Zolltipps für Pakete ins Ausland

Dieser Ratgeber hilft Ihnen bei Zollfragen für Pakete von Deutschland in Länder außerhalb der EU.

Erwarten Sie ein Auslandspaket? Dann wechseln Sie bitte zum Ratgeber Pakete aus dem Ausland nach Deutschland.


Inhaltsverzeichnis

  1. Muss der Empfänger im Ausland Zoll bezahlen?
  2. Diese Produkte sollten Sie lieber nicht verschicken
  3. Zollfreigrenzen herausfinden
  4. Das Paket übersteigt die Zollfreigrenze, was nun?
  5. Export von Paketen über 1000 Euro
  6. Paket vorübergehend exportieren
  7. Gut zu wissen: Was außerdem zu beachten ist
  8. Ihre Fragen zum Thema

Muss der Empfänger im Ausland Zoll bezahlen?

Für Pakete in Länder außerhalb der EU berechnet die Zollbehörde im Zielland Einfuhrabgaben – umgangssprachlich werden diese Kosten Zoll genannt. Zu tragen sind sie vom Empfänger. Es sei denn, der Wert des Pakets überschreitet eine bestimmte Freigrenze nicht. Dann muss der Empfänger nichts bezahlen. Diese Freigrenze ist von Land zu Land zu unterschiedlich.

Es gibt unterschiedlich hohe Freigrenzen für private Geschenkpakete und Pakete mit Handelswaren.

  • Geschenkpakete sind Pakete zwischen zwei Privatpersonen. Der Empfänger darf dem Absender dafür nichts bezahlen.
  • Handelswaren sind verkaufte Produkte, beispielsweise aus einem eBay-Geschäft (auch Tauschgeschäfte fallen unter Handelswaren).

► Keine Freigrenzen gibt es i.d.R. für Alkohol, Parfum, Kaffee und Tabakwaren. Auch nicht in geringsten Mengen, z.B. bei Alkohol in Kosmetik oder Pralinen.

Sie als Absender in Deutschland können den Zoll nicht im Voraus bezahlen und den Empfänger davon nicht entlasten. Das gilt leider auch für Geburtstags- und Geschenkpakete. Beim Überschreiten der Freigrenze lässt nicht vermeiden, dass der Empfänger Geld bezahlen muss, um das Paket zu erhalten.

Falls Sie ein wertvolles Geschenk ins Nicht-EU-Ausland schicken, besprechen Sie das vorher mit dem Empfänger, damit er von den Einfuhrabgaben nicht überrascht wird. Sie könnten ihm anbieten, die Gebühren zu übernehmen und z.B. mit Paypal zu erstatten. Legen Sie niemals Bargeld in Postsendungen. Erstens wegen des Diebstahlrisikos, und zweitens verbieten nahezu alle Länder die Einfuhr von Bargeld per Post.

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Diese Produkte sollten Sie lieber nicht verschicken

Für Alkohol und Tabakwaren (Zigaretten, etc.) gilt erfahrungsgemäß keine Zollfreigrenze, sondern der Empfänger muss immer Steuern dafür zahlen. Das gilt auch für kleinste Mengen Alkohol, die z.B. in Pralinen oder Parfüms enthalten sind. Paketda empfiehlt, Alkohol und Tabak nicht in Länder außerhalb der EU zu versenden.

Außerdem raten wir von Lebensmitteln tierischen Ursprungs ab (Milch, Fleisch, Käse, etc.) – weder als Frischware noch als Konserven. Solche Produkte werden vom Zoll des Ziellandes oft aus Gesundheitsgründen abgewiesen.

Problematisch sind Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte, Kosmetika und natürlich Waffen, Drogen und ähnliche verbotene Gegenstände. Vermeiden Sie auch den Versand von Bargeld, Schecks, Kreditkarten, gültigen Briefmarken und ähnlichen „Wertpapieren“.

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Zollfreigrenzen herausfinden

Nachfolgend haben wir die Zollfreigrenzen verschiedener Länder aufgelistet. Die Angaben sind ohne Gewähr mit Recherchestand 7/2021. Bitte prüfen Sie sie auf Aktualität, indem Sie selbst recherchieren.

  • USA: $100 für Geschenkpakete, $800 für Handelswaren, Quelle
  • Türkei: 0 Euro, Quelle
  • Kanada: CAN$ 60 für Geschenkpakete, CAN$ 20 für Handelswaren, Quelle
  • Ukraine: 100 Euro, Quelle
  • Schweiz: 100 Franken für Geschenkpakete, 65 Franken für Handelswaren, Quelle 1, Quelle 2
  • Großbritannien: £39 für Geschenkpakete, £135 für Handelswaren, Quelle
  • Russland: 200 Euro, Quelle

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Zollfreigrenzen für andere Länder

Am einfachsten ist eine Googlesuche nach dem Namen des Ziellandes auf Englisch + „customs threshold“ (Zollfreigrenze). Beispiele:

  • Um die Zollfreigrenze von Norwegen zu ermitteln, googeln Sie nach „Norway customs threshold“.
  • Bei einem privaten Geschenkpaket fügen Sie das Wort „gift“ oder „gift parcel“ an (Geschenkpaket).
  • Die Zollfreigrenze für ein Geschenkpaket nach Armenien könnten Sie so googeln: Armenia customs threshold gift parcel

► Prüfen Sie anschließend mindestens die ersten drei Googleergebnisse. Wenn alle übereinstimmend den gleichen Betrag nennen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er korrekt ist. Falls die ersten drei Websites unterschiedliche Informationen liefern, prüfen Sie alle Google-Ergebnisse auf der ersten Trefferseite.

Wir bleiben beim Beispiel Norwegen: Die ersten drei Googletreffer zu „Norway customs threshold gift“ liefern die Info, dass Geschenkpakete bis 1.000 NOK zollfrei sind. Pakete mit Handelsware sind bis 350 NOK frei von Einfuhrabgaben.

Um NOK (Norwegische Krone) in Euro umzurechnen, können Sie ebenfalls Google nutzen. Eine Suche nach „1000 NOK in Euro“ liefert das Ergebnis auf Basis des aktuellen Wechselkurses.

Nun haben Sie einen Anhaltspunkt dafür, welchen Warenwert Ihr Paket haben darf, ohne dass der Empfänger Zoll bezahlen muss. Beachten Sie, dass die Versandkosten mit zum Warenwert zählen. Schicken Sie z.B. für 40 Euro Süßigkeiten nach Norwegen, und die Versandkosten betragen 30 Euro, so sind 70 Euro der Gesamtwert. Einige Länder rechnen die Versandkosten bei privaten Geschenkpaketen nicht in den Warenwert ein. Bei Paketen mit Handelswaren erhöhen die Versandkosten hingegen immer den Gesamtwert des Pakets.

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Das Paket übersteigt die Zollfreigrenze, was nun?

Übersteigt der Wert Ihres Pakets die Freigrenze, muss der Empfänger Einfuhrabgaben (Zoll) bezahlen plus eine Gebühr an den Paketdienst.

Am einfachsten zu erklären sind die Gebühren, die der Paketdienst für die Durchführung der Zollabfertigung berechnet. Das ist meistens ein fester Betrag zwischen 5 und 15 Euro. Exakte Infos findet man mit viel Geduld auf der Website der Postgesellschaft des Ziellandes.

Die Einfuhrabgaben sind ein variabler Prozentsatz. Die sogenannte Einfuhrumsatzsteuer entspricht i.d.R. der Umsatzsteuer des Ziellandes. Googlen Sie z.B. nach „VAT rate Norway“ , um zu erfahren, dass die norwegische Umsatzsteuer (VAT) zurzeit bei 25% liegt. Um die Einfuhrabgaben abzuschätzen, die der Empfänger Ihres Pakets bezahlen muss, rechnen Sie Warenwert x 25 Prozent. Für ein 70 Euro-Paket würden sich so 17,50 Euro ergeben.

Wir möchten die Rechnung ungern komplizierter machen…. doch es lässt sich bei Paketen mit Handelswaren nicht vermeiden. Zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer kann ein Zollsatz fällig werden, der je nach Produkt unterschiedlich hoch ist. Gute Nachricht: Private Geschenkpakete bleiben davon meistens verschont.

Fiktives Beispiel: Norwegen könnte auf Holzprodukte zusätzlich 5% Zoll erheben, um die heimische Holzindustrie vor übermäßigen Holzimporten aus fremden Ländern zu schützen. Dieser zusätzliche Zoll wird nicht auf alle Produkte erhoben und häufig erst ab Überschreitung einer zweiten Freibetragsschwelle.

Wir bei Paketda halten es für unmöglich, als Nicht-Muttersprachler hierzu konkrete Informationen auf der Website der Zollbehörde des Ziellandes herauszufinden. Bitten Sie den Empfänger, sich diesbezüglich schlau zu machen. Sie bzw. der Empfänger können auch Glück haben, dass die importierten Produkte im Zielland überhaupt nicht mit Zoll belegt sind. Dann werden nur die Einfuhrumsatzsteuer fällig sowie die Gebühr des Paketdienstes.

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Export von Paketen über 1000 Euro

Beim Paketversand in ein Nicht-EU-Land, bei dem die Wertgrenze von 1000 Euro überschritten wird, ist eine elektronische Ausfuhranmeldung beim deutschen Zoll notwendig. Anschließend erhalten Sie ein Ausfuhrbegleitdokument (ABD), das Sie außen am Paket anbringen müssen. Am besten in einer Selbstklebetasche (Anzeige: bei Amazon finden). Die Kosten für ein ABD liegen bei 40-50 Euro aufwärts.

Für unerfahrene Personen ist die elektronische Ausfuhranmeldung sehr kompliziert. Hier eine Infoseite beim Zoll.

Paketda empfiehlt: Googeln Sie nach einer Zollagentur, die Ihnen den Papierkram abnimmt.

DHL stellt auf dieser Website Informationen zu Paketen mit Ausfuhranmeldung bereit (Abschnitt im unteren Seitenbereich "Wichtige Informationen zur Ausfuhranmeldung").

DHL weist darauf hin, dass in der Ausfuhranmeldung als Ausgangszollstelle immer die Nummer DE003305 angegeben werden muss. Außerdem muss ein Aufkleber (hier als PDF) auf der Paketoberseite angebracht werden, der auf die Ausfuhranmeldung hinweist. Dieses Verfahren gilt für DHL Standardpakete und nicht für DHL Expresspakete.

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Paket vorübergehend exportieren

Wir erhalten manchmal Anfragen von Nutzern, die ein Produkt zur Reparatur oder Begutachtung ins Nicht-EU-Ausland schicken wollen – anschließend kommt die Ware wieder zurück nach Deutschland.

Der Fachbegriff dafür lautet vorübergehende Ausfuhr (vgl. zoll.de). Der Empfänger im Ausland soll dafür keinen Zoll bezahlen, und nach der Rücksendung möchte der Kunde in Deutschland ebenfalls nichts an den Zoll bezahlen.

Wir bei Paketda haben leider keine Praxiserfahrung zur vorübergehenden Ausfuhr. Vereinfacht gesagt müssen Sie die Ware vor dem Export beim deutschen Zoll anmelden und erhalten dann eine Bescheinigung, die dem Paket beim Export und anschließender Wiedereinfuhr beigefügt werden muss. Außerdem müssen Sie eine Pro-Forma-Handelsrechnung erstellen und darauf den Exportgrund angeben (z.B. Repair oder Expert Appraisal).

Weil das Verfahren so kompliziert ist, empfehlen wir Ihnen, nach einer Zollagentur zu googeln und die dortigen Experten mit der Abwicklung zu beauftragen. Bei Gütern bis ca. 150 Euro lohnt es sich unserer Meinung nach, auf den Papierkram zu verzichten und einfach die Einfuhrabgaben zu bezahlen.

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Gut zu wissen: Was außerdem zu beachten ist

Kontaktinfos des Empfängers angeben
Damit der Zoll den Empfänger kontaktieren kann, geben Sie am besten dessen E-Mail-Adresse und/oder Handynummer auf dem Paketaufkleber an. Sie können diese Info auch handschriftlich auf dem Paketschein oder auf der Zollinhaltserklärung ergänzen.

In einigen Ländern können Pakete ohne Kontaktinformationen des Empfängers nicht vom Zoll abgefertigt werden oder nur deutlich langsamer, weil dem Empfänger ein klassischer Brief geschickt wird.

Sonderfall Türkei und Russland: Bitte geben Sie auf der Zollinhaltserklärung und/oder Handelsrechnung die Steuernummer oder Personalausweis-ID des Empfängers an. Der Zoll im Zielland benötigt diese Info, um den Gesamtwert aller Importe pro Person und Jahr zu überwachen.


Zoll-Sondergebiete in der EU
Auch bei Paketen innerhalb der EU gibt es Sondergebiete, die nicht zum EU-Zollgebiet gehören. Die wichtigsten sind die kanarischen Inseln (Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma, La Gomera und El Hierro) und die italienische Exklave Campione d’Italia. Eine Liste mit allen Sondergebieten finden Sie hier auf zoll.de.


Werden Pakete vor dem Export kontrolliert?
Abgesehen von Paketen mit mehr als 1000 Euro Warenwert (siehe oben) werden Pakete fast nie vom deutschen Zoll kontrolliert, bevor sie Deutschland verlassen. Eine Ausnahme sind Pakete in „brisante“ Länder, die mit Sanktionen oder Embargos belegt sind.

Fehler in Zolldokumenten fallen in der Regel erst im Land des Empfängers auf. Auch DHL oder andere Paketdienste sind nicht verpflichtet, Zolldokumente vorab zu kontrollieren.

Von UPS und FedEx ist bekannt, dass vor einem Export die Vollständigkeit von Zollbegleitdokumenten geprüft wird. Falls Fehler festgestellt werden, erhält der Absender eine Rücksendung oder fehlende Dokumente können per E-Mail nachgereicht werden.

Für Pakete innerhalb und außerhalb der EU gilt unabhängig vom Zoll, dass Luftsicherheitskontrollen stattfinden. Es sei denn, das Paket wird auf dem Landweg befördert. Bei den Luftfracht-Kontrollen machen Batterien und Akkus fast immer Probleme. Im eigenen Interesse verzichten Sie am besten darauf, Produkte mit Akkus/Batterien zu verschicken. Mehr dazu in unserem Gefahrgut-Ratgeber.

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