Neues Filial-Routing soll Retouren unzustellbarer DHL-Pakete verhindern

Im Paketda-Forum taucht eine Beschwerde besonders häufig auf: Unzustellbare Pakete werden von DHL meistens sofort an den Absender zurückgeschickt, ohne dass der Kunde eingreifen kann - beispielsweise mit einer Adresskorrektur.

Auszug Infoblatt DHL Filial-Routing
Um solche Retouren zu verhindern, können DHL-Geschäftskunden ab Februar 2019 wohl einen neuen Service beauftragen. Und zwar das sogenannte Filial-Routing. Pakete mit diesem Service werden bei Unzustellbarkeit 7 Werktage lang (inkl. Samstag) in einer naheliegenden DHL-Filiale gelagert. Der nicht auffindbare Kunde wird darüber per E-Mail informiert und kann das Paket in der Filiale abholen. Auch logistik-watchblog.de hat bereits über diesen Service berichtet.

Das Filial-Routing von DHL stellt eine große Verbesserung für Endkunden und Geschäftskunden von DHL dar. Denn retournierte Pakete verursachen i.d.R. Kosten für den Rücktransport, außerdem Aufwand beim erneuten Versand und Frustration, weil der Kunde die Ware nicht pünktlich erhält.

Im Gegensatz zu anderen Paketdiensten, die Pakete mit Adressfehlern i.d.R. kostenlos 1 Woche lang einlagern, berechnet DHL dem Absender ein Serviceentgelt. Geschäftskunden müssen das Filial-Routing im Voraus beauftragen (es gibt einen entsprechenden Vermerk auf dem Paketlabel), und im Falle von Unzustellbarkeit wird das Entgelt fällig.

Das Filial-Routing ist nur möglich, wenn der Absender die E-Mail-Adresse des Empfängers an DHL übermittelt. Ansonsten könnte der Empfänger nämlich nicht darüber informiert werden, dass ein Paket für ihn abholbereit ist. Wird ein Paket vom Endkunden nicht abgeholt, berechnet DHL dem Geschäftskunden ein Rücksende-Entgelt plus das bereits erwähnte Serviceentgelt fürs Filial-Routing.

In einem Infoblatt weist DHL seine Geschäftskunden vorsorglich darauf hin, dass DHL keine Haftung "für evtl. Fehlauslieferungen oder ggf. kriminellen Missbrauch" übernimmt.

Sprich: Bestellt ein Betrüger in Onlineshops Ware auf fremden Namen und Adresse, und landen diese Pakete wegen Unzustellbarkeit in einer Filiale, haftet DHL nicht, wenn die Pakete in die Hände des Betrügers fallen. Wie hoch das Betrugsrisiko wirklich ist, wird wohl erst die Praxis zeigen. Bei der Paketabholung erfolgt ja weiterhin eine Ausweiskontrolle, so dass Betrüger wohl keine Pakete ergaunern können, die auf komplett falschen Namen und Adresse bestellt wurden.

Abzuwarten bleibt auch, wie stark das neue Filial-Routing von Geschäftskunden überhaupt gebucht wird. Denn alle DHL-Pakete ohne diesen Service gehen auch in Zukunft sofort an den Absender zurück. Für Endkunden verbessert sich die Situation also nur, wenn möglichst viele Onlineshops das Filial-Routing beauftragen. Das könnte aufgrund der Zusatzkosten wiederum zu etwas höheren Versandkosten in Onlineshops führen.

Abschließend noch ein Hinweis auf die Vorausverfügung UZN bei DHL. Es gibt nämlich schon viele Jahre lang einen Service, um sofortige Retouren bei DHL zu verhindern. Beauftragt wird er allerdings selten. Beim Service "Unzustellbarkeitsnachricht" (UZN) informiert DHL den Absender digital über Zustellprobleme. Das Paket wird anschließend in der Zustellbasis auf Grund einer Vorausverfügung gelagert. Während der Lagerfrist entscheidet der Absender, ob das Paket zurückgeschickt werden soll oder ob das Paket an eine neue Empfängeradresse gesandt werden soll.

Der Service UZN hat gegenüber dem Filial-Routing den Vorteil, dass der Absender korrigierte Empfängerdaten an DHL übermitteln kann und somit die Kontrolle darüber behält, an welche Person das Paket ausgehändigt werden darf. Andererseits muss der UZN-Service irgendeinen großen Nachteil haben, weil er wie gesagt kaum gebucht wird. Mal sehen, ob sich das beim Filial-Routing ab Februar 2019 ändert.


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