Sendungsverfolgung Menü

OneStopBox: DHL sagt Myflexbox den Kampf an


DHL nutzt seine Marktmacht aus und bringt überraschend eine anbieteroffene Packstation namens OneStopBox auf den Markt. Die OneStopBox dürfen auch andere Paketdienste beliefern. Also neben DHL auch Hermes, DPD, GLS, UPS, usw.

Alle Jahre zuvor hatte sich DHL stets geweigert, mit anbieteroffenen Systemen zu kooperieren. DHL belieferte nur die eigenen Packstationen und keine fremden Abholstationen wie z.B. von Parcellock (eingestellt) oder Myflexbox.

Dass DHL die Verweigerungshaltung aufgibt und nun anbieteroffene Stationen beliefert, ist einerseits löblich. Andererseits wirkt es wie eine Masche, weil DHL ausschließlich mit OneStopBox kooperiert und dieses Unternehmen selbst gegründet hat.

Myflexbox und GLS würden ihre Automaten ebenfalls von DHL mitbenutzen lassen, DHL ignoriert deren Angebote jedoch. Vor diesem Hintergrund ist folgende Werbeaussage auf onestopbox.de ziemlich frech: "Die OneStopBox ist der erste anbieteroffene Automat, der von DHL genutzt wird."





Wahnsinnstempo: Tausende Stationen pro Jahr

OneStopBox soll im Eiltempo deutsche Großstädte erobern. Laut n-tv.de sind 2024 ca. 100 Automaten geplant und in 2025 ca. 2.000 Automaten. Bis 2027 soll es sogar 5.000 OneStopBox-Paketautomaten geben (Quelle).

Laut DHL können die Stationen auch ohne Smartphone bedient werden, und zwar mit einem Mini-Tastaturfeld. Die Software zur Steuerung der OneStopBoxen stammt vom in Portugal gegründeten Unternehmen Bloq.it.


2.000 Automaten pro Jahr aufzustellen, ist ein extrem ambitionierter Plan. Vielleicht zu ambitioniert. Denn DHL schafft dieses Tempo nicht mal bei den eigenen Packstationen (Paketda berichtete). Oder hat DHL womöglich absichtlich den Ausbau eigener Packstationen verlangsamt, um die Gelder lieber in OneStopBox zu investieren?

Erreicht OneStopBox die selbstgesteckten Ziele, wären sie Marktführer bei anbieteroffenen Paketstationen in Deutschland. Bislang ist Myflexbox Marktführer mit knapp 200 Stationen in Deutschland. Obwohl Myflexbox von Investoren Millionengelder erhielt, kommt das Unternehmen beim Ausbau seines Netzwerks nur schleppend voran. OneStopBox könnte Myflexbox im Nu vom Markt verdrängen.



Anzeige


Neues Postgesetz begünstigt anbieteroffene Paketstationen

Empfänger dürfen Paketdienste zukünftig anweisen, ihre Sendungen in eine anbieteroffene Paketstation einzulegen, sofern dem Paketdienst keine Kosten entstehen. Empfänger müssen die Lagerkosten also direkt an den Betreiber der Abholstation bezahlen - in anderen Ländern ist das schon üblich. Mehr dazu in diesem Artikel.

Deutsche Kunden gelten als besonders geizig und verwöhnt. Sie wollen Pakete am liebsten kostenfrei nach Hause geliefert bekommen. Deshalb bleibt es abzuwarten, ob die OneStopBox von Kunden angenommen oder verschmäht wird. DHL geht trotzdem kein großes Risiko ein. Selbst wenn in der OneStopBox überwiegend DHL-Pakete landen und kaum Sendungen anderer Paketdienste, dürften die Stationen gut ausgelastet sein.

Die Gründung eines eigenen Tochterunternehmens ist zudem ein raffinierter Kniff von DHL, um die eigenen Packstationen für Konkurrenten verschlossen zu halten. Hätte DHL einen Teil seiner Packstationen für externe Anbieter geöffnet, wäre das gesamte Packstation-Netzwerk vom neuen Postgesetz erfasst worden und hätte für Dritte geöffnet werden müssen (Paketda berichtete). Durch die Gründung des rechtlich eigenständigen Betreibers OneStopBox kann DHL genau steuern, an welchen Standorten sie Konkurrenten die Mitbenutzung gestatten und wo nicht.





Fazit

Der plötzliche Sinneswandel von DHL, in den Markt für anbieteroffene Paketstationen einzusteigen, erfolgt vermutlich vor dem Hintergrund des neuen Postgesetzes. Kunden erhalten viel Macht und können Paketdienste zwingen, anbieteroffene Stationen zu beliefern. Das daraus resultierende Erlöspotenzial will DHL selbst abgreifen und nicht Wettbewerbern überlassen. Erfahrungen aus den baltischen Ländern sowie Polen zeigen, dass die Lieferung an Abholstationen der neue Standard werden könnte.

Es bleibt jedoch fraglich, ob deutsche Kunden wirklich auf ihre geliebte Haustürzustellung verzichten und für die Lieferung zu einer Abholstationen sogar Geld bezahlen.



  Zuletzt aktualisiert am   |   Autor:
Anzeige

Paketda-News kostenlos abonnieren bei Whatsapp, Telegram oder Instagram.