Das von DHL gestartete Projekt OneStopBox hat einen neuen Namen: DeinFach (deinfach.de). Die ersten anbieteroffenen Paketstationen sollen ab Januar 2025 "vor allem in den Regionen Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet" aufgebaut werden.
Allerdings beginnen die abschließenden Tests der Stationen erst Mitte Januar, sodass eine Inbetriebnahme vor Februar kaum realistisch erscheint. Ursprünglich sollten bis Ende 2024 bereits 100 Stationen installiert sein, und für 2025 waren ambitionierte 2.000 Automaten geplant. Nach der Umbenennung in DeinFach lautet die aktualisierte Zielvorgabe nun lediglich "eine vierstellige Anzahl an Automaten" bis Ende 2025. Angesichts des bisherigen Ausbautempos bei Packstationen erscheint dieses Ziel realistischer, bleibt aber dennoch anspruchsvoll.
Interessant: Kunden müssen vor dem Abholen oder Versenden einen "Aufweck-Button" an der Abholstation drücken, um das System aus dem Standby-Modus in den Betriebsmodus zu versetzen. Dadurch wird Strom gespart.
Um Standortpartner zu gewinnen, setzt DeinFach auf ein aufmerksamkeitsstarkes Co-Branding der Abholstationen. Lokale Einzelhändler können die Stationen zudem nutzen, um Kunden abholbereite Waren bereitzustellen. Auf der Website sind unter anderem Netto-Supermärkte (Edeka-Gruppe), OBI-Baumärkte und Euromaster-Autoservice als Partner aufgeführt. Im Bereich Wohnungswirtschaft zählen Vonovia, Vivawest und LEG zu den Kooperationspartnern - wobei LEG ebenfalls mit dem Konkurrenten Myflexbox zusammenarbeitet.
Die spannendste und entscheidende Frage bleibt jedoch, ob es DHL gelingt, Wettbewerber wie Hermes, DPD, GLS und UPS als Partner zu gewinnen. Sollten sich diese aus strategischen Gründen oder aufgrund zu hoher Kosten die Einlieferung in DeinFach verweigern, könnte DeinFach die Paketempfänger zur Kasse bitten. Laut neuem Postgesetz müssen Paketdienste an anbieterneutrale Paketstationen zustellen, sofern dem einliefernden Dienstleister dabei keine zusätzlichen Kosten entstehen. Das wäre gegeben, sofern der Empfänger alle Kosten bezahlt.
Angesichts der geringen Zahlungsbereitschaft für Versanddienstleistungen in Deutschland ist dieses Vorhaben jedoch riskant. Sollte DeinFach neben DHL keinen großen Einlieferungspartner gewinnen, könnte darunter die Auslastung und Wirtschaftlichkeit der Stationen leiden. Dass lokale Einzelhändler die Stationen in nennenswertem Umfang nutzen, erscheint zudem fraglich. Frühere Erfahrungen aus dem eingestellten Projekt ParcelLock (Kooperation von DPD, GLS, Hermes) deuten eher auf das Gegenteil hin.
Warum erfolgte die Umbenennung?
Laut Geschäftsführer Lukas Beckedorff galt der Name OneStopBox nur für die Prototypphase. Der neue Name DeinFach sei persönlicher und vermeide "potenzielle internationale Markenkonflikte".
Letzteres Argument ist wohl das ausschlaggebende. Denn OneStopBox hatte für seine Marke bereits die Eintragung ins deutsche Markenregister veranlasst. Wäre die Marke nur für die Prototypphase vorgesehen gewesen, wäre solch ein Aufwand nicht nötig gewesen. Von der OneStopBox GmbH wurde übrigens auch die Marke "PaketPunkt" eingetragen (Quelle: register.dpma.de).
OneStopBox ohne erkennbare Fortschritte
So berichtete Paketda im November 2024
DHL hatte die Einführung von OneStopBox mit dem Ziel gestartet, ein neutrales, für alle Anbieter offenes Paketstationsnetzwerk zu schaffen. Doch die Realität ist ernüchternd. Die ursprünglich für 2024 geplanten 100 Stationen sind praktisch nicht mehr zu schaffen. Auf der Website von OneStopBox finden sich keine echten Fotos, die den Fortschritt belegen, sondern fast ausschließlich beispielhafte 3D-Modelle. Auch ein Standortfinder fehlt.
Bislang scheint nur eine OneStopBox am Firmensitz in Bonn in Betrieb zu sein. Mutmaßlich zu Testzwecken, denn für die Öffentlichkeit ist die Box nirgendwo verzeichnet. Außerdem gibt es keine Smartphone-App zur Bedienung.
Das Schneckentempo beim Ausbau der Software und Hardware steht im krassen Widerspruch zu dem Vorhaben, bis 2027 ganze 5.000 OneStopBoxen aufzubauen. Mangels sichtbarer Fortschritte im Jahr 2024 stellt sich auch die Frage, ob DHL den selbst gesetzten Meilenstein von 2.000 Stationen bis Ende 2025 erreicht.
Konkurrenz setzt auf Myflexbox
Während OneStopBox stagniert, nutzen Wettbewerber die Gunst der Stunde. Besonders dynamisch zeigt sich Myflexbox, ein Anbieter aus Österreich, der in Deutschland über 230 Stationen betreibt (Stand: Juni 2024).
Neben GLS schließt sich nun auch DPD der Kooperation mit Myflexbox an. Ab Anfang 2025 können Kunden bundesweit DPD-Pakete an Myflexbox-Stationen empfangen, versenden und retournieren. Das unterstreicht die Attraktivität des bereits funktionierenden Netzwerks.
Zusätzlich zur Kooperation mit Myflexbox investieren DPD und GLS in 1.000 eigene Abholstationen bis Ende 2025, die ebenfalls von mehreren Anbietern genutzt werden können. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem Verhalten von Hermes. Sollte Hermes OneStopBox ignorieren und stattdessen Partner von DPD/GLS werden oder von Myflexbox, wäre dies als Signal gegen DHL zu werten.
Strategische Herausforderungen für OneStopBox
Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von OneStopBox ist die Offenheit für alle Paketdienste. DHL hoffte, mit diesem Konzept leichter Standorte akquirieren zu können. Eigenen Aussagen zufolge spürt DHL eine sinkende Bereitschaft von Standortgebern, Flächen für geschlossene System wie die DHL Packstation zur Verfügung zu stellen. Anbieteroffene Paketstationen hätten es diesbezüglich leichter.
Doch wie entscheiden sich Standortgeber, wenn OneStopBox zwar theoretisch ein offenes System ist, in der Praxis aber keine Kooperationspartner findet?
Das neue Postgesetz schreibt zwar vor, dass anbieteroffene Paketstationen von jedem Paketdienst beliefert werden müssen. Jedoch mit der Einschränkung, dass Paketdiensten "keine zusätzlichen Kosten entstehen" dürfen. Würde OneStopBox auf Nutzungsgebühren verzichten, könnte eine Belieferung durch Wettbewerber quasi erzwungen werden. Das wäre wirtschaftlich aber nicht sinnvoll. Eine andere Strategie wäre, Gebühren nicht von Paketdiensten zu verlangen, sondern von Endkunden. Ob der Markt dafür bereit ist, scheint angesichts der seit Jahren beklagten Versandkostenfrei-Mentalität in Deutschland jedoch zweifelhaft.
Für Wettbewerber wie Myflexbox und DPD/GLS ergibt sich eine einmalige Gelegenheit, die Marktstellung von DHL zumindest im Teilbereich der Paketstationen zu schwächen. Sollten OneStopBox-Stationen auch 2025 keine nennenswerte Verbreitung oder Akzeptanz finden, könnte das Projekt schnell eingestellt werden. DHL hat in der Vergangenheit mehrfach unrentable Projekte abrupt beendet oder verkauft. Ein nachvollziehbares Verhalten angesichts des finanziell schwachen Unternehmensbereichs Post & Paket Deutschland. Kostspielige Innovationsprojekte wie unter Ex-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes kann sich DHL in Deutschland heutzutage nicht mehr leisten.
OneStopBox: DHL sagt Myflexbox den Kampf an
So berichtete Paketda im März 2024
DHL nutzt seine Marktmacht aus und bringt überraschend eine anbieteroffene Packstation namens OneStopBox auf den Markt. Die OneStopBox dürfen auch andere Paketdienste beliefern. Also neben DHL auch Hermes, DPD, GLS, UPS, usw.
Alle Jahre zuvor hatte sich DHL stets geweigert, mit anbieteroffenen Systemen zu kooperieren. DHL belieferte nur die eigenen Packstationen und keine fremden Abholstationen wie z.B. von Parcellock (eingestellt) oder Myflexbox.
Dass DHL die Verweigerungshaltung aufgibt und nun anbieteroffene Stationen beliefert, ist einerseits löblich. Andererseits wirkt es wie eine Masche, weil DHL ausschließlich mit OneStopBox kooperiert und dieses Unternehmen selbst gegründet hat.
Myflexbox und GLS würden ihre Automaten ebenfalls von DHL mitbenutzen lassen, DHL ignoriert deren Angebote jedoch. Vor diesem Hintergrund ist folgende Werbeaussage auf onestopbox.de ziemlich frech: "Die OneStopBox ist der erste anbieteroffene Automat, der von DHL genutzt wird."
Wahnsinnstempo: Tausende Stationen pro Jahr
OneStopBox soll im Eiltempo deutsche Großstädte erobern. Laut n-tv.de sind 2024 ca. 100 Automaten geplant und in 2025 ca. 2.000 Automaten. Bis 2027 soll es sogar 5.000 OneStopBox-Paketautomaten geben (Quelle).
Laut DHL können die Stationen auch ohne Smartphone bedient werden, und zwar mit einem Mini-Tastaturfeld. Die Software zur Steuerung der OneStopBoxen stammt vom in Portugal gegründeten Unternehmen Bloq.it.
2.000 Automaten pro Jahr aufzustellen, ist ein extrem ambitionierter Plan. Vielleicht zu ambitioniert. Denn DHL schafft dieses Tempo nicht mal bei den eigenen Packstationen (Paketda berichtete). Oder hat DHL womöglich absichtlich den Ausbau eigener Packstationen verlangsamt, um die Gelder lieber in OneStopBox zu investieren?
Erreicht OneStopBox die selbstgesteckten Ziele, wären sie Marktführer bei anbieteroffenen Paketstationen in Deutschland. Bislang ist Myflexbox Marktführer mit knapp 200 Stationen in Deutschland. Obwohl Myflexbox von Investoren Millionengelder erhielt, kommt das Unternehmen beim Ausbau seines Netzwerks nur schleppend voran. OneStopBox könnte Myflexbox im Nu vom Markt verdrängen.
Neues Postgesetz begünstigt anbieteroffene Paketstationen
Empfänger dürfen Paketdienste zukünftig anweisen, ihre Sendungen in eine anbieteroffene Paketstation einzulegen, sofern dem Paketdienst keine Kosten entstehen. Empfänger müssen die Lagerkosten also direkt an den Betreiber der Abholstation bezahlen - in anderen Ländern ist das schon üblich. Mehr dazu in diesem Artikel.
Deutsche Kunden gelten als besonders geizig und verwöhnt. Sie wollen Pakete am liebsten kostenfrei nach Hause geliefert bekommen. Deshalb bleibt es abzuwarten, ob die OneStopBox von Kunden angenommen oder verschmäht wird. DHL geht trotzdem kein großes Risiko ein. Selbst wenn in der OneStopBox überwiegend DHL-Pakete landen und kaum Sendungen anderer Paketdienste, dürften die Stationen gut ausgelastet sein.
Die Gründung eines eigenen Tochterunternehmens ist zudem ein raffinierter Kniff von DHL, um die eigenen Packstationen für Konkurrenten verschlossen zu halten. Hätte DHL einen Teil seiner Packstationen für externe Anbieter geöffnet, wäre das gesamte Packstation-Netzwerk vom neuen Postgesetz erfasst worden und hätte für Dritte geöffnet werden müssen (Paketda berichtete). Durch die Gründung des rechtlich eigenständigen Betreibers OneStopBox kann DHL genau steuern, an welchen Standorten sie Konkurrenten die Mitbenutzung gestatten und wo nicht.
Fazit
Der plötzliche Sinneswandel von DHL, in den Markt für anbieteroffene Paketstationen einzusteigen, erfolgt vermutlich vor dem Hintergrund des neuen Postgesetzes. Kunden erhalten viel Macht und können Paketdienste zwingen, anbieteroffene Stationen zu beliefern. Das daraus resultierende Erlöspotenzial will DHL selbst abgreifen und nicht Wettbewerbern überlassen. Erfahrungen aus den baltischen Ländern sowie Polen zeigen, dass die Lieferung an Abholstationen der neue Standard werden könnte.
Es bleibt jedoch fraglich, ob deutsche Kunden wirklich auf ihre geliebte Haustürzustellung verzichten und für die Lieferung zu einer Abholstationen sogar Geld bezahlen.