Paket stoppen wegen Betrugs

Foto eines ausländischen Postautos (Belgien)

Es kommt immer wieder zu Betrugsfällen mit ausländischen Käufern, die Waren bei eBay kaufen - aber nicht bezahlen. Auch vorsichtige Verkäufer sind bereits auf diese Masche reingefallen. Vielleicht auch Sie, weil Sie diesen Ratgeber lesen.

  • Gehen Sie zur Polizei und erstatten Anzeige (Beweismittel mitnehmen, z.B. Ausdruck der eBay-Auktion, evtl. stornierte Paypal-Zahlung, Lieferanschrift des Pakets, etc.)
  • Bitten Sie die deutsche Polizei, mit der Polizei im Wohnort des Paketempfängers Kontakt aufzunehmen. Vielleicht kann das Paket dort abgefangen werden.
  • Private DHL-Pakete lassen sich nicht stoppen – auch keine inländischen Betrugspakete. Falls das Paket mit einem anderen Paketdienst abgeschickt wurde, rufen Sie dessen Kundenservice an zwecks Paketstopp.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Betrugsmasche ausländischer eBay-Käufer
  2. Schwierig: Pakete stoppen
  3. Mein Betrugspaket wurde bereits exportiert
  4. Rechtliche Aspekte

Die Betrugsmasche ausländischer eBay-Käufer

Es beginnt damit, dass man als Verkäufer ein Angebot z.B. bei eBay einstellt. Der Käufer bzw. Auktionsgewinner sitzt im Ausland, zum Beispiel England. Die Auktionsabwicklung zeigt keine Besonderheiten, der Käufer überweist den Endbetrag relativ zügig mit Paypal. Daraufhin bringt der Verkäufer das Paket zur Post und verschickt die Ware. Der Verkäufer hat sich zuvor sogar das Bewertungsprofil des Verkäufers angesehen, aber damit war alles in Ordnung.

Einige Tage später dann die böse Überraschung: Paypal meldet sich beim Verkäufer und teilt mit, dass das Konto des Käufers wegen Betrugsverdachts gesperrt wurde. Die Transaktion wurde rückgängig gemacht. Dem Verkäufer wird der überwiesene Kaufpreis wieder zurückgebucht.

Eine andere Betrugsmasche ist, dass der Käufer im Ausland sagt, er möchte den Kaufbetrag erst nach Erhalt der Ware überweisen. Oder der Käufer verlangt sogar vom Verkäufer, dass dieser zunächst Geld überweist, damit die Bank des Käufers die Auslandsüberweisung durchführt.

Fazit aller Betrugsfälle: das Paket ist abgeschickt, aber der Verkäufer hat kein Geld bekommen.

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Schwierig: Pakete stoppen

Der Verkäufer will das abgeschickte Paket stoppen, damit es nicht an den Betrüger ausgeliefert wird. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Betrug auffliegt, befindet sich das Paket entweder noch in Deutschland, oder es wurde bereits ins Ausland exportiert. Letzteres ist an folgendem Paketstatus in der DHL-Sendungsverfolgung erkennbar: "Die Sendung wird ins Zielland transportiert und dort an die Zustellorganisation übergeben."

Mit Deutsche Post oder DHL abgeschickte private Pakete können während des Transports nicht gestoppt werden. Auch nicht durch das Einschalten der Polizei. Falls das Paket mit einem anderen Paketdienst verschickt wurde (z.B. Hermes, DPD, GLS oder UPS), kann der Kundenservice dieses Paketdienstes vielleicht einen Paketstopp veranlassen.

Ein DHL-Kunde hat uns folgenden Praxistipp geschildert: Er hat für ein Betrugspaket, das noch nicht ausgeliefert wurde, einen Wunschort bei DHL angegeben. In das Wunschort-Feld hat der Kunde "Bitte Rücksendung an Absender" eingetragen. Diese unkonventionelle Methode funktioniert sicherlich nur selten, aber ein Versuch schadet nicht. Ein Wunschort kann nur dann hinterlegt werden, wenn in der DHL-Sendungsverfolgung ein entsprechender Link angezeigt wird. Anderenfalls steht die Option nicht zur Verfügung (z.B. nicht bei Auslandspaketen).

Weil Deutsche Post DHL keinen Paketstopp ermöglicht, empfiehlt die Paketda-Redaktion als letzten Strohhalm, das Paket bei der Postgesellschaft im Zielland stoppen zu lassen. Denn im Ausland erfolgt die Zustellung häufig nicht durch DHL sondern durch die jeweilige Staatspost. In den USA ist es z.B. USPS, wohingegen Pakete nach England von der dortigen DHL-Tochter UK-Mail zugestellt werden. Lesen Sie bitte weiter im nächsten Abschnitt.

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Mein Betrugspaket wurde bereits exportiert

Aufgrund von Sicherheitsbestimmungen bei Luftfracht werden viele Sendungen vor dem Export ins Ausland geröntgt. Hierbei werden Pakete aussortiert, die Geräte mit Akkus enthalten (z.B. Smartphones). Grund ist die Explosions- und Brandgefahr von Akkus. Falls Ihr Paket ein Gerät mit Akku enthält, haben Sie vielleicht das "Glück", dass DHL das Paket nicht exportiert und zurückschickt. Allerdings sind solche Sicherheitskontrollen bei Transporten auf dem Landweg unüblich, also z.B. bei Paketen nach England oder in Nachbarländer Deutschlands.

Falls Ihr Paket aus Deutschland exportiert wurde, lautet unsere Empfehlung, sich an die deutsche Polizei zu wenden. Die hiesige Polizei sollte wiederum versuchen, den Paketdienst und/oder die Polizei im Zielland zu kontaktieren, um das Paket dort zu stoppen. Das ist leider äußerst schwierig, weil Pakete i.d.R. binnen weniger Tage am Zielort ankommen. Es bleibt also nur wenig Zeit, um zu handeln. Als weiterer Faktor kommt hinzu, dass Pakete aufgrund automatischer Sortierung sehr schnell unterwegs sind und kaum im Paketzentrum verweilen.

Beachten Sie auch: Die Empfängeranschrift des Pakets ist häufig gefälscht. Der Betrüger wohnt dort nicht, sondern schickt vielleicht einen Mittelsmann hin, der den Postboten an der Tür abfängt, um das Paket entgegenzunehmen. Nichtsdestotrotz könnte der Moment der Paketzustellung für die Polizei geeignet sein, um den Täter bzw. dessen Helfer festzunehmen.

Sobald das Paket zugestellt wurde, ist der Betrüger damit ruckzuck über alle Berge.

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Rechtliche Aspekte

Als Geschädigte/r können Sie versuchen, einen Anwalt einzuschalten. Aber weil der Betrüger vermutlich das eBay- bzw. Paypal-Konto eines unbescholtenen Bürgers gekapert hat, kann man ihn nicht über Adressangaben aufspüren. Die Betrugsmasche ist außerdem recht aufwändig, deshalb wird sie erfahrungsgemäß von Profis angewendet. Und die verschleiern ihre Spuren sehr gut.

Ein Ansatzpunkt, um Schadenersatz zu bekommen, ist eventuell Paypal. Wenn Paypal dem Verkäufer eine Zahlungseingangsbestätigung geschickt hat, kann sich der Verkäufer vielleicht auf sein Handeln nach Treu und Glauben berufen. Allerdings ist Paypal vermutlich täglich mit solchen Fällen konfrontiert und weiß, wie man diese Ansprüche abwehrt. In Punkt 5.3 der Paypal-AGB (Stand 7/2017) ist außerdem festgeschrieben, dass sich Paypal das Recht zur Rückbuchung eines Kaufbetrags vorbehält.

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