Warnung vor Betrugsmasche mit Auslandspaketen

Die Ausgangslage: Eine Person aus dem Ausland hat mein Vertrauen erschlichen und braucht angeblich Hilfe bei der Verzollung eines Pakets nach Deutschland. Kann das wirklich wahr sein?

Im Jahr 2015 berichteten einige Paketda-Nutzer von Fällen, in denen sich ein angeblicher Soldat aus Afghanistan bei ihnen gemeldet hat. Der Soldat erschlich sich vermutlich über längere Zeit hinweg das Vertrauen des späteren Betrugsopfers. Um seine Identität und Integrität zu beweisen, schickte der Soldat sogar Kopien seines Ausweises. Dabei handelt es sich allerdings um Fälschungen, mit denen ein Betrüger die Geschichte des Soldaten vortäuschte.

Der Betrüger bat mit der erfundenen Figur das Betrugsopfer eines Tages um Hilfe bei der Verzollung eines Pakets. Genauer gesagt: Der Soldat wollte seiner Familie im Ausland ein Geschenk machen und verschickte zu diesem Zweck teure Waren. In anderen Betrugsfällen wollte sich der Soldat selber einige Dinge aus dem Kriegsgebiet nach Hause schicken. Oder der Soldat wollte seinem Betrugsopfer eine Freude machen und gab vor, Geschenke nach Deutschland zu schicken.

All diesen Fällen ist gemeinsam, dass die Ware verzollt werden muss. Der Soldat bzw. der Betrüger gibt vor, in einer misslichen Lage zu sein, weil die Sendung beim Zoll oder beim Paketdienst feststecke. Es müsse ein Geldbetrag bezahlt werden, damit der Empfänger die Ware erhalte. Und weil die Geschichte so herzerwärmend ist, lässt sich das Betrugsopfer darauf ein, dem Soldaten zu helfen.

Grundsätzlich ist es korrekt, dass Ware aus dem Nicht-EU-Ausland verzollt werden muss und dies Gebühren kostet. Allerdings sollten Sie niemals für fremde Leute Zollgebühren bezahlen! Erstens ist das unüblich, weil eine Zahlungsaufforderung i.d.R. direkt vom Zoll an den Empfänger gerichtet wird. Und zweitens sind die angeblichen Zollgebühren in Betrugsfällen unrealistisch hoch und betragen mehrere hundert Dollar. Auch dies ist übrigens ein Betrugsindiz: Beim Import nach Deutschland werden keine Steuern bzw. Zollabgaben in Dollar berechnet sondern in Euro.

Um Pi mal Daumen abzuschätzen, ob Steuern + Zoll realistisch sind, rechnen Sie mit 25% bis maximal 40% des Warenwertes. Mehr Infos hier im Zollrechner.

Übrigens: Soldaten in Kriegsgebieten steht die sogenannte Feldpost zur Verfügung. Die Feldpost wird von der Postgesellschaft des jeweiligen Heimatlandes betrieben. Deutsche Soldaten verschicken ihre Post aus Afghanistan beispielsweise direkt mit der Deutschen Post / DHL, die eine Filiale auf dem Kasernengelände hat (Filialmitarbeiter sind Soldaten).

Es ist eine unglaubwürdige Geschichte, wenn ein Soldat vorgibt, mit einer anderen Postgesellschaft als der seines Heimatlandes ein Paket zu verschicken.

Die Paketda-Redaktion empfiehlt, niemals Leuten Geld zu überweisen, die man nicht persönlich kennt. Betrüger sind leider sehr raffiniert darin, sich das Vertrauen zu erschleichen. In ein paar Monaten ist die Masche mit dem Soldaten wahrscheinlich veraltet und es gibt eine neue Masche. Vielleicht ein in Nordkorea urlaubender Familienvater, der grundlos eingesperrt wurde und seiner Familie seine Koffer nach Hause schicken will. Hört sich haarsträubend an, aber wenn nur 1 Person von 100.000 Personen darauf reinfällt, haben die Betrüger schon ein Geschäft gemacht.

Meistens bleibt es nicht bei der einmaligen Zahlung von "Zollgebühren". Wenn die Betrüger ein Opfer an der Angel haben, erfinden sie immer mehr Gründe, warum das Paket nicht weitertransportiert wird, ohne eine erneute Zahlung. Wenn Sie auf diese Betrugsmasche reingefallen sind, brechen Sie den Kontakt sofort ab, leisten keine weiteren Zahlungen und lassen sich auch nicht von E-Mails erweichen. Erfahrungsgemäß ist das Geld verloren bzw. im fernen Ausland, von wo es nicht zurückgeholt werden kann.

Woran erkenne ich Betrugsfälle?

  • Jemand verlangt Geld, weil ein Paket angeblich beim Zoll festhängt. Bei Sendungen innerhalb der EU fast immer gelogen.
  • Jemand verlangt unüblich viel Geld. Faustregel: Bei mehr als 25% Zollgebühren vom Wert des Pakets besteht Betrugsgefahr.
  • Zollgebühren werden bar beim Zollamt bezahlt, wenn man als Kunde ein Paket dort abholt. Privatkunden tätigen keine Überweisungen an den Zoll.
  • Werden Sie stutzig, wenn Sie angebliche Zollgebühren auf das Konto einer Privatperson oder eines Treuhänders überweisen sollen. Unüblich!

► Lesen Sie auch unseren Ratgeber: Paket stoppen wegen Betrugs.