Neues Postgesetz: Montagszustellung in Gefahr


Schneller als gedacht soll die Montagszustellung wegfallen! Erst vor wenigen Tagen berichtete Paketda über die ungewöhnlich schnell sinkenden Briefmengen an Montagen (siehe unten). Nun will das Bundeswirtschaftsministerium offiziell untersuchen, ob "die Zustellung an sechs Tagen weiterhin erforderlich ist".

Das EU-Recht schreibe lediglich eine Zustellung an fünf Wochentagen vor. Im Moment gehe Deutschland mit sechs Zustelltagen über die EU-Anforderungen hinaus, so das Ministerium.

Im Wortlaut des Eckpunkte-Papiers (hier als PDF) heißt es: "Unter Berücksichtigung verwaltungs- und gerichtsprozessualer Anforderungen werden wir untersuchen, ob die Zustellung an sechs Tagen weiterhin erforderlich ist."

Die Paketda-Redaktion meint: In Wahrheit geht es bei der Montagszustellung nicht um "verwaltungs- und gerichtsprozessuale Anforderungen" sondern um wirtschaftliche Gründe. Wirtschaftsminister Altmaier ließ sich bereits bei der jüngsten Porto-Erhöhung von der Post um den Finger wickeln und änderte extra die Porto-Berechnungsregeln, damit die Post mehr Geld einnimmt.

Deshalb darf man begründet davon ausgehen, dass sich Altmaier weiterhin wohlgesonnen gegenüber der Post verhält und die Montagszustellung für verzichtbar erklärt. Dadurch würde die Post Personalkosten einsparen - was wiederum die Aktionäre freut. Darunter die KfW bzw. der Staat als größter Einzelaktionär.

Postmenge an Montagen verringert sich ungewöhnlich stark

Das Phänomen "Montags keine Post" verärgert viele Menschen. Regelmäßig berichten Medien darüber und holen Stellungnahmen der Deutschen Post ein. Seit Jahren erklärt die Post: Montags gibt es weniger Briefe als an anderen Wochentagen, weil samstags kaum Briefe abgeschickt werden. Die meiste Post verschicken nämlich Firmen, die nur von Montag bis Freitag arbeiten.

Die Argumentation ist nachvollziehbar. Merkwürdig ist aber, wie stark die Mengen montags gesunken sind. Laut eigener Aussagen der Post hat das Briefaufkommen an Montagen im Vergleich zum Wochenvolumen folgenden Anteil:

Die Briefmenge an Montagen soll sich zwischen 2017 und 2019 also mehr als halbiert haben. Wie lässt sich das erklären?

Vielleicht liegt es am allgemeinen Rückgang des privaten Briefversands. Wenn nur noch halb so viele Privatkunden Briefe schreiben, werden samstags nur noch halb so viele Briefe eingeworfen und folglich montags entsprechend weniger zugestellt.

Ein Rückgang um 50% erscheint trotzdem unrealistisch hoch. Laut Aussage der Deutschen Post vom Januar 2016 wurden damals 15% aller Briefe von Privatkunden verschickt (Quelle: rp-online.de). Im August 2018 ist der Anteil auf 10% gesunken (Quelle: abendblatt.de).

Von 2016 auf 2018 wurden also weniger Briefe von Privatkunden verschickt, aber nicht 50% weniger sondern nur 5% weniger.

Deshalb muss es noch eine andere Ursache für den extremen Einbruch der montäglichen Sendungsmengen geben. Unbestritten ist, dass der Deutschen Post ein Wegfall der Montagszustellung aus Kostengründen lieb wäre.

Im September 2017 gab es einen Pilotversuch in einigen Regionen Deutschlands. Kunden konnten freiwillig auf die Zustellung montags verzichten (Details bei welt.de).

Im Interview, das Frank Appel jüngst dem Bonner General-Anzeiger gab, sagte der Postchef zur Montagszustellung: "Das neue Postgesetz sollte uns ermöglichen, unternehmerischer und flexibler zu handeln." In Regionen mit Verbundzustellung sei die Zustellung an Montagen laut Appel sowieso gewährleistet. Aber wo die Brief- und Paketzustellung separat erfolge, gebe es für die Briefträger montags "sehr wenig zu tun".

Appel spricht nicht explizit den Wunsch aus, die Montagszustellung von Briefen abzuschaffen. Aber seine Aussagen deuten klar auf diesen Wunsch hin.

Bevor der Gesetzgeber die Möglichkeit zulässt, montags nicht mehr zuzustellen, sollten die internen Zahlen der Deutschen Post genau unter die Lupe genommen werden. Man könnte fast vermuten, dass die Post die Sendungsmengen an Montagen aus Eigeninteresse niedrig angibt, um den Wegfall der Montagszustellung zu begründen.


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