Am 14. Januar 2026 hat Myflexbox die Inbetriebnahme seiner tausendsten Paketstation in Deutschland bekanntgegeben. Damit erreicht das Unternehmen ein ambitioniertes Ausbauziel, das im März 2025 öffentlich kommuniziert wurde. Damals waren bundesweit erst 437 Myflexbox-Stationen in Betrieb.
Der Zuwachs ist bemerkenswert: Für die ersten 437 Standorte benötigte Myflexbox nämlich rund zweieinhalb Jahre, während der Ausbau von 437 auf 1.000 Stationen innerhalb von weniger als zwölf Monaten gelang. Das deutet auf einen Strategiewechsel und beschleunigte Investitionen hin.
Eine zentrale Rolle dürfte dabei die neue Konkurrenz durch DeinFach gespielt haben. Das Tochterunternehmen von DHL verfolgt das gleiche Konzept anbieterneutraler Paketstationen und hatte ebenfalls angekündigt, bis Ende 2025 ein Netz mit 1.000 Abholstationen aufzubauen.
Das von DeinFach ausgegebene Ziel wurde bislang nicht erreicht. Laut Standortfinder auf der DeinFach-Website gibt es per Stand 17.01.2026 833 Standorte. Das ist überraschend, weil der DHL-Konzern mit seinen klassischen Packstationen in der Vergangenheit mehrfach bewiesen hat, viele Stationen binnen kurzer Zeit aufbauen zu können.
Nach Paketda-Beobachtungen könnten evtl. auch technische und operative Probleme eine Rolle spielen. DeinFach-Stationen funktionieren für Nutzer derzeit nicht immer so reibungslos wie die etablierten DHL-Packstationen. Das könnte den Rollout verlangsamt haben.
Myflexbox bezeichnet sich inzwischen selbst als "größtes offenes Paketstationen-Netzwerk" in Deutschland und Österreich. Ein möglichst großer Vorsprung gegenüber DeinFach ist strategisch wichtig, denn beide Anbieter konkurrieren um vergleichbare Aufstellflächen.
Private wie öffentliche Verpächter erlauben in der Regel nur eine einzige Paketstation pro Standort, um Wildwuchs zu vermeiden. Zudem werden bevorzugt Systeme gewählt, die möglichst viele Paketdienste bündeln. Hier hat Myflexbox aktuell die besseren Karten: In Deutschland arbeitet das Unternehmen mit UPS, FedEx, DPD und GLS zusammen. DeinFach hingegen bietet bislang nur DHL und UPS an.
Langfristig gilt: Wer sich früh die besten Flächen sichert und das attraktivere Multicarrier-Angebot vorweisen kann, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil im Markt für anbieterneutrale Paketstationen.
UPS beliefert deutsche Myflexbox-Paketstationen
So berichtete Paketda im Januar 2023
Myflexbox hat bestätigt, dass UPS der nächste Kooperationspartner in Deutschland ist und Myflexbox-Paketstationen beliefern wird. Im "BdKEP Frühstückstalk" (hier bei YouTube) erklärte Manager Nils Grosse, dass Myflexbox bis 2025 insgesamt 4.000 Abholstationen in Österreich und Deutschland betreiben möchte. In Österreich gibt es schon 400.
Die Abholfrist für UPS-Pakete in Myflexbox-Stationen beträgt 4 Tage.
Den Startschuss in Deutschland gab GLS im November 2022. Am GLS-Depot in Erding wurde die erste deutsche Myflexbox in Betrieb genommen (siehe Bericht unten). Mittlerweile gibt es eine weitere Myflexbox an einer Tankstelle in Germering.
Bei Instagram schrieb GLS im November, dass in Berlin, Hamburg und im Ruhrgebiet "bis Ende des Geschäftsjahres" Myflexbox-Stationen in Betrieb genommen werden. Das Geschäftsjahr endet bei GLS im März 2023. Angesichts des bislang schleppenden Ausbautempos ist es mehr als fraglich, ob das Ziel erreicht wird.
Dennoch ist die anbieteroffene Konkurrenz zur DHL-Packstation positiv zu bewerten. Von österreichischen Kunden erhielt Paketda zwar auch negatives Feedback zu Myflexbox, weil Lieferungen dorthin nicht klappen. Aber diese Fehlerquelle lässt sich mit geschulten Zustellern und leichter Bedienbarkeit verringern. Eigenen Angaben zufolge ist Myflexbox mit 4 weiteren Paketdiensten im Gespräch, die vielleicht Kooperationspartner in Deutschland werden. Myflexbox ist auch offen für regionale Lieferdienste und Händler.
GLS bringt Myflexbox-Paketstationen nach Deutschland
So berichtete Paketda im November 2022
Die erste Abholstation des österreichischen Unternehmens Myflexbox wurde in Deutschland in Betrieb genommen. Der Ort ist etwas trostlos gewählt: Das Industriegebiet Erding-West am dortigen GLS-Paketzentrum.
Angestrebt werden laut GLS insgesamt 500 Myflexbox-Paketstationen in Deutschland. Während Myflexbox in Österreich zahlreiche Kooperationspartner hat (z.B. UPS, DPD, DHL Express), ist GLS in Deutschland zurzeit Exklusivpartner. Das dürfte sich in Zukunft ändern, weil GLS die Paketstationen mit eigenen Mengen nicht voll auslasten kann.
Begrüßenswert ist, dass GLS trotz des Scheiterns der Parcellock-Abholstationen nicht vor einem erneuten Versuch zurückschreckt. Ob die Myflexbox-Stationen von Kunden gut angenommen werden, hängt von den Standorten ab sowie der leichten Bedienbarkeit für Kunden und Zusteller. Vor allem letztere verzweifelten oft an der schlechten Usability der Parcellock-Stationen.
Dr. Karl Pfaff, Vorsitzender der GLS Germany-Geschäftsführung:
"Dieses Vorhaben ist grundlegender Smart-City-Baustein und dringend nötig, um unsere Nachhaltigkeits-Ambitionen vor allem in den deutschen Großstädten umsetzen zu können. Wir haben uns selbst strenge Ziele gesetzt und sind motiviert, diese im Sinne eines zukunftsorientierten Service-Angebots zu verwirklichen. Das geht nur mit kreativen Ansätzen und im Zusammenspiel zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wer Paketstationen nutzt, braucht keine Sorge mehr vor erfolglosen Haustürzustellungen zu haben."
Myflexbox kommt nach Deutschland
So berichtete Paketda im Juli 2022
Das österreichische Unternehmen Myflexbox expandiert nach Deutschland und will hierzulande anbieterneutrale Paketstationen aufstellen. Mit diesem Konzept ist kürzlich erst Parcellock gescheitert (Paketda berichtete). Allerdings krankte Parcellock an einer komplizierten Bedienung für Kunden und Zusteller.
Ein Myflexbox-Nutzer berichtet Paketda, dass Myflexbox auch in Österreich nicht rund läuft. Das gilt vor allem für Lieferungen mit GLS, die aus unbekanntem Grund wiederholt nicht an Myflexbox-Stationen zugestellt werden konnten.
In Österreich kooperieren DPD, GLS, DHL Express und UPS mit dem Startup. Bis Ende 2022 sind in Österreich 400 Stationen geplant, und bis Ende 2025 sollen es 1.000 sein. In Deutschland plant Myflexbox den Markteintritt in Berlin, München, Hamburg und im Ruhrgebiet. Alle Stationen sollen rund um die Uhr zugänglich sein. Es wird also keine Indoor-Locker geben wie z.B. Instabox in H&M-Läden.
Für private Empfänger ist Myflexbox kostenlos. Lokale Händler, die Pakete in die Stationen einlegen möchten, bezahlen 0,95 Euro pro Einlagerung. Für Paketdienste gelten wahrscheinlich ähnliche Konditionen.
Frank Jørgensen, UPS-Chef in Deutschland, Österreich und der Schweiz, begründet eine Kooperation mit Myflexbox im Interview mit der DVZ so:
"Früher haben wir immer gesagt, wir wollen alles selber machen. Mittlerweile sehe ich auch die Möglichkeit, Partnerschaften mit Firmen einzugehen. Etwa mit solchen, die schon Paketboxen haben."
Mittelfristig soll die Anzahl der UPS-Access-Points in Deutschland von 3.600 auf ca. 5.000 steigen. Zu den Access Points zählen Paketshops und Paketautomaten.