So arbeitet der Zoll im IPZ Frankfurt

Zollamt am Flughafen
In einem Bericht des Handelsblatts über chinesische Onlinehändler, die beim Import nach Europa Steuern umgehen, wird die Zollabfertigung im Internationalen Postzentrum (IPZ) Frankfurt ausführlich erklärt.

Im Jahr 2017 gab es laut der in Bonn angesiedelten Generalzolldirektion 100 Millionen Warensendungen aus Nicht-EU-Ländern in Richtung Deutschland (2016: 60 Mio.). Geteilt durch 365 ergibt sich ein Tagesvolumen von etwa 274.000 Sendungen. Zwei Drittel davon sollen in China abgeschickt worden sein.

Wie wird entschieden, welche Sendung zu Kontrollzwecken geöffnet wird? Der Reporter des Handelsblatts machte im IPZ Frankfurt folgende Beobachtung: Postmitarbeiter "schütteln die Versandtaschen und Boxen, sie lauschen und riechen daran." Auf diese Weise lassen sich z.B. Tabletten, Lebensmittel, Flüssigkeiten oder auch Kleintiere erkennen. Gefälschte Markenprodukte riechen oft stark chemisch. Im Verdachtsfall weist ein Zöllner, der jedem Postmitarbeiter gegenüber sitzt, die Öffnung der Sendung an.

Das Handelsblatt schreibt zum IPZ: "In dem fünfstöckigen Gebäude zwischen den zwei Airport-Terminals (...) stauen sich seit einigen Monaten unzählige Warensendungen aus China." Außerdem bestätigt ein Zollamtsinspektor, dass die Sendungsmengen "förmlich explodiert" seien.

Pro Tag werden im IPZ 26.000 Sendungen zollrechtlich behandelt. Das entspricht knapp 10 Prozent des Gesamtvolumens von 274.000 Sendungen. Im Jahr 2018 soll sich die Menge auf 40.000 abgefertigte Sendungen pro Tag erhöhen.

Welche Produkte fischt der Zoll heraus? Der Zollamtsinspektor bat den Handelsblatt-Reporter in sein Büro. Dort liegen zum Beispiel "Drohnen im angeblichen Warenwert von zwei US-Dollar, Taschenlampen mit eingebautem Elektroschocker, Trockenshampoo ohne deutschen Beipackzettel." Auch ein Duplikat des Fußballweltmeisterpokals wurde auf Wunsch der FIFA beschlagnahmt. Die Zöllner achten außerdem auf gefälschte Markenprodukte, verbotene Medikamente, "giftige Farbstoffe in Kinderspielzeugen oder zertifikatfreie Elektrogeräte". Letzteres beschreibt die CE-Kennzeichnung, die alle Technikprodukte sowie Kinderspielzeug beim Import in die EU aufweisen müssen.

Wie viele Sendungen werden im IPZ als zollpflichtig deklariert? Im IPZ wird entschieden, ob der Empfänger eine zollpflichtige Sendung nach Hause geliefert bekommt, oder ob die Sendung bei einem Zollamt in der Nähe des Empfängers zur Abholung hinterlegt wird. Letzteres passiert, wenn der Sendung Begleitpapiere fehlen, der Warenwert unrealistisch erscheint oder der Zoll Fragen zum importierten Produkt hat.

Das Handelsblatt beruft sich auf eine Statistik, wonach im Jahr 2017 15 Millionen Sendungen abgabenpflichtig waren. Also 15 Prozent der insgesamt 100 Millionen Sendungen aus Nicht-EU-Ländern. Von diesen 15 Mio. Sendungen wurden 13,5 Mio. direkt zur Hausanschrift des Empfängers geliefert. 1,5 Mio. Sendungen wurden bei Zollämtern zur Abholung hinterlegt.

Wie viel Porto erhält die Deutsche Post von der chinesischen Post für den innerdeutschen Weitertransport? Laut Handelsblatt bekommt die Deutsche Post für Sendungen bis 2kg eine Vergütung in Höhe von 97 Cent pro Sendung. Pakete bis 5kg werden mit 1,09 Euro vergütet. Chinesische Händler bezahlen also viel weniger Porto als Onlineshops, die ihre Produkte in Deutschland abschicken. Allerdings kassiert die Deutsche Post seit 1. März 2018 eine Auslagepauschale in Höhe von 6 Euro für jede abgabenpflichtige Nicht-EU-Sendung, die einem Endkunden an dessen Hausanschrift zugestellt wird. 6 Euro multipliziert mit 13,5 Mio. Sendungen sind umgerechnet 81 Millionen Euro Zusatzeinnahmen.

Welche Rolle spielt der Import über Großbritannien? Chinesische Onlineshops schicken ihre Produkte manchmal nicht direkt nach Deutschland sondern zuerst nach Frankreich oder Großbritannien. Dort werden die Pakete verzollt und anschließend an DHL, DPD oder Hermes übergeben zwecks Weitertransport zum deutschen Endkunden. Ein Rechtsanwalt erklärt im Handelsblatt, dass der Warentransport von China nach Großbritannien ein Geschäft zwischen zwei "scheinbar nicht verbundenen" Unternehmen ist, die den Warenwert deshalb frei festlegen können. Die Unternehmen vereinbaren infolgedessen einen Preis unter der Zollfreigrenze von 22 Euro und sparen dadurch Einfuhrabgaben. Außerdem merkt der Rechtsanwalt an, "dass die Prüfungsdichte beim britischen Zoll nicht dem deutschen Standard entspreche".

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