Getestet: So gut funktioniert die DHL Warenpost

Seit Juli 2020 bietet Deutsche Post DHL eine modernisierte Variante der Warenpost an. Diese Versandart können nur Geschäftskunden nutzen, deshalb darf man sie nicht mit der gewöhnlichen Warensendung verwechseln, die von jedermann verschickt werden kann.

Die Warenpost wird unter der Produktbezeichnung "DHL Warenpost - ein Produkt der Deutschen Post" beworben. Besonderheit: Warenpost-Sendungen werden in Briefzentren der Deutschen Post bearbeitet, sie haben aber trotzdem ein DHL-Paketlabel.

Eine Sendungsverfolgung ist unter www.dhl.de möglich. Allerdings erscheint bei Warenpost folgender Hinweis: "Sendung mit reduzierter Sendungsverfolgung." Das bedeutet, Warenpost wird nicht an jeder Station gescannt. Es gibt weniger Statusmeldungen als bei echten DHL-Paketen.


Wichtige Merkmale der DHL Warenpost sind:

  • Postbote quittiert die Übergabe selbst oder wirft Sendung in Briefkasten des Empfängers.
  • Lieferung an Packstation und Postfach ist möglich.
  • Keine Lieferung per Postfiliale Direkt
  • Maximalmaße: 35,3 cm x 25 cm x 5 cm, bis 1kg
  • Keine Haftung bei Verlust und Beschädigung

Update vom 1. November 2020: Deutsche Post DHL teilt mit, dass die Warenpost-Sortieranlagen in Briefzentren ab sofort "an sechs Tagen in der Woche im 24-stündigen Dauerbetrieb arbeiten". Der Dauerbetrieb gilt bis Ende Dezember, um die hohen Sendungsmengen zu bewältigen.


Paketda hat die DHL Warenpost getestet

Ende Juli 2020 hat Paketda 21 Warenpost-Testsendungen an Empfänger in unterschiedlichen Regionen Deutschlands losgeschickt. Format: etwas kleiner als A4, ca. 1 cm dick, gleichförmiger Vollpappe-Umschlag.Ergebnis: 67% der Sendungen waren nach einem Tag beim Empfänger, und nach zwei Tagen waren 95% der Sendungen zugestellt.*

Abschicken: Die Testsendungen wurden gesplittet via Briefkasten-Einwurf, Filial-Abgabe und Packstation verschickt. Bei den ersten beiden Methoden gab es keine Verzögerungen. Sendungen, die via Packstation verschickt wurden, brauchten einen Tag länger. Packstationen werden durch DHL-Fahrer geleert. Dadurch gelangt die Warenpost zuerst zu DHL und muss anschließend an ein Briefzentrum der Deutschen Post übergeben werden.

* Lässt man die per Packstation verschickten Sendungen in der Lieferzeit-Auswertung unberücksichtigt, wurden 93% aller Sendungen nach einem Tag zugestellt.

Empfangen: Die meisten Testempfänger erhielten die Warenpost durch Briefkasten-Einwurf. In 4 Fällen erfolgte eine persönliche Übergabe. Eine Testsendung war an eine Packstation adressiert; das verursachte keine Verzögerung. Eine weitere Testsendung war an ein Postfach adressiert; hier wurde die Zustellung im Tracking nicht dokumentiert (Tracking hier).

Unregelmäßigkeiten: 1 Sendung wurde absichtlich mit falscher Hausnummer verschickt und mit dem Zusatzservice Filialrouting. Der Zusteller hätte die unzustellbare Sendung eigentlich in einer Postfiliale hinterlegen müssen. Stattdessen wurde die Warenpost als "am Wunschort abgelegt" gebucht, obwohl sie der Empfänger nicht erhalten hat (Tracking hier). Zum Vergleich: Beim Test des DPD-Parcelletters kamen 2 von 21 Sendungen nicht an.

Sendungsverfolgung: Die Sendungsverfolgung ist der größte Schwachpunkt der DHL Warenpost. Unabhängig vom Versandtest gab es im Paketda-Forum schon Beschwerden von Kunden, bei denen eine Warenpost zu früh als "zugestellt" angezeigt wurde. Auf der DHL-Website wird dieses Phänomen sogar offiziell erklärt. Es könne laut DHL vorkommen, dass eine Sendung vormittags als zugestellt gebucht wird aber erst nachmittags beim Kunden ankommt. - In der Zwischenzeit ist der Kunde natürlich in heller Aufregung, weil er die Sendung überall vergeblich sucht.

Im Paketda-Versandtest stellte sich heraus, dass Warenpost häufig unzuverlässig gescannt wird. Dass es einen Tracking-Scan aus dem Briefzentrum der Absenderregion und der Empfängerregion gibt, ist selten. Nur in einem einzigen Fall waren sämtliche Scans vorbildlich vorhanden (Tracking hier). In einem anderen Fall fehlten fast alle Scans (Tracking hier).

DHL will bei Kunden für die lückenhafte Sendungsverfolgung um Verständnis bitten und blendet deshalb im Tracking einen Hinweistext ein: "Sendung mit reduzierter Sendungsverfolgung". Schlecht ist, dass dieser Hinweis nicht ständig erscheint sondern nach Beobachtungen der Paketda-Redaktion erst, wenn eine Warenpost die Zielregion erreicht hat.

Fazit: DHL-Warenpost ist so schnell wie ein Brief, sofern man sie per Briefkasten oder Filiale verschickt. Das Tracking ist eher schlecht und kann bei Empfängern für Unsicherheit sorgen, weil der Transportfortschritt nicht zuverlässig erkennbar ist. Immerhin erscheinen die "heute in Zustellung"-Scans fast immer, so dass man als Empfänger den Liefertag abschätzen kann. Eine Paketda-Versandtesterin bemängelte, dass ihre Warenpost zeitgleich als "in Zustellung " und "zugestellt" gescannt wurde (Tracking hier).



Weitere Details zur DHL Warenpost

Die Preise für DHL Warenpost sind nicht bekannt und werden mit Großkunden individuell verhandelt. Kleinere Kunden werden wohl nach einer festen Preisliste abgerechnet. Es gibt ein Rücksende-Entgelt in Höhe von 2 Euro. Es wird für alle retournierten Sendungen fällig. Um vorschnelle Rücksendungen zu verhindern, kann auf Wunsch das Filialrouting für 1,49 Euro gebucht werden.

Aus DHL-Unterlagen, die der Paketda-Redaktion zugespielt wurden, geht hervor, dass nur maschinenfähige Sendungen in den Briefzentren gescannt werden und Statusmeldungen im Tracking erhalten.

Nur maschinenfähige Sendungen erhalten Scans
Das eingeschränkte Tracking ist ein großer Nachteil. Verwendet der Absender keinen stabilen Kartonumschlag sondern eine Papier-Versandtasche, verhindert ein unförmiger Sendungsinhalt das Tracking. Dieses Phänomen besteht auch bei Prio-Briefen. Sobald man Waren hineinsteckt, funktioniert das Tracking in der Regel nicht.

Eine Neuerung sind platzsparend gestaltete DHL-Label im Format 7x10cm. Man sieht sie auf dieser Abbildung:

Paketaufkleber für Warenpost
Kleine Firmenkunden können die Label im DHL-Geschäftskundenportal erzeugen und herunterladen. Großkunden nutzen jedoch spezielle Versandsoftware. Dort muss das neue Labelformat erst einprogrammiert werden. Außerdem müssen Etikettendrucker darauf eingestellt werden.

Briefsendungen der Deutschen Post waren bislang an Frankiervermerken mit Matrixcode (ähnlich einem QR-Code) erkennbar. Die neue DHL-Warenpost verzichtet darauf und hat zwei klassische Strichcodes bestehend aus Sendungsnummer und Leitcodierung. Das bedeutet eventuell, dass Sendungen in Briefzentren auch anhand von DHL-Leitcodierungen sortiert werden können.

Weiterführende Infos: www.dhl.de/warenpost


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