Das Phänomen »Montags keine Post«

Ein beispielhafter  Briefkasten, der montags leer bleibt

Bleibt Ihr Briefkasten montags immer leer? Sehen Sie montags keinen Postboten in Ihrer Straße? Wir klären die Angelegenheit auf.

► Seit Jahren stellen sich Bundesbürger die Frage, ob die Deutsche Post montags generell keine Briefe mehr liefert. Dieser Eindruck täuscht, sagt die Deutsche Post, und führt die nachfolgenden Argumente auf.


Der Montag ist der Wochentag mit dem geringsten Briefaufkommen

Im Juni 2010 startete die Deutsche Post erstmals einen Pilotversuch, um die Sendungsmengen an Montagen zu reduzieren. Damals wurde damit begonnen, unadressierte Werbepost nicht mehr montags zuzustellen. Laut Deutscher Post werden dadurch Kosten eingespart.

Später ging die Post dazu über, auch adressierte Werbebriefe, sogenannte Dialogpost, nicht mehr montags zuzustellen. Für Dialogpost gelten Lieferzeiten von bis zu 4 Werktagen; im Gegenzug profitieren die Absender von einem günstigeren Porto.

Im Juli 2019 erklärte Postchef Frank Appel in einem Interview mit dem Bonner General-Anzeiger, dass das Sendungsaufkommen an Montagen nur 2 Prozent der Wochenmenge ausmache (Quelle).

Merkwürdig: zwei Jahre zuvor soll das montägliche Sendungsaufkommen noch 6 Prozent ausgemacht haben. Ein Rückgang auf 2 Prozent wäre ein Einbruch um mehr als 50 Prozent. Die Paketda-Redaktion hält das für unrealistisch. Mehr dazu in diesem Bericht.


Firmenkunden verschicken samstags keine Post

Dieses Argument holt die Deutsche Post oft hervor, wenn Zeitungsredaktionen über das Phänomen »Montags keine Post« berichten. So zum Beispiel gegenüber der Rheinischen Post in diesem Artikel vom September 2017. Post-Pressesprecher Achim Gaht sagte der Zeitung, "dass montags nur jene Post geliefert wird, die samstags eingeworfen wird - und das ist fast ausschließlich Privatpost." Weil viele Firmen samstags nicht arbeiten, verschicken sie samstags auch keine Post. Folglich werde Post von Firmenkunden häufig schon am Freitag zugestellt oder am Dienstag der nächsten Woche.


Werbepost mit reduziertem Porto kommt montags nicht

Der bereits erwähnte Pilotversuch vom Sommer 2010 wurde Anfang 2011 in den Regelbetrieb überführt. Seitdem werden Werbesendungen mit rabattiertem Porto (z.B. Infopost- und Postwurfsendungen) zum Großteil nicht mehr montags zugestellt. Mit dieser Maßnahme kann die Deutsche Post eigenen Angaben zufolge ihr Transportnetz gleichmäßiger auslasten.

Folge: Im August 2015 war das Briefvolumen an Montagen auf 5 Prozent abgesunken, wie Postsprecherin Britta Töllner bei waz.de erklärte. Briefpost, die mit regulärem Porto frankiert ist, wird laut Deutscher Post übrigens regulär montags zugestellt und ist von dieser Sparmaßnahme nicht betroffen.


Montags sind Zustellbezirke anders zugeschnitten

Weil es montags so wenig Briefpost gibt, legt die Post teilweise Zustellbezirke zusammen. Ein einziger Postbote ist dann beispielsweise für ein Liefergebiet zuständig, das ansonsten von 2 Postboten bedient wird. Der Postbote nimmt deshalb eine andere Route als üblich und kommt nicht zur gewohnten Uhrzeit beim Kunden vorbei. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass montags überhaupt kein Briefträger vorbeikommt, erklärte Post-Pressesprecher Achim Gahr der Rheinischen Post.


Paketda hat getestet

Im August 2019 hat die Paketda-Redaktion drei Wochen lang die Montagszustellung getestet. Die Zustellquoten montags schwankten zwischen 71 und 93 Prozent. Das ausführliche Ergebnis finden Sie im Artikel Test: Wird montags wirklich keine Post zugestellt?


So finden Sie heraus, ob Ihr Postbote montags arbeitet

Schicken Sie sich zwei Postkarten oder Briefe an Ihre eigene Anschrift, die Sie am Freitag und Samstag in einen Postkasten einwerfen (jeweils vor der Leerungszeit).

  • Die am Freitag abgeschickte Postkarte müsste am Samstag zugestellt werden oder spätestens am Montag.
  • Die am Samstag abgeschickte Postkarte müsste am Montag zugestellt werden oder spätestens am Dienstag.

► Durch das Abschicken von zwei Testsendungen schließen Sie unvorhergesehene Lieferverzögerungen wie z.B. Staus, Personalmangel, etc. aus. Mindestens eine der beiden Testsendungen muss am Montag zugestellt werden. Trifft das nicht zu, besteht der begründete Verdacht, dass montags keine Post zugestellt wird.

Zur Sicherheit können Sie den Test in der folgenden Woche wiederholen. Bleibt das Ergebnis weiterhin negativ, können Sie die Bundesnetzagentur als Post-Aufsichtsbehörde über die mangelhafte Zustellqualität informieren. Mehr dazu in unserem Reklamations-Ratgeber.


Preiswerte Selbsthilfe: Aufkleber für den Briefkasten

Ein unkonventioneller Tipp der Paketda-Redaktion: Bringen Sie auf Ihrem Briefkasten einen Aufkleber mit dem Text "Testhaushalt Laufzeitmessung" an. Der Aufkleber sollte eher klein und unscheinbar wirken. Vorlagen als PDF hier.

Es gibt einige Marktforschungsinstitute, die regelmäßig Testbriefe verschicken, um deren Transportdauer zu messen (Details bei Paketda.de). Hierzu stellen Privatpersonen ihre Wohnanschriften zur Verfügung. Die Testhaushalte dürfen sich gegenüber Postmitarbeitern keinesfalls zu erkennen geben, damit es keine bevorzugte Belieferung dieser Haushalte gibt.

Sie können den Spieß nun umdrehen und so tun, als wären Sie ein ausgewählter Testhaushalt! Erkennt Ihr Postbote aufgrund des Aufklebers den Zusammenhang mit der Laufzeitmessung, könnte es sein, dass Ihre Anschrift in Zukunft zuverlässiger beliefert wird.

Eine Garantie für die Wirksamkeit dieses unkonventionellen Vorgehens gibt es nicht. Es setzt einerseits voraus, dass der Postbote den Begriff "Testhaushalt Laufzeitmessung" zu deuten weiß. Und andererseits muss der Postbote willens und in der Lage sein, die Zustellqualität zu verbessern. In manchen Situationen kann der Postbote die Zustellqualität gar nicht beeinflussen, zum Beispiel bei einem hohen Krankenstand oder wenn das Postaufkommen so groß ist, dass die Ausliefertour nicht zu schaffen ist.



Untersuchung der Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur ist die Aufsichtsbehörde der Deutschen Post AG. Im Jahresbericht 2018 der Netzagentur (hier als PDF) wird ein Test der Montagszustellung erwähnt.

Die Bundesnetzagentur verschickte an Freitagen und Samstagen 240 Testbriefe, um die Zustellung am Samstag bzw. Montag zu überprüfen. In der Auswertung schreibt die Behörde:

Als wesentliche Ergebnisse der - nicht repräsentativen - Messung ist festzuhalten, dass auch montags in hohem Maße Briefsendungen zugestellt wurden. Allerdings war die E+1-Quote an einem Freitag aufgegebener und samstags zugestellter Sendungen mit über 95 Prozent deutlich besser als die E+1-Quote der Sendungen, die an einem Samstag aufgegeben und montags zugestellt wurden (nur 74,5 Prozent).

Der Fachbegriff E+1 beschreibt die Briefzustellung einen Tag nach dem Abschicken. Gesetzlich gefordert ist, dass die Deutsche Post im Jahresdurchschnitt 80 Prozent aller inländischen Briefsendungen einen Tag nach dem Abschicken zustellt.

Weil der Test der Bundesnetzagentur nicht repräsentativ für Gesamtdeutschland durchgeführt wurde, und außerdem nicht während des ganzen Jahres, ist die E+1-Montagsquote von 74,5 Prozent nicht zu beanstanden.

Falls Sie als Verbraucher sich bei der Bundesnetzagentur über ausbleibende Montagspost beschweren möchten, können Sie den Briefgenerator von Paketda nutzen.






Ihre Fragen zum Thema Montags keine Post - woran liegt das?