch herausgefunden werden, wo das Paket stattdessen gelandet ist (z.B. bei Nachbarn).

Schauen Sie anschließend in die AGB des Paketdienstes, ob Briefkasten-Zustellungen überhaupt erlaubt sind. Und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Reklamieren Sie den Paketverlust schriftlich. Idealerweise per Einschreiben an die Zentrale des Paketdienstes.

Obige Informationen ersetzen keine Rechtsberatung. Kontaktieren Sie ggf. einen Rechtsanwalt, um einschätzen zu lassen, wie gut die Chancen auf Schadenersatz sind. Eine Frage an einen Rechtsanwalt können Sie direkt hier unverbindlich stellen.

Ich wünsche Rat vom Rechtsanwalt

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