Keine Paket-Unterschrift wegen Corona: Schwierige Beweislage für Kunden

Unterschrift für DHL-Paket auf Handscanner
Seit März 2020 verzichten nahezu alle Paketdienste auf eine Empfängerunterschrift. Ausnahmen sind DHL Express und Hermes: dort unterschreiben Kunden mit Kuli auf dem Karton, und der Zusteller fotografiert die Unterschrift ab.


Paket angeblich zugestellt, aber nichts erhalten

Im Paketda-Forum erhalten wir regelmäßig Beschwerden von Kunden, deren Sendungen laut Tracking als zugestellt gelten - doch in Wirklichkeit ist die Sendung nicht auffindbar. Mangels Empfängerunterschrift ist die Beweislage sehr schwierig. Der Paketdienst kann behaupten, das Paket sei dem Empfänger ausgehändigt worden. Wegen Corona gibt es ja keine Unterschrift und somit keinen eindeutigen Beweis über die Ablieferung.

Viele Kunden berichten uns, dass Zusteller vermehrt Pakete im Flur, im Garten oder vor der Haustür abstellen. Das ist jedoch nicht erlaubt! Die sogenannte kontaktlose Zustellung ist nicht mit einer Abstellerlaubnis vergleichbar. Zusteller müssen Pakete weiterhin persönlich übergeben. Es sei denn, der Empfänger hat in die Abstellung an einem vereinbarten Ort (z.B. Garage) eingewilligt.

Liegt keine Abstellerlaubnis vor, und ist der Empfänger nicht zu Hause, muss der Zusteller das Paket entweder bei Nachbarn abgeben oder es in einem Paketshop hinterlegen. Das Abstellen von Paketen bei Abwesenheit des Empfängers ist im Rahmen der "Corona-Zustellung" nicht erlaubt.

Sofern ein angeblich zugestelltes Paket beim Empfänger nicht angekommen ist, sollte der Empfänger beim Absender und beim Kundenservice des Paketdienstes reklamieren, damit der Zusteller befragt wird.

Hat der Empfänger als Privatperson bei einem deutschen Versandhändler (Onlineshop) bestellt, so trägt der Verkäufer das Transportrisiko. Der Verkäufer kann die Verantwortung nicht auf den Paketdienst abwälzen. Der Shop muss beweisen, dass der Empfänger persönlich das Paket erhalten hat - anderenfalls hat der Verkäufer keinen Anspruch auf den Kaufpreis. Nach Meinung der Paketda-Redaktion darf die fehlende Empfängerunterschrift nicht zu Lasten des gesetzlichen Verbraucherschutzes gehen.

Paketda rät: Sammeln Sie so viele Beweise wie möglich, dass Sie die Lieferung nicht erhalten haben. Waren Sie zum Lieferzeitpunkt evtl. abwesend? Oder waren Sie zu Hause anwesend und hätten den Zusteller klingeln gehört? Haben Nachbarn etwas beobachtet? Wenn in der Vergangenheit Pakete im Flur oder vor der Tür abgestellt wurden, kann das ein Indiz dafür sein, dass das verlorene Paket ebenfalls unerlaubt abgestellt wurde - und dann evtl. geklaut wurde.

Falls der Verkäufer nicht haften will, holen Sie sich rechtliche Unterstützung bei einer Verbraucherzentrale oder einem Anwalt (Details hier). Bei Einkäufen von Privatpersonen bei einem Onlineshop besteht guter Verbraucherschutz. Bei Geschäften zwischen zwei Privatpersonen ist die Situation sehr viel schwieriger, weil der Empfänger das Transportrisiko trägt.


Rückblick: So berichtete Paketda in 2020

24. März: DHL Express verwendet die gleiche Methode wie Hermes. Kunden unterschreiben mit eigenem Stift auf dem Paketaufkleber und der Zusteller fotografiert die Unterschrift ab. Quelle: www.dhl.de.


23. März: Hermes bittet Kunden, mit eigenem Stift auf dem Paketaufkleber zu unterschreiben. Der Zusteller macht anschließend ein Foto davon. Details zur kontaktlosen Hermes-Zustellung hier bei Paketda.


19. März: UPS verlangt für die meisten Pakete keine Unterschrift mehr. Die Ablieferbelege werden mit dem Code CV19 plus 11 Zeichen des Empfängernamens gekennzeichnet. Ausgenommen sind Pakete, bei denen der Absender ausdrücklich eine Zustellung gegen Unterschrift verlangt. Quelle: www.ups.com.


17. März: DHL und Deutsche Post haben heute bestätigt, dass Kunden für Einschreiben und Pakete nicht mehr unterschreiben müssen. Quelle: www.dhl.de/coronavirus. Zusteller unterschreiben selbst mit einem Q für Quarantäne zuzüglich ihrem eigenen Namen. DHL-Pakete werden nach Möglichkeit vor der Tür abgestellt, dann klingelt der Bote und tritt einige Schritte zurück, so dass Abstand gewahrt bleibt.


17. März: DPD verlangt bei der Paketzustellung keine Unterschrift des Empfängers mehr. Quelle: DPD-Website. DPD-Pakete werden offenbar an der Haustür des Empfängers abgestellt, anschließend klingelt der Zusteller. Ist niemand zu Hause, nimmt der DPD-Bote das Paket wieder mit. Daraufhin erfolgt eine Retoure und keine Paketshop-Umleitung. Quelle: sellerforum.de


Kunden sollen die Handscanner und Stifte nicht mehr anfassen, um das Ansteckungsrisiko mit Corona zu minimieren. Eine sinnvolle Maßnahme, denn Paketzusteller gehen von Haus zu Haus, und mit jeder Ablieferung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Empfänger infiziert ist. Über Scanner und Stift könnten die Viren eventuell weitergegeben werden.

Um eine Unterschriften-Fälschung handelt es sich übrigens nicht, weil die Zusteller nicht mit dem Namen des Kunden unterschreiben sondern mit ihrem eigenen Namen. Bei DHL wird dem Namen des Zustellers außerdem der Buchstabe "Q" für Quarantäne vorangestellt. Bei DPD wird im Handscanner "AO" für Abstellort vermerkt.

Beispiel: DHL-Quarantäne-Auslieferungsbeleg (Unterschrift von Paketda abgeändert)

Anzeige


Paket-Unterschrift durch Abstellgenehmigung vermeiden

Wer ein Paket erwartet, kann durch Erteilen einer Abstellerlaubnis die Unterschrift vermeiden.

Bei den nachfolgenden Paketdiensten können Sie online für einzelne Pakete festlegen, dass sie ohne Unterschrift abgestellt werden dürfen. Sofern Sie keinen sicheren Abstellort haben (z.B. Garage, Terrasse), sollte durchgehend jemand zu Hause sein, um das abgestellte Paket reinzuholen. Geben Sie bei der Online-Abstellgenehmigung beispielsweise folgenden Hinweistext ein: "Bitte klingeln und vor Haustür ablegen".

Wie erteile ich eine Abstellgenehmigung?

  • DHL: In der Sendungsverfolgung unter dhl.de
  • DPD: In der Sendungsverfolgung unter dpd.com/de
  • Hermes: In der Sendungsverfolgung unter myhermes.de
  • GLS-Abstellformular: kontaktlose-zustellung.gls-one.de. In Ausnahmefällen ist eine Zustellung ohne Unterschrift auch möglich, wenn der Kunde keine Abstellerlaubnis erteilt hat. (Quelle)
  • UPS: Nur, wenn der Empfänger für UPS My Choice registriert ist

Hinweis: Die Abstellgenehmigung muss meistens bis zum Vorabend des geplanten Liefertages online eingegeben werden. Falls Sie es später versuchen, könnte die Funktion deaktiviert sein. Lesen Sie für detaillierte Infos unseren Ratgeber zur Abstellerlaubnis.

Achten Sie darauf, den Paketdiensten nicht versehentlich eine dauerhafte Abstellerlaubnis zu erteilen. Es sei denn, Pakete sollen auch nach der Corona-Pandemie weiterhin bei Ihnen abgestellt werden.


  Veröffentlicht am   |   Autor:
Anzeige

✉ Verpassen Sie nichts mit dem Paketda-Newsletter: Kostenlos abonnieren per E-Mail oder bei Telegram



Mehr Paketdienst-News