DHL-Livetracking: Darum funktioniert es nicht überall

Am 15. Oktober 2020 gab DHL per Newsletter den Start des Livetrackings für Pakete bekannt. Seitdem wundern sich viele Menschen, warum für ihre Sendungen gar kein Livetracking oder nur sporadisches Livetracking verfügbar ist.

Gegenüber Firmenkunden hat DHL kürzlich offenbart, dass zurzeit nur für etwas mehr als die Hälfte aller Pakete Livetracking möglich ist. Livetracking wird nur in solchen Regionen angeboten, "wo die Qualität der Prognose sichergestellt ist", teilte DHL im Geschäftskundenportal mit (siehe Screenshot unten). Bis Ende 2020 ist immerhin geplant, dass 80% aller DHL-Pakete über ein Livetracking verfügen sollen.

Mitteilung von DHL zum Livetracking

So funktioniert DHL-Livetracking

Kunden erhalten am Tag der Lieferung eine E-Mail von DHL, sofern das Livetracking für ein Paket aktiviert wurde. In der Sendungsverfolgung (per Web oder App) wird ein 90-Minuten-Zeitraum für die geplante Lieferung angezeigt.

Im Laufe der Ausliefertour wird die Lieferzeit-Prognose genauer. DHL zeigt außerdem eine Karte mit Zustellfahrzeug an; in der Praxis ist die Kartenansicht aber wenig hilfreich.

Aus Datenschutzgründen wird nie die echte Fahrzeugposition angezeigt. Kein Nutzer soll auf der Karte sehen, an welchen anderen Adressen das Fahrzeug hält und welche anderen Kunden etwas mit DHL geliefert bekommen.

Weiterer Nachteil: In ländlichen Regionen, wo Postboten Briefe und Pakete zusammen ausliefern (sogenannte Verbundzustellung), aktualisiert sich das Livetracking nur bei Paketzustellungen. Stoppt ein Zusteller unterwegs für die Briefzustellung, so wird das Livetracking nicht aktualisiert.

Außerdem verbirgt DHL die genaue Anzahl verbleibender Stopps. Allgemeine Infos wie "mehr als 20 Stopps" oder "noch etwas mehr als 10 Stopps" sind nicht hilfreich. Kunden können damit kaum den Fortschritt der Liefertour abschätzen.

Livetracking in der DHL-App
Das DHL-Livetracking ist deutlich schlechter als das Livetracking des Konkurrenten DPD. Bei DPD ist die Funktion schon seit 2014 verfügbar. Das Fazit von Paketda.de lautet: DHL hat es technologisch nicht geschafft, DPD einzuholen. Das DHL-Livetracking ist hinsichtlich Kartenansicht, Anzahl Zustellstopps und Lieferzeitprognose zu ungenau. Außerdem bietet DHL für viele Pakete überhaupt kein Livetracking an.


Livetracking Schritt für Schritt erklärt:

  • Der Paketempfänger erhält 1 oder 2 Tage vor Zustellung eine Ankündigung per E-Mail
  • Am Tag der Zustellung erhält der Empfänger eine E-Mail mit genauem Lieferzeitfenster (60-90 Minuten)
  • Der Lieferwagen erscheint auf einer Kartenansicht und die Anzahl vorher zu beliefernder Kunden wird angezeigt.
  • Etwa 15 Minuten vor der Zustellung erhält der Empfänger eine weitere E-Mail von DHL
  • Bis zur Zustellung kann der Empfänger einen Wunschort oder Wunschnachbarn angeben

Zugriff auf das DHL-Livetracking erhält der Empfänger via DHL-Sendungsverfolgung, indem er dort die eigene PLZ eintippt. Eine Umleitung des Pakets an einen Paketshop oder die Wahl eines anderen Liefertages ist im Livetracking nicht möglich. Diese Möglichkeiten stehen wie bisher nur bis zum Vorabend des geplanten Zustelltages zur Verfügung.

Erklärfilm von DHL zum Livetracking:



So berichtete Paketda 2019 über das DHL-Livetracking

Die Gießener Allgemeine hat die Deutsche Post DHL in Langgöns besucht. Neben einigen Hintergrundinfos über die Arbeit im Zustellstützpunkt und in der mechanisierten Zustellbasis berichtet die Zeitung auch über eine neue App für DHL-Zusteller. Diese App wird zurzeit in Langgöns getestet. Sie soll Zustellern beim Beladen des Fahrzeugs helfen, indem die App signalisiert, in welcher Reihenfolge Pakete am besten in den Laderaum einsortiert werden.

Die Gießener Allgemeine schreibt außerdem, dass die mit der App generierten Daten es Paketempfängern in Zukunft erlauben, "genau einsehen zu können, wann ein Paket ankommen wird". Auf Wunsch könne der Kunde auch den Lieferzeitpunkt verschieben.

Diese Funktionsbeschreibung deutet auf das lang erwartete Livetracking hin, das von DHL im Mai 2018 erstmals angekündigt wurde, bislang aber nicht eingeführt wurde (siehe unten). Wahrscheinlich erfasst der Zusteller mit der neuen DHL-App zunächst alle Lieferadressen, danach wird vermutlich eine Ausliefer-Route ermittelt sowie der Lieferzeitpunkt berechnet basierend auf der Tourlänge und der Anzahl der zu beliefernden Kunden.

Es ist ein positives Zeichen, dass sich die Zusteller-App für das Livetracking mittlerweile im Testbetrieb befindet. Mit einem Start des DHL-Livetrackings in 2019 rechnet die Paketda-Redaktion jedoch nicht mehr, weil derart neuartige Funktionen üblicherweise nicht in der Hochphase von Herbst bis Weihnachten in Betrieb gehen.

Quelle: www.giessener-allgemeine.de

Nachtrag vom 24.10.2019: In der Frankfurter Rundschau kündigt DHL-Manager Tobias Meyer die Einführung des Livetrackings für 2020 an.



So berichtete Paketda 2018 über das DHL-Livetracking und weitere neue Funktionen

Die Deutsche-Post-DHL-Manager Clemens Beckmann und Achim Dünnwald zeigten sich im Mai 2018 ungewohnt offen gegenüber Medien und nannten einige Funktionen, die im Konzern gerade entwickelt werden. Clemens Beckmann war damals "Geschäftsbereichsleiter Innovationen" und Achim Dünnwald CEO von DHL-Paket. Letzterer arbeitet inzwischen für die britische Royal Mail.


Echtzeit-Tracking

DHL beabsichtigt ein Echtzeit-Tracking am Liefertag eines Pakets. Diese bereits von DPD bekannte Funktion will DHL mit einer Genauigkeit von bis zu 15 Minuten anbieten (DPD schafft 30 Minuten). Dazu Achim Dünnwald (CEO DHL-Paket) bei etailment.de: "Wir planen, ein Echtzeit-Tracking einzubinden und die Zeitfenster entsprechend grundsätzlich auf eine Stunde und auf der Tour dann auf 15 Minuten zu reduzieren."

Clemens Beckmann, DHL-Geschäftsbereichsleiter Innovationen, ergänzt in einem Artikel bei t3n.de, dass ins Echtzeit-Tracking in Zukunft "verschiedene Faktoren, zum Beispiel das Verkehrsaufkommen oder auch das Wetter" einfließen könnten.


Zustellerwissen digital speichern

Viele Paketzusteller kennen ihren Lieferbezirk und die Kunden aus dem Effeff. Sie wissen, wann jemand am besten erreichbar ist und welche Nachbarn Pakete annehmen. Solche Kenntnisse will DHL für alle Zusteller besser verfügbar machen, so dass z.B. auch Aushilfszusteller bescheid wissen, die sich im Lieferbezirk sonst nicht auskennen.

Innovationschef Clemens Beckmann verfolgt die Idee, Informationen über Parkplätze, Hauseingänge und Fußwege digital abzuspeichern. Parkmöglichkeiten könnten sogar automatisch ermittelt werden (vermutlich durch Auswertung von GPS-Daten, wo DHL-Zusteller ihre Wagen üblicherweise stoppen).

Und DHL-Paket-Chef Achim Dünnwald verrät bei etailment.de, dass Empfänger in Zukunft auch selber angeben können, zu welchen Uhrzeiten sie zu Hause anzutreffen sind, um Pakete anzunehmen.


Echtzeit-Tourenplanung und Paketumleitung

DHL-Kunden sollen die Möglichkeit bekommen, Pakete kurzfristig umzuleiten. Bislang müssen Umleitungswünsche bei DHL i.d.R. bis zum Vorabend des Liefertags online beauftragt werden. In Zukunft können Empfänger "jederzeit in den Zustellprozess eingreifen", so DHL-Manager Beckmann bei t3n.de. Hierfür ist eine "Tourenplanung fast in Echtzeit" erforderlich, so dass ein Zusteller morgens selber noch nicht weiß, welche Adressen er im Laufe des Tages ansteuern wird.


Besseres Tracking für Briefe

Innovationschef Clemens Beckmann ist nicht bloß für DHL-Pakete zuständig sondern kümmert sich um den gesamten Geschäftsbereich "Post, E-Commerce, Parcel". Deshalb ist er auch für Verbesserungen im Briefverkehr zuständig und hat erkannt, dass sich Briefe auf ihrem Weg bislang "noch nicht so genau verfolgen" lassen. Redakteurin Miriam Binner schreibt in ihrem Artikel bei t3n.de, dass dieses Thema künftig angegangen werden soll.

Vielleicht wird die veraltete Sendungsverfolgung unter www.deutschepost.de/briefstatus ja sogar ganz abgeschaltet und es gibt ein einziges, gemeinsames System für Expresspakete, Standardpakete und Briefe. Das wäre nach Meinung der Paketda-Redaktion die beste Lösung, weil die aktuelle Lage mit 3 Systemen viele Kunden verwirrt.


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