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Bahnhofs-Packstationen bald offen für Hermes & Co.?

Packstation am Bahnhof in Leipzig
Vor einem Jahr starteten DHL und Deutsche Bahn eine Kooperation: Die Deutsche Bahn erlaubt DHL das Aufstellen von Packstationen in Bahnhöfen, und DHL erlaubt der Bahn die Weitervermietung eines Drittels der Packstation-Fächer.

Gedacht ist die Kooperation insbesondere für bahnhofsnahe Dienstleistungen. Zum Beispiel für Händler in Bahnhöfen, die ihren Kunden außerhalb der Öffnungszeiten Warenabholungen anbieten möchten. Oder für Autovermietungen, um direkt am Bahnhof Schlüssel für Reisende zu hinterlegen.

Laut DB-Manager Stephan Lerch gibt es zurzeit mehr als 300 DB-DHL-Packstationen, von denen 250 nutzbar sind. Bei den anderen finden Nacharbeiten statt; ihre Inbetriebnahme sei in Kürze zu erwarten. Lerch erzählte im BdKEP-Frühstückstalk bei Youtube, dass Kunden bis Ende 2024 insgesamt 800 Stationen nutzen können. Der ursprüngliche Plan sah 800 Stationen bis Ende 2023 vor.

Höchst interessant: Die Bahn arbeitet daran, "verschiedenste Paketdienstleister zu integrieren", damit deren Versandlabel an DB-DHL-Packstationen gescannt werden können. Die Rückfrage von Andreas Schumann, BdKEP, ob bei entsprechender Integration auch Hermes, DPD, GLS, etc. Pakete einliefern könnten, bejahte Lerch. Das betrifft aber nur das 33%-Fächerkontingent, das der Bahn zur Verfügung steht.

Die Deutsche Bahn verlangt von Versendern Geld für jedes eingelegte Paket. Der Betrag liegt laut Stephan Lerch mengenabhängig zwischen "einem kleineren, einstelligen Euro-Betrag und einem mittleren, zweistelligen Cent-Betrag". Fraglich, ob Paketdienste diese Gebühr bezahlen wollen, oder ob sie ihnen zu teuer ist.

Das neue Postgesetz sieht eine Lieferverpflichtung an anbieterneutrale Paketstationen vor, aber nur, sofern dem Paketdienst keine zusätzlichen Kosten entstehen (Paketda berichtete). Eine mögliche Lösung des Problems könnte sein, die Empfänger zur Kasse zu bitten. Sie könnten vielleicht 1,50 oder 2 Euro bezahlen, um beispielsweise ein Hermes-Paket an einer DB-DHL-Packstation zu empfangen.

Oder DHL stoppt die Kooperation mit der Bahn und nutzt ihre Packstationen ausschließlich selbst. Dann handelt es sich um kein anbieterneutrales System mehr, so dass sich die Belieferung durch andere Paketdienste erledigt hat.





Dezember 2022: Bahnhofs-Packstationen von DHL und Deutsche Bahn gestartet

Im Dezember 2022 startete "Box - Die Abholstation", eine Kooperation zwischen DHL und Deutscher Bahn. Diese besonderen Packstationen können nicht nur von DHL beliefert werden, sondern ein Drittel der Fächer darf die Bahn an andere Nutzer weitervermieten. Zum Start im Dezember 2022 gab es 150 Stationen, bis Ende 2023 sollten es 800 sein.

Um eine Bestellung eines lokalen Händlers abzuholen, muss im Display der Packstation "Box - Die Abholstation" ausgewählt werden. Den Abholcode erhalten Kunden per E-Mail vom Händler. Es ist keine Registrierung bei DHL notwendig.

Box - die Abholstation
Vielen Dank an Luna für das Foto.

Der Deutschen Bahn war es zum Start nicht gelungen, viele Händler vom Konzept der Abholbox zu überzeugen. Der Start erfolgte mit mageren 4 Kooperationspartnern:

  • apominga.de: Versandapotheke. Gratis Lieferung an DB Box.
  • moot.eco: Bekleidung. DB Box im Checkout nicht wählbar.
  • waschmal.de: DB Box auf Website nicht verzeichnet.
  • gc-gruppe.de: nur für Gewerbetreibende (Haustechnik)

Nachtrag: Warenlieferungen an die "Box" müssen Händler dort selbst einlegen und können diese Aufgabe nicht an DHL übertragen. Deshalb können Händler nur die Boxen im Umkreis ihres Firmensitzes beliefern. Im Beispiel von Apominga ist das z.B. der Großraum München.

Aus Marketingsicht hätte die Bahn lieber Händler mit hoher Markenbekanntheit gewinnen sollen. Stattdessen hat "Box - Die Abholstation" nun leider vom Start weg ein Flop-Image. Das erinnert ans Vorläuferprojekt Parcellock. Dort konnten lokale Händler ebenfalls Bestellungen einliefern. Nur eine Handvoll nutzte es.

Wo gibt es die DB Abholstationen? Eine öffentlich einsehbare Standortliste gibt es nicht. Bei Apominga.de gab es anfangs einen Standortfinder im Checkout. Dort konnte man erkennen, dass die Boxen nur in den alten Bundesländern stehen und sogar in Berlin kein Standort vorhanden ist.

Falls die DB Box scheitert, könnte DHL die 33% für die Bahn reservierten Packstation-Fächer problemlos übernehmen. Einfach die DB-Werbefolie von der Station entfernen, und es ist eine gewöhnliche Packstation.

Mehr Infos unter smartcity.db.de und box.deutschebahn.com und deutschebahn.com



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Lange Wege für Zusteller?

Aufstellorte innerhalb eines Bahnhofsgebäudes können für Zusteller mit langen Laufwegen verbunden sein. Beispiel: Eine neue Packstation im Hauptbahnhof Leipzig befindet sich im Obergeschoss am Zugang zur S-Bahn. DHL-Zusteller/innen müssen in Bahnhofsnähe also einen Parkplatz finden, dann einen Rollcontainer durch den Bahnhof schieben und ihn per Fahrstuhl ins Obergeschoss befördern.

In einer Last-Mile-Studie für die Stadt Hamburg wurde dies als Hemmnis des Parcellock-Projekts eingestuft. In der Studie heißt es auf Seite 24:

"Der Betreiber Parcellock GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen von den drei Paketdiensten DPD, GLS und Hermes. DHL beteiligt sich bisher nicht an der Nutzung, ebenso UPS. Das macht eine 'All-in-one-Lösung' schwierig. Außerdem müssen Logistikanbieter das ParcelLock-System in ihre internen Prozessabläufe integrieren. Durch Platzierung an Bahnsteigen und in UG-Lagen von Bahnhöfen sind die Hamburg Boxen in einigen Fällen nur mit großem zeitlichen Aufwand für Zusteller:innen erreichbar."

In Summe machen sich die Bahnhofs-Packstationen für DHL trotz längerer Wege bezahlt, weil ja Hunderte Einzelfahrten zu den Hausanschriften entfallen.


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