Postlagernd: Funktioniert dieser unbekannte Service noch?

Postlagernde Briefe
Kaum jemand kennt ihn, kaum jemand nutzt ihn: den Service "postlagernd". Damit kann man sich Briefe an eine Filiale der Deutschen Post schicken lassen. Anstelle des eigenen Namens kann man sogar ein Kennwort oder Pseudonym angeben (z.B. Stiefmütterchen, Wasser 4711, etc.) und dadurch anonym Post empfangen.

Soweit die Theorie. Wie gut der Service in der Praxis funktioniert, haben die Paketda-Versandtester in den letzten Tagen untersucht. Eine hohe Erfolgsquote war von vornherein nicht zu erwarten, denn je exotischer ein Postprodukt ist, desto weniger kennen sich die Mitarbeiter damit aus.

Die offiziellen Bedingungen für postlagernde Sendungen sind hier auf deutschepost.de veröffentlicht. Das Wichtigste in Kürze:

  • Postfilialen, die postlagernd ermöglichen, erscheinen im Standortfinder mit dem Filter "Post lagern lassen".
  • Unterhalb des Empfängernamens muss "Postlagernd" oder "poste restante" stehen.
  • Der Brief muss an die Hausanschrift der Filiale adressiert sein.

Insgesamt wurden 17 Testbriefe losgeschickt. Bei drei Briefen ist der Verbleib unklar, deshalb werden vorerst nur 14 ausgewertet. Ergebnis:

  • 7 Briefe konnten von den Empfängern abgeholt werden (davon 1 mit Kennwort).
  • 7 Briefe waren nicht abholbar (davon 3 mit Kennwort).

Bei nur 50 Prozent Erfolgsquote muss man von postlagernden Briefen eigentlich abraten. Die Gefahr einer Retoure ist zu hoch. Die Rücksendungen trugen übrigens alle den Vermerk "Empfänger unter der angegebenen Anschrift nicht zu ermitteln". Ein unpassender Grund für postlagernde Sendungen, weil der Empfängername gar keine Rolle spielen dürfte.

Bei den Abholversuchen in den Filialen haben die Paketda-Versandtester allerhand erlebt. Beispiele:

  • Mehrere Postmitarbeiter sagten, dass die Filialnummer auf dem Brief stehen müsse.
  • Ein Mitarbeiter fragte nach der Benachrichtigungskarte.
  • In zwei Fällen wurde der Ausweis kontrolliert (es waren Sendungen ohne Kennwort).
  • Postlagernd mit Codewort stiftete am meisten Verwirrung. Zitat: "Mit Codewort, das machen wir nicht."
  • In zwei Fällen waren die Sendungen nicht sofort abholbar. Aber nachdem sich die Mitarbeiter schlau gemacht hatten, gelang es doch.
  • Ein Mitarbeiter sagte, postlagernd werde seit Jahren nicht mehr angeboten. Aufgrund eines "Fehlers" wurde der Brief aber nicht retourniert, so dass die Abholung gelang.
  • Ein Tester konnte die Sendung zwar abholen, ihm wurde aber gesagt, dass der Service so eigentlich nicht funktioniert, weil sonst zu viel Post in der Filiale ankommen würde.
  • Eine Filialinhaberin sagte, sie habe den Brief zurückgeschickt, weil der Brief nicht an sie adressiert war.

Warum bietet die Deutsche Post überhaupt postlagernde Sendungen an? Mit Packstationen und Postfächern gibt es ja Alternativen, die von Postkunden viel stärker genutzt werden.

Wahrscheinlich lässt sich das Angebot nicht einfach abschalten, weil "poste restante" auf ein Abkommen des Weltpostvereins zurückgeht. Fast alle Postgesellschaften weltweit, von Ghana bis zu den Philippinen, bieten diesen Service an.

Paketda empfiehlt: Sofern Sie beabsichtigen, sich postlagernde Sendungen zuschicken zu lassen, fragen Sie vorher einen Mitarbeiter in der Filiale, ob der Service dort bekannt ist.


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