Die Briefermittlungsstelle der Post: Hier landen unzustellbare Briefe

Ein unzustellbarer Brief

In Marburg arbeiten etwa 100 Postmitarbeiter daran, Absender oder Empfänger unzustellbarer Briefe herauszufinden. In besonders kniffligen Fällen erweisen sie sich als echte Briefdetektive.

Inhaltsverzeichnis

  1. Briefdetektive und das Briefgeheimnis
  2. Wie funktioniert die Suche nach einem verschwundenen Brief?
  3. So beauftragen Sie eine Brief-Nachforschung

Briefdetektive und das Briefgeheimnis

Das Postgeheimnis schützt jeden davor, dass seine Briefe von Dritten gelesen werden. Aber manchmal muss es trotzdem sein, nämlich wenn ein Brief unzustellbar ist. Wenn weder ein korrekter Empfänger noch Absender auf dem Briefumschlag steht, dann kommt der Brief nach Marburg in das "Servicecenter Briefermittlung". Das existiert übrigens seit 1975. Zuvor hatte jedes Bundesland eine eigene Nachforschungsstelle.

In Marburg landen alle Briefsendungen, die in den regionalen Briefzentren mangels gültiger Absender- und Empfängerangaben nicht zugestellt werden konnten. Einem Bericht der Welt zufolge sind das pro Tag unglaubliche 16.000 Sendungen (Stand 12/2017). Wenn z.B. Oma Traude ihren Enkel mit einer Geburtstagskarte überraschen wollte, und die Anschrift in Sütterlin geschrieben hat, dann ist es Zeit für die Experten in Marburg. Sie können alte Handschriften entziffern und auch die alten, vierstelligen Postleitzahlen in neue PLZ "übersetzen". Die korrigierte Anschrift wird anschließend als Computerausdruck auf den Umschlag geklebt.

Häufig ist es notwendig, einen Brief zu öffnen. Hat Oma Traude z.B. den Namen ihres Enkelsohns auf dem Umschlag vergessen, dann untersuchen die Briefdetektive die Geburtstagskarte und suchen dort einen Anhaltspunkt für den Empfängernnamen. Auch ein Vorname genügt, um damit z.B. in Adressverzeichnissen (Telefonbuch o.ä.) weiterzurecherchieren.

Übrigens: Die Mitarbeiter in Marburg sind die einzigen, die das Briefgeheimnis brechen dürfen, um im Inneren eines Umschlags nach Empfänger- oder Absenderanschriften zu forschen. Normale Postbedienstete dürfen das nicht. Vergleiche Paragraf 39 Postgesetz.

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Wie funktioniert die Suche nach einem verschwundenen Brief?

Die Anschrift der Nachforschungsstelle lautet: Servicecenter Briefermittlung, 35031 Marburg. Eine Straßenangabe ist nicht notwendig, weil es sich um eine Großkunden-PLZ handelt.

Anschrift der Ermittlungsstelle Marburg

In Marburg landen auch Gegenstände und Briefe, die beim Transport getrennt wurden. Das kann passieren, wenn z.B. ein scharfkantiger Gegenstand einen Umschlag aufschlitzt. Pro Tag kommen ca. 2000 Fundsachen in Marburg an. Mittels Nachforschungsauftrag können Kunden versuchen, verlorene Gegenstände von der Post wiederzubekommen.

Falls es den Ermittlern bei der Post in Marburg nicht gelingt, Absender oder Empfänger aufzuspüren, wird die Sendung noch einige Monate aufbewahrt. Anschließend erfolgt die Vernichtung. Wertgegenstände darf die Deutsche Post nach Fristablauf behalten bzw. versteigern lassen. In unzustellbaren Briefen gefundenes Geld wird auf ein Sperrkonto der Post eingezahlt und bleibt dort 30 Jahre verwahrt (Quelle: welt.de).

Konnten die Briefdetektive erfolgreich eine Anschrift ermitteln, verwenden sie für den Weitertransport des Briefs einen neuen Umschlag. Denn der ursprüngliche Umschlag wurde zu Recherchezwecken ja geöffnet. Der alte Briefumschlag wird in einen neuen, etwas größeren Briefumschlag gesteckt und mit der ermittelten Anschrift versehen. Zusätzlich trägt der Briefumschlag einen Hinweis auf die Öffnung der Ursprungssendung und einen mahnenden Reim, damit der Absender künftig bedenkt, Briefe immer mit korrektem Absender zu verschicken.

Im Februar 2015 berichtete die Oberhessische Presse von einem Feuerwehr-Einsatz bei der Deutschen Post in Marburg. Mitarbeiter der Briefermittlungsstelle hatten die Feuerwehr gerufen wegen eines verdächtigen Umschlags ("Radon"), aus dem Flüssigkeit auslief. Letztendlich war es falscher Alarm. Auf der Website der Zeitung gibt es einige Bilder des Post-Gebäudes zu sehen.

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So beauftragen Sie eine Brief-Nachforschung

Wenn Sie einen Brief vermissen, schreiben Sie bitte nicht direkt an das Servicecenter Briefermittlung in Marburg. Stattdessen stellt die Deutsche Post ein Formular zur Verfügung, das online ausgefüllt werden kann. In dem Formular werden alle Daten abgefragt, die für die Nachvollziehbarkeit des Versandwegs wichtig sind.

Das Nachforschungs-Formular für Briefe und Pakete finden Sie hier in unserem Nachforschungs-Ratgeber.

Falls Deutsche Post DHL einen Brief nicht wiederfindet, bestehen folgende Haftungsregeln (Stand 1/2018):

  • Schadenersatz bei Verlust eines nationalen Einschreibens: 25 Euro
  • Schadenersatz bei Verlust eines nationalen Einwurf-Einschreibens: 20 Euro
  • Schadenersatz bei Verlust eines internnationalen Einschreibens: 30 SZR (Umrechnung in EUR hier)
  • Schadenersatz beim Verlust eines DHL-Standardpakets: 500 Euro

Der Schadenersatz wird üblicherweise an den Absender ausgezahlt. Außerdem müssen bestimmte Bedingungen eingehalten worden sein. Die Sendung darf von außen zum Beispiel nicht als wertvoll zu erkennen sein. Außerdem sind bestimmte Dinge vom Versand ausgeschlossen oder im Wert beschränkt (z.B. Schmuck, Eintrittskarten, Geld, etc.)

So sind die Briefumschläge der Briefermittlungsstelle Marburg bedruckt:

Briefumschlag der Ermittlungsstelle Marburg

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