Packstationen bald fast so gut erreichbar wie Briefkästen

Anfang 2019 erklärte Postchef Frank Appel im Interview mit Tagesspiegel.de, warum es damals nur 3.500 Packstationen in Deutschland gab. Laut Appel liefere DHL verhältnismäßig wenige Pakete an Packstationen. Außerdem sei es fraglich, "wie schnell man geeignete Orte" für neue Packstationen findet. Und überhaupt sei die Lieferung zur Hausanschrift für viele Kunden die erste Wahl, denn sonst "würden doch viel mehr Menschen an Packstationen liefern lassen".

Diese Erkenntnisse sind nun revidiert. Von 2019 bis 2020 hat DHL die Anzahl Packstationen von 3.500 auf 6.000 kräftig erhöht. Und das nächste Ziel sind 12.000 Packstationen bis zum Jahr 2023!

Post-Vorstandsmitglied Tobias Meyer in einer aktuellen Pressemitteilung: "Immer mehr Kunden nutzen die Packstation und Bestandskunden nutzen sie immer häufiger." In der Corona-Krise habe DHL vermehrt Neukunden gewonnen. Und für das Standort-Problem gebe es auch eine Lösung. Meyer stellt fest, dass viele Partner "zum Beispiel aus dem Einzelhandel, Personennahverkehr und Immobilienunternehmen" offen für Packstationen seien.

Ungefähr 4.000 der 6.000 neuen Packstationen werden kein Touchdisplay haben. Stattdessen nutzen Kunden ihr eigenes Smartphone, um Packstation-Fächer für Abholungen bzw. zum Versand zu öffnen. Ein entsprechender Pilotversuch mit 20 neuartigen Packstationen war erfolgreich (Paketda berichtete).

App für DHL-Zusteller zur Bedienung der Packstation Kompakt
Erstaunlich: Angaben von DHL zufolge kann bereits heute fast jeder zweite Haushalt in Deutschland eine Packstation im Umkreis von einem Kilometer erreichen. Das entspricht der gesetzlichen Vorgabe für Briefkästen; die müssen für Bewohner zusammenhängend bebauter Wohngebiete in maximal 1 km Entfernung erreichbar sein.

Indem DHL die Packstationen verdoppelt, können Kunden also hoffen, dass bald jeder Haushalt eine Packstation in der Nähe haben wird und nicht bloß jeder zweite Haushalt.

Die Zwischenziele des Standort-Ausbaus sind: 8.500 Packstationen bis zum Jahr 2021 und 10.500 bis 2022.

Dass DHL bei Packstationen gehörig Tempo macht, lässt sich an den ursprünglichen Ausbauplänen ablesen. Am 23.10.2019 sagte Tobias Meyer zum Kölner Stadtanzeiger (gedruckte Ausgabe), dass für 2021 eigentlich "nur" 7.000 Packstationen geplant waren.

Und Meyer verriet im Interview, dass 2019 "nur drei Prozent unserer Pakete" via Packstationen ausgeliefert wurden. Er rechnet mit einem Anstieg "auf fünf, vielleicht zehn Prozent. Aber die Hauptzustellungsform wird die Zustellung an der Haustür bleiben." - In diesem Punkt sind sich Meyer und Appel also einig.


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