Zwischenergebnis Laufzeitmessung: 7% der Geschäftsbriefe nicht am nächsten Tag am Ziel

Am 1. April 2019 startete die eigenen Angaben zufolge umfangreichste Messung von Brieflieferzeiten in der Geschichte der Bundesrepublik. Initiator ist der Verband DVPT (www.dvpt.de) in Zusammenarbeit mit Post-Großkunden und dem Marktforschungsunternehmen Spectos (spectos.com).

Der Verband hat jetzt ein Zwischenergebnis der Monate April und Mai veröffentlicht. Fazit des DVPT laut Pressemitteilung:

Nach aktuell 2 Monaten Messung lassen sich noch keine verbindlichen Aussagen zur Zustellqualität treffen. Soviel kann aber bereits jetzt festgestellt werden: Die von der Deutschen Post AG genannten E 1 Zustellzeiten für die Briefe im Universaldienst von über 90% - gesetzlich sind 80% vorgeschrieben - werden bisher in Summe für die Geschäftsbriefe nicht erreicht.

Die Zustellung einen Werktag nach dem Absenden wird E+1 genannt. Die Deutsche Post wirbt auf ihrer Website damit, dass "rund 93 % aller nationalen Briefsendungen bereits einen Werktag nach der Einlieferung beim Empfänger" ankommen.

Wenn der DVPT mittels eigener Laufzeitmessung feststellt, dass diese Quote im Durchschnitt nicht eingehalten wird, sind also mindestens 7% der Sendungen nicht am nächsten Tag beim Empfänger.

Hinweis zum Messverfahren: Die Deutsche Post berechnet nur Lieferzeiten von Briefen, die per Briefkasten-Einwurf verschickt wurden. Die DVPT-Messungen sind hingegen auf Geschäftsbriefe ausgelegt, die zum Beispiel direkt in Briefzentren eingeliefert werden.

Beide Messverfahren, von der Deutschen Post und vom DVPT, beruhen auf dem Standard DIN EN 13850. Die Ergebnisse sind also miteinander vergleichbar. Letztendlich darf es keinen Unterschied machen, ob Geschäftsbriefe oder Privatbriefe schneller sind. Briefe mit voll bezahltem Porto muss die Deutsche Post gleich behandeln und gleich schnell befördern.

Die Deutsche Post hat auf ihrer Website (mit Stand 7.7.2019) übrigens ein abgelaufenes Zertifikat der TÜV Rheinland Intertraffic GmbH veröffentlicht, das die Laufzeitmessung nach DIN EN 13850 bis Ende 2018 bescheinigt. Der TÜV Rheinland hat eigenen Angaben zufolge ein Nachfolgezertifikat ausgestellt. Die Messung nach DIN EN 13850 bei der Deutschen Post ist also auch in 2019 gewährleistet.

Klaus Gettwart, Vorstand des DVPT, kommentiert die Zwischenergebnisse wie folgt:

"Die ersten Ergebnisse haben uns überrascht, aber es ist noch verfrüht Trendaussagen zu treffen, zumal jetzt erst die Sommermonate mit Ferienzeiten kommen. Auch die Spitzenlast, die im Spätherbst und in der Vorweihnachtszeit zu erwarten ist, wird Einfluss auf die Gesamtergebnisse haben. Ich denke wir können nach 6 Monaten erste verlässliche Trendaussagen treffen."


Website der DVPT Laufzeitmessung


Hintergrund der Laufzeitmessung

Der Verband DVPT e.V. hat unter www.laufzeitmessung.org eine eigene Website eingerichtet, um Firmenkunden über das Projekt zu informieren. Insgesamt sollen von April 2019 bis März 2020 mindestens 72.000 Testbriefe innerhalb Deutschlands verschickt werden.

Auf der Empfängerseite empfangen Privatkunden, die sich freiwillig als Tester registriert haben, die Testbriefe. Interessierte Teilnehmer können sich auf dem Portal www.mailagenten.de registrieren. Betreiber des Portals ist die Spectos GmbH, die im Auftrag des DVPT (sowie für einige private Postdienste) die Lieferzeiten auswertet. Zur korrekten Auswertung enthält jeder Testbrief einen individuellen Code, der vom Empfänger z.B. per Smartphone-App zurückgemeldet werden muss.

Anlass für diese umfangreiche Messung von Brieflaufzeiten sind unter anderem die steigenden Beschwerdezahlen bei der Bundesnetzagentur.

Die Bundesnetzagentur befürwortet das Projekt des DVPT-Verbands. Bis Anfang der 2000er Jahre führte die Behörde noch eigene Laufzeitmessungen durch, bis ihr die dafür erforderlichen Mittel gestrichen wurden (Quelle: DVPT-Stellungnahme).

Großkunden versprechen sich von der Laufzeitmessung eine bessere Argumentationsgrundlage, wenn es z.B. um Verhandlungen und Optimierungsgespräche mit der Deutschen Post AG geht. Die Messgenauigkeit der Lieferzeiten soll auf Gesamtdeutschland bezogen bei +/- 0,3% liegen. Das Verfahren sei TÜV-zertifiziert.

"Unser Ziel ist es, objektive Informationen zu erhalten, um in Deutschland Qualität, gerechte Preis-Leistungsverhältnisse und den fairen Wettbewerb im Briefbereich zu unterstützen.", erklärt DVPT-Vorstand Klaus Gettwart in einer Pressemitteilung. "Wichtige Originaldokumente, Urkunden, Eintrittskarten, kleine Warensendungen, Rezepte von Ärzten, Arzneimittel, Bescheinigungen, Zeugnisse usw. sollen sicher und pünktlich beim Kunden ankommen."

Der Arbeitskreis Großversender des DVPT e.V. umfasst 50 Unternehmen mit einem Sendungsvolumen von ca. 800 Millionen Briefen pro Monat. Viele Unternehmen beklagen eine zunehmende Verschlechterung der Zustellqualität bei der Deutschen Post.


Weitere allgemeine Informationen über Laufzeitmessungen finden Sie hier im Paketda-Ratgeber für Brieftester.


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