Leeres Paket erhalten: Betrug, Diebstahl, was jetzt?

Leeres Paket - Paketdieb

Der Paketda-Redaktion ist es selbst schon passiert: Ein Weihnachtspaket kam zwar pünktlich beim Empfänger an, doch es fehlte ein Teil des Inhalts (Schokolade). Ein Klebeband vom Paketzentrum wies sogar darauf hin, dass das Päckchen geöffnet und nachverpackt wurde. Man könnte meinen, die Beweislage wäre eindeutig und ein Postmitarbeiter muss die Schokolade entwendet haben. Doch in der Realität ist die Lage schwieriger. Schließlich könnte der Verpackungskarton beschädigt gewesen sein, so dass die Schokolade herausfiel. Oder die freundliche Nachbarin, die das Paket für den Empfänger annahm, gab der süßen Verführung nach.

Weil es immer wieder zu Diebstählen aus Paketen kommt bzw. dem Verlust des Inhalts, haben wir einige Tipps zusammengestellt, wie Sie dem Paket-Diebstahl vorbeugen und wie Sie ihn beweisen können.

Die Tipps ersetzen keine Rechtsberatung und werden von der Paketda-Redaktion ohne Gewähr veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Leeres Paket bekommen oder das Paket enthielt falsche Ware
  2. Diebstahl schnell an den Paketdienst melden
  3. Vorbeugende Tipps gegen Paketdiebe
    1. Besser Paket anstatt Päckchen nutzen
    2. Unscheinbare Verpackung verwenden
    3. Pakete vor dem Versand wiegen

Leeres Paket bekommen oder das Paket enthielt falsche Ware

Erhält ein Empfänger ein leeres Paket, wurde das Paket entweder in betrügerischer Absicht vom Absender leer verschickt. Oder der Paketinhalt wurde unterwegs gestohlen.

Es kann auch sein, dass die Ware während des Transports aus dem Paket herausgefallen ist. Das ist an einer beschädigten und nachverklebten Verpackung erkennbar. Ist der Absender ein gewerbliches Unternehmen, und ist der Empfänger eine Privatperson, so haftet der Absender dafür. Anderenfalls müssen Sie als Kunde direkt beim Paketdienst reklamieren. Der Paketdienst haftet, sofern die Verpackung ausreichend stabil war. Hat der Absender eine zu instabile Verpackung verwendet, haftet der Paketdienst nicht. Mehr Infos hier im Ratgeber zu Paketschäden.

► Gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verpackung beschädigt oder auf dem Transportweg durch einen Postmitarbeiter geöffnet wurde, dann gerät der Absender unter Betrugsverdacht. Hat er ein leeres Paket abgeschickt oder sogar den berüchtigten Ziegelstein, um eine andere Ware vorzutäuschen? In diesem Fall handelte ein Betrüger vermutlich unter falscher Identität. Wenn Sie als Betrugsopfer versuchen, den Betrüger (Absender) zu kontaktieren, ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreichbar. Auch die Absenderadresse auf dem Paketaufkleber dürfte gefälscht sein.

Falls der Absender einen Online-Paketschein verwendet hat (also keinen handgeschriebenen), könnte man auf diesem Weg versuchen, die Käuferdaten bzw. dessen Zahlungsdaten über den Paketdienst herauszubekommen. Das kann jedoch nur die Polizei in die Wege leiten, indem Anzeige erstattet wird.

Streitet der Verkäufer jegliche Schuld am leeren Paket ab, müssen Sie als Geschädigte/r beweisen, dass der Paketinhalt unterwegs beim Paketdienst gestohlen wurde. Diese Beweisführung ist selbst bei offensichtlich aufgeschnittenen Paketen sehr schwierig, weil Paketdienste häufig erstmal jegliche Schuld pauschal abstreiten. Wichtig ist, nichts wegzuwerfen und die Kartonverpackung als Beweismittel aufzuheben.

Pakete werden beim ersten Eintreffen im Paketzentrum üblicherweise automatisch gewogen. Häufig gibt es sogar Fotos vom Durchlauf durch die Sortieranlage. So kann man vielleicht feststellen, ob das Paket unterwegs geöffnet wurde (Beispiel hier).

Verlangen Sie als Kunde vom Paketdienst die Herausgabe des Paketgewichts und eventueller Fotos. Erfahrungsgemäß bekommen Kunden diese Daten nicht freiwillig ausgehändigt. Erstatten Sie dann Anzeige bei der Polizei und bitten die Polizei, diese Daten vom Paketdienst anzufordern.

Dass Pakete fotografiert werden, bestätigte der Leiter der DHL-Zustellbasis Germering im Interview mit der Zeitung Merkur. Zitat: Das Fotografieren erfolge "für eventuelle Beschwerden, wenn etwas beschädigt sein sollte."

► Bei einem Verkaufsgeschäft zwischen zwei Privatpersonen trägt gemäß Paragraf 447 BGB der Empfänger das Transportrisiko. Für den Empfänger ist es allerdings sehr schwierig, dem Absender nachzuweisen, dass er ein leeres Paket verschickt hat oder ein Paket mit wertlosem Inhalt.

Genauso schwierig ist es, einen Diebstahl auf dem Transportweg nachzuweisen. Gemäß Paragraf 435 HGB würden sämtliche Haftungsgrenzen des Paketdienstes entfallen, sofern man einem Paketdienst-Mitarbeiter "vorsätzliches oder leichtfertiges" Handeln nachweisen kann (also z.B. Diebstahl). In der Praxis ist uns jedeoch kein Kunde bekannt, dem soetwas schon gelungen wäre. Je nach Beweislage kann man schon zufrieden sein, wenn ein Paketdienst aus Kulanz einen Teil des Schadens erstattet.

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Leerer Versandkarton


Diebstahl schnell an den Paketdienst melden

Die Meldefrist für sogenannte verdeckte Transportschäden beträgt gemäß § 438 Abs. 2 HGB 7 Tage ab Erhalt des Pakets. Verdeckte Transportschäden sind jene, die der Empfänger beim Annehmen des Pakets nicht sofort erkennen konnte sondern erst beim Auspacken. Fehlender Paketinhalt ist üblicherweise ein verdeckter Transportschaden.

Fällt Ihnen als Empfänger im Moment der Paketzustellung eine Beschädigung am Versandkarton auf, melden Sie diese sofort an den Zusteller. Oder verweigern Sie die Annahme des Pakets. Sofern Sie ein offensichtlich beschädigtes Paket ohne Vorbehalt annehmen, kann es im Nachhinein Probleme mit der Schadenabwicklung geben. Der Paketdienst könnte behaupten, dass der Empfänger mit seiner Unterschrift bestätigt habe, ein einwandfreies Paket erhalten zu haben.

Alternative: Öffnen Sie das Paket im Beisein des Zustellers (sofern er sich darauf einlässt). Ist eine Beschädigung feststellbar, lassen Sie den Schaden vom Zusteller protokollieren und sich ein Schadenformular aushändigen. Machen Sie am besten auch Fotos mit dem Handy (im Beisein des Zustellers), um später im Zweifelsfall Beweise zu haben.

► Wichtig zu wissen: Wenn Sie als Privatkunde bei einem gewerblichen, europäischen Unternehmen (z.B. Onlineshop) bestellt haben, dann trägt der Verkäufer das volle Transportrisiko. Der Verkäufer kann die Schuld für Transportschäden oder geklauten Inhalt nicht auf den Paketdienst abwälzen. Das Verbraucherrecht schützt Privatkunden sehr stark. Der Verkäufer haftet auch dann, wenn Sie als Kunde ein beschädigtes Paket annehmen oder den Schaden nicht direkt an den Paketdienst melden. Als Privatkunde brauchen Sie sich mit dem Paketdienst nicht direkt auseinandersetzen. Ihr Ansprechpartner ist immer der gewerbliche Verkäufer (Onlineshop).

► Bei Verkaufsgeschäften zwischen zwei Privatkunden (z.B. über eBay) greift der Verbraucherschutz hingegen nicht.

Üblicherweise ist es der Empfänger eines Pakets, der einen Warendiebstahl bemerkt und dadurch geschädigt wird. Allerdings hat der Empfänger kein Vertragsverhältnis mit dem Paketdienst - dieses liegt beim Absender. Deshalb verweigern Paketdienste manchmal die Geltendmachung von Schadenersatz durch den Empfänger. Das widerspricht aber der Gesetzeslage nach Paragraf 421 Absatz 1 HGB. Demnach kann auch der Empfänger Schadenersatz fordern, sofern der Absender dies nicht tut. Mitarbeiter an den Telefonhotlines der Paketdienste kennen diese Rechtslage oft nicht. Um sich auf Paragraf 421 HGB zu berufen, schicken Sie am besten ein Einschreiben an den Paketdienst.

Übrigens kann ein Paket-Absender gegenüber dem Empfänger schadenersatzpflichtig werden, wenn der Absender durch sein Verhalten dazu beiträgt, Schadenersatzansprüche gegen den Paketdienst zu verwirken. Beispielsweise, indem keine Nachforschung zu einem vermissten Paket beauftragt wird oder indem eine Schadenmeldefrist verpasst wird. Näheres zu diesem Thema hier im Rechtsratgeber.

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Vorbeugende Tipps gegen Paketdiebe


1) Besser Paket anstatt Päckchen nutzen

Um im Verlustfall eine Chance auf Schadenersatz zu haben, wählen Sie am besten den Paketversand mit Versicherung. Denn DHL-Päckchen sind nicht versichert. Eine Ausnahme sind Hermes-Päckchen, die bis 50 Euro versichert sind.

Wenn ein DHL-Päckchen verloren geht oder daraus etwas geklaut wird, gibt es seitens DHL keine Haftung und keinen Schadenersatz. Als rettenden Strohhalm können Sie eine Nachforschung zum vermissten Päckchen beauftragen, aber mangels Tracking sind die Erfolgsaussichten erfahrungsgemäß gering.

► Wichtig zu wissen: Überschreiten Sie die maximale Versicherungssumme nicht. Wenn Sie in einem Paket, das bis 500 Euro versichert ist, Produkte im Wert von 510 Euro verschicken, erlischt i.d.R. der komplette Versicherungsschutz. Der Paketdienst zahlt also null Euro anstatt 500 Euro.

Mehr Infos zum Versand wertvoller Waren und zur korrekten Versicherung lesen Sie in unserem Ratgeber Geld und Wertsachen verschicken.

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2) Unscheinbare Verpackung verwenden

Als die Schokolade aus dem Paketda-Weihnachtspaket geklaut wurde, haben wir einen schlimmen Fehler begangen: nämlich das Paket weihnachtlich bunt verpackt. Das lockt potenzielle Diebe an, denn häufig verschicken Großeltern Naschpakete an ihre Enkel und legen vielleicht sogar einen Umschlag mit Geld ins Paket. Solche Pakete sind an handgeschriebenen Adressen zu erkennen und an Verzierungsaufklebern. Verzichten Sie auf bunte Verpackungen, wählen Sie einen neutralen Karton und drucken Sie den Paketaufkleber am PC aus.

Wenn Sie besonders trickreich vorgehen wollen, gestalten Sie einen unscheinbaren Zusatzaufkleber mit dem Vermerk: "Laufzeitprüfung. GPS-Einheit nicht öffnen." Bringen Sie den kleinen Hinweis in einer Ecke des Pakets an. So werden potenzielle Diebe möglicherweise abgeschreckt, weil sie das Paket für eine Testsendung ihres Arbeitgebers halten.

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3) Pakete vor dem Versand wiegen

Das Portal derwesten.de berichtet von dem Diebstahl eines Handys aus einem Paket. DHL weigerte sich zunächst, den Schaden zu regulieren, weil der Empfänger angeblich einen Ablagevertrag besaß. Demnach legte der Zusteller das Paket ohne Unterschrift im Garten des Empfängers ab - somit galt die Sendung als zugestellt. Der Diebstahl des Handys hätte theoretisch nach dem Ablegen des Pakets stattfinden können, und damit wäre DHL von der Haftung freigesprochen. (Vorausgesetzt, es gäbe wirklich einen Ablagevertrag, was der Empfänger gegenüber derwesten.de bestritt.)

Jedenfalls gelang es dem Absender des Pakets, anhand des Versandgewichts nachzuweisen, dass der Verpackungskarton ein Handy enthielt. Der Absender (ein gewerblicher Händler) nutzte offenbar eine professionelle Frankiermaschine, die das Gewicht jeder Sendung wiegt und abspeichert. Dadurch gelang der Nachweis, dass der Absender das Handy tatsächlich in den Karton gelegt hatte und es auf dem Transportweg verloren gegangen sein musste. Nach langem Hin und Her ersetzte DHL schließlich den Schaden.

Als Privatversender empfiehlt es sich, eine Art Protokollbuch anzulegen oder eine Excel-Tabelle mit allen Paketen, die Sie verschicken. Halten Sie darin fest: Paketnummer, Paketdienst, Empfängeranschrift, Versandgewicht, Versandgegenstand und Versanddatum. Machen Sie außerdem Beweisfotos vom Verpacken des Gegenstands (offener Karton) sowie vom verschlossenen und adressierten Karton.

Tipp: Beim Paketdienst GLS werden Pakete automatisch im ersten Paketzentrum gewogen. Wenn Sie den Paketaufkleber online mit "GLS EasyStart" gekauft haben, sehen Sie das Paketgewicht zudem in der Online-Sendungsverfolgung. Indem GLS das Versandgewicht selbst protokolliert, haben Sie zusätzliche Sicherheit und ein gutes Beweismittel, sofern es zum Diebstahl kommt. Machen Sie von der Sendungsverfolgung am besten einen Screenshot. Viele Paketdienste löschen die Daten aus der Paketverfolgung nämlich nach einigen Monaten.

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