Paket angeblich in Packstation eingelegt, aber es wurde nicht weitertransportiert

Eine Packstation von DHL

Vermeintlich clevere Betrüger nutzen die DHL-Packstationen für krumme Geschäfte. Sie nutzen aus, dass man dort Einlieferungsbelege für Pakete erzeugen kann, ohne das Paket tatsächlich in ein Fach eingelegt zu haben.

Die Masche funktioniert so: Ein Kunde kauft über eBay oder eBay Kleinanzeigen ein Produkt und bezahlt es im Voraus. Der Absender verschickt das Paket mit DHL, er gibt es jedoch nicht in einer Filiale / Paketshop ab. Stattdessen nutzt der Absender eine DHL-Packstation und legt das Paket dort (angeblich!) hinein. Der Absender erhält einen Einlieferungsbeleg und kann somit dem Käufer und im Zweifelsfall sogar eBay den Versand nachweisen.

► Wie kann der Betrüger vortäuschen, ein Paket mittels Packstation verschickt zu haben?
Das gelingt ihm, indem er den Strichcode eines beliebigen Pakets an der Packstation einscannt. Daraufhin öffnet sich ein Fach der Packstation. Darin würden "normale Menschen" nun das Paket hinterlegen und die Klappe des Fachs schließen. Der Betrüger hingegen schließt die Klappe des Fachs, ohne ein Paket hineingelegt zu haben. Die Packstation hat keinen Prüfmechanismus, um dies zu erkennen. Nachdem das Fach geschlossen wurde, erhält der Absender einen Einlieferbeleg und in der DHL-Sendungsverfolgung wird angezeigt, dass die Sendung in die Packstation eingelegt wurde.

In der Regel kommt am nächsten Tag ein DHL-Zusteller an der Packstation vorbei, um alle eingelegten Pakete zu entnehmen. Die Packstation öffnet dem Zusteller all jene Fächer, in die angeblich Pakete hineingelegt wurden. In diesem Moment erscheint in der Sendungsverfolgung der Status "Die Sendung wurde zum Weitertransport aus der Packstation entnommen". Der Status erscheint auch bei leeren Fächern!

Praxisbeispiel aus der DHL-Sendungsverfolgung
Bleibt der Sendungsstatus "Zum Weitertransport entnommen" drei Tage lang unverändert, stimmt etwas nicht. Das Paket muss spätestens nach 2 Tagen im Start-Paketzentrum eintreffen und dort gescannt werden.


Indizien, die gegen Betrug sprechen

Wie bereits erläutert, werden Pakete nach der Entnahme aus der Packstation zum DHL-Paketzentrum in der jeweiligen Absenderregion weitertransportiert. Meistens treffen die Pakete dort am Abend des gleichen Tages ein. Am Samstag abgeschickte Pakete brauchen manchmal länger und treffen erst am Dienstag im Paketzentrum ein.

► Im Tracking muss spätestens nach 3 Tagen der Status "Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet." erscheinen.

► Einige Paketzusteller scannen Pakete sofort nach dem Entnehmen aus der Packstation manuell ein. Dann erscheint im Tracking der Status "Die Sendung wurde abgeholt."

Sobald eine der vorgenannten Statusmeldungen im Tracking erscheint, ist der Betrugsverdacht ausgeräumt. Die Statusmeldungen bedeuten nämlich, dass der Karton physisch bei DHL bearbeitet wurde. Es handelt sich also nicht um einen vorgetäuschten Paketversand.



Was tun, wenn Betrugsverdacht weiterhin besteht?

Ändert sich der Sendungsstatus "Zum Weitertransport entnommen" drei Tage lang nicht, müssen Sie als Empfänger auf den Absender Druck ausüben. Drängen Sie den Absender darauf, dass er bei DHL einen Nachforschungsauftrag stellt.

Betrügerische Absender sträuben sich i.d.R. gegen einen Nachforschungsauftrag. Denn im Rahmen der Zustellerbefragung könnte herauskommen, dass das Fach der Packstation leer war.

Möglicherweise täuscht der Absender deshalb bloß vor, eine Nachforschung bei DHL beauftragt zu haben. Wir bei Paketda.de raten dem Empfänger, bei DHL anzurufen und nachzufragen, ob wirklich eine Nachforschung für das Paket vorliegt. Falls nicht, stellen Sie selber einen Nachforschungsauftrag und zusätzlich eventuell eine Anzeige bei der Polizei.

Hinweis: Nachforschungsaufträge können eigentlich nur Absender stellen und nicht die Empfänger. Schildern Sie dem DHL-Kundenservice deshalb auf einem Begleitschreiben die Umstände und den Betrugsverdacht gegen den Absender. Verweisen Sie ggf. auf das Aktenzeichen der polizeilichen Ermittlungen.

Musterbrief: Absender zur Nachforschung auffordern


Ein wichtiger Anhaltspunkt für die Polizei und für DHL ist außerdem die verwendete Paketnummer. Der Absender muss an der Packstation ja den Strichcode eines Pakets eingescannt haben, sonst hätte sich das Fach nicht geöffnet. Dieser Strichcode kann entweder eine ausgedachte Paketnummer sein, dann sind keine Rückschlüsse auf den Täter möglich. Oder der Täter hat einen alten Paketschein verwendet, den er irgendwo bei sich zu Hause gefunden hat. Zum Beispiel von einem alten Amazon-Paket o.ä. Dann sind anhand der Paketnummer mit etwas Glück Rückschlüsse auf den damaligen Paketempfänger möglich.

Sofern Betrugsopfer nachweisen können, dass der Absender kein Paket in die Packstation eingelegt hat, besteht Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises. Zur Beweisführung ist man darauf angewiesen, dass DHL bei den Ermittlungen kooperiert. Dies gelingt am besten, indem die Polizei eingeschaltet wird.

Falls Sie auf einen Betrüger hereingefallen sind, machen Sie Ausdrucke von jeder Kommunikation, die Sie mit ihm geführt haben. Ein besonders wichtiges Merkmal sind die Zahlungsdaten, mit denen der Kaufpreis angewiesen wurde (z.B. die Paypal-Empfängeradresse oder die IBAN-Kontonummer). Versuchen Sie außerdem, die Identität des Betrügers in Social Networks zu googeln.



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