Laufzeitmessung ausgewertet: Auch Konsolidierer verursachen längere Lieferzeiten

Von April 2019 bis März 2020 wurde die Liefergeschwindigkeit inländischer Geschäftsbriefe gemessen. Initiator war der Verband DVPT (www.dvpt.de) in Zusammenarbeit mit Post-Großkunden und dem Marktforschungsunternehmen Spectos (spectos.com).

Nun liegen die Ergebnisse des "größten Brieflaufzeiten-Tests in der Geschichte Deutschlands" vor, so die Eigenaussage des Verbandes. Und die Ergebnisse (vgl. www.dvpt.de) sind weniger dramatisch als gedacht.

Als der DVPT im Juli 2019 und November 2019 Zwischenergebnisse veröffentlichte, wurden "abweichende Werte zu den Aussagen der DPAG im Universaldienst" festgestellt und der Verband meinte, dass "die von der Deutschen Post AG genannten E+1 Zustellzeiten für die Briefe im Universaldienst von über 90% - gesetzlich sind 80% vorgeschrieben - bisher in Summe für die Geschäftsbriefe nicht erreicht" werden.

Von schlechter E+1-Performance ist in den Endergebnissen der Laufzeitmessung nichts mehr zu lesen. Stattdessen wurden die Ursachen für verspätete Geschäftsbriefe genauer untersucht und benannt:

  • Die Lieferzeiten schwanken je nach Absenderregion
  • Je länger die Strecke zwischen Absender und Empfänger, desto langsamer der Transport
  • Im 1. Quartal eines Jahres werden Briefe schneller befördert als im 4. Quartal
  • Zwischengeschaltete Sortierfirmen, sog. Konsolidierer, können den Brieftransport verzögern

Laut DVPT sind Sendungen im 1. Quartal eines Jahres um ca. 7% schneller als im 4. Quartal. Das ist nachvollziehbar, weil die Sendungsmengen vor Weihnachten teilweise auf das Doppelte des Normalniveaus ansteigen. Nach Weihnachten herrscht im Briefbereich hingegen Flaute.

Außerdem wurde festgestellt, dass die Lieferzeiten je nach Streckenlänge stark schwanken. Die durchschnittlichen Schwankungen liegen zwischen 1,09 und 2,27 Tagen. Die Strecke zwischen Hamburg und München ist negativ aufgefallen.

Ein wichtiges Augenmerk liegt auf Brief-Konsolidierern. Das sind fremde Unternehmen wie z.B. Postcon, Freesort oder Compador, die Briefe bei Geschäftskunden abholen, nach PLZ sortieren, frankieren und in Briefzentren der Deutschen Post einliefern.

Für die Vorarbeiten des Konsolidierers gewährt die Deutsche Post einen Rabatt. Dadurch sparen die Geschäftskunden Porto. Problematisch wird es, wenn ein Konsolidierer zu langsam arbeitet und/oder Briefe zu spät bei der Deutschen Post einliefert. Wird der Versandschluss im Briefzentrum verpasst, bleiben die Briefe des Konsolidierers mit Pech bis zur nächsten Nacht liegen und sind dadurch um 1 Tag verspätet. In diesem Fall hat die Deutsche Post keine Schuld.

Die DVPT-Messung ergab, dass die Lieferzeiten von Briefen mit Konsolidierung zwischen 1,21 und 1,80 Tagen schwanken. Nutzt ein Geschäftskunde keinen Konsolidierer sondern liefert selber im Briefzentrum ein, schwankt die Lieferzeit nur zwischen 1,16 und 1,33 Tagen.

Als Fazit der Laufzeitmessung regt der DVPT an, die "Schnittstelle an der Übergabe der Sendungen im Briefzentrum" zu verbessern. Außerdem soll die Deutsche Post die genaue Übergabezeit konsolidierter Briefe dokumentieren. Die Laufzeitmessung des DVPT wird um 1 Jahr verlängert, so dass bei der nächsten Auswertung in 2021 vermutlich Qualitätsverbesserungen erkennbar sind.


Was bedeutet E+1?

Die Zustellung einen Werktag nach dem Absenden wird E+1 genannt. Die Deutsche Post wirbt auf ihrer Website damit, dass "rund 93 % aller nationalen Briefsendungen bereits einen Werktag nach der Einlieferung beim Empfänger" ankommen.


Warum hat der DVPT überhaupt eine eigene Messung durchgeführt?

Die Deutsche Post lässt durch den TÜV Rheinland regelmäßig die Lieferzeiten von Briefen überwachen. Das genügt dem DVPT aber nicht, weil die Deutsche Post nur Briefe berücksichtigt, die per Briefkasten-Einwurf verschickt wurden. Die DVPT-Messungen sind hingegen auf Geschäftsbriefe ausgelegt, die zum Beispiel direkt in Briefzentren eingeliefert werden.

Beide Messverfahren, von der Deutschen Post und vom DVPT, beruhen auf dem Standard DIN EN 13850. Die Ergebnisse sind also miteinander vergleichbar. Letztendlich darf es keinen Unterschied machen, ob Geschäftsbriefe oder Privatbriefe schneller sind. Briefe mit voll bezahltem Porto muss die Deutsche Post gleich behandeln und gleich schnell befördern.

Die Deutsche Post hat auf ihrer Website (mit Stand 7.7.2019) übrigens ein abgelaufenes Zertifikat der TÜV Rheinland Intertraffic GmbH veröffentlicht, das die Laufzeitmessung nach DIN EN 13850 bis Ende 2018 bescheinigt. Der TÜV Rheinland hat eigenen Angaben zufolge ein Nachfolgezertifikat ausgestellt. Die Messung nach DIN EN 13850 bei der Deutschen Post ist also auch in 2019 gewährleistet.

Website der DVPT Laufzeitmessung


Hintergrund der Laufzeitmessung

Der Verband DVPT e.V. hat unter www.laufzeitmessung.org eine eigene Website eingerichtet, um Firmenkunden über das Projekt zu informieren. Insgesamt sollen von April 2019 bis März 2020 mindestens 72.000 Testbriefe innerhalb Deutschlands verschickt werden.

Auf der Empfängerseite empfangen Privatkunden, die sich freiwillig als Tester registriert haben, die Testbriefe. Interessierte Teilnehmer können sich auf dem Portal www.mailagenten.de registrieren. Betreiber des Portals ist die Spectos GmbH, die im Auftrag des DVPT (sowie für einige private Postdienste) die Lieferzeiten auswertet. Zur korrekten Auswertung enthält jeder Testbrief einen individuellen Code, der vom Empfänger z.B. per Smartphone-App zurückgemeldet werden muss.

Anlass für diese umfangreiche Messung von Brieflaufzeiten sind unter anderem die steigenden Beschwerdezahlen bei der Bundesnetzagentur.

Die Bundesnetzagentur befürwortet das Projekt des DVPT-Verbands. Bis Anfang der 2000er Jahre führte die Behörde noch eigene Laufzeitmessungen durch, bis ihr die dafür erforderlichen Mittel gestrichen wurden (Quelle: DVPT-Stellungnahme).

Großkunden versprechen sich von der Laufzeitmessung eine bessere Argumentationsgrundlage, wenn es z.B. um Verhandlungen und Optimierungsgespräche mit der Deutschen Post AG geht. Die Messgenauigkeit der Lieferzeiten soll auf Gesamtdeutschland bezogen bei +/- 0,3% liegen. Das Verfahren sei TÜV-zertifiziert.

"Unser Ziel ist es, objektive Informationen zu erhalten, um in Deutschland Qualität, gerechte Preis-Leistungsverhältnisse und den fairen Wettbewerb im Briefbereich zu unterstützen.", erklärt DVPT-Vorstand Klaus Gettwart in einer Pressemitteilung. "Wichtige Originaldokumente, Urkunden, Eintrittskarten, kleine Warensendungen, Rezepte von Ärzten, Arzneimittel, Bescheinigungen, Zeugnisse usw. sollen sicher und pünktlich beim Kunden ankommen."

Der Arbeitskreis Großversender des DVPT e.V. umfasst 50 Unternehmen mit einem Sendungsvolumen von ca. 800 Millionen Briefen pro Monat. Viele Unternehmen beklagen eine zunehmende Verschlechterung der Zustellqualität bei der Deutschen Post.


Weitere allgemeine Informationen über Laufzeitmessungen finden Sie hier im Paketda-Ratgeber für Brieftester.


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