Paket kommt zu spät: Liefertermin nicht eingehalten

Verspätete Lieferung

In diesem Ratgeber gehen wir der Frage nach, ob ein Kunde wegen eines verspäteten Pakets Schadenersatz fordern kann. Die Ratschläge ersetzen jedoch keine professionelle Rechtsberatung und werden von der Paketda-Redaktion ohne Gewähr veröffentlicht.


Unpünktliche Lieferungen sind immer ärgerlich. Ein Klassiker sind zu spät gelieferte Weihnachtsgeschenke oder Geburtstagsgeschenke. Auch Brautmode, Partydeko oder eine leckere Torte bringen dem Empfänger nichts, wenn sie erst nach dem Event geliefert werden. Im Paketda-Forum berichten uns Kunden auch regelmäßig von verspäteten Ersatzteillieferungen, ohne die keine Autoreparatur stattfinden kann. Sonderfälle sind außerdem (Express-) Briefe mit wichtigen Dokumenten wie z.B. Visa, Ausweis oder Reisepass.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wann gilt ein Paket überhaupt als verspätet?
  2. Einschreiben oder Brief verspätet
  3. Der Paketdienst hat den voraussichtlichen Liefertermin nicht eingehalten
  4. Wer kann die verspätete Lieferung reklamieren: Absender oder Empfänger?
  5. Hat der Absender eine Lieferung zum bestimmten Termin versprochen?
  6. Fixer Liefertermin nicht eingehalten: Was nun?
  7. Ungefährer Liefertermin nicht eingehalten: Verkäufer in Verzug setzen
  8. Unterschiede bei Standardpaketen und Expresspaketen
  9. Schadenersatz, wenn ein Expresspaket zu spät ankommt
    1. Haftung bei Verspätung von DHL Express
    2. Haftung bei Verspätung von DPD Expresspaketen
    3. Haftung bei Verspätung von UPS-Express-Paketen
    4. Haftung bei Verspätung von GLS-Express-Paketen
    5. Haftung bei verspäteten Hermes-Paketen

Wann gilt ein Paket überhaupt als verspätet?

Nach dem gesunden Menschenverstand könnte man meinen, ein Paket müsse innerhalb von ein paar Tagen beim Empfänger sein. In den allermeisten Fällen klappt es auch. Manchmal hingegen nicht. Manche Kunden befürchten dann sogleich die Unterschlagung ihres Eigentums. Doch so einfach lässt sich nicht argumentieren.

Die Paketdienste sichern sich in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ab: sie garantieren keine bestimmten Lieferzeiten. Zumindest nicht für Standardpakete, die üblicherweise zwischen 5 und 15 Euro Versand kosten. Lediglich bei teuren Expresspaketen kann es anders aussehen (vgl. dieser Abschnitt unten).

Übrigens: Auch sogenannte DHL-Prio-Pakete, die Großkunden wie Zalando oder Amazon (Prime) verschicken, sind Standardpakete und keine echten Expresspakete. Der Paketdienst garantiert zwar eine bevorzugte Behandlung - aber keine bestimmte Lieferzeit. Deshalb lässt sich bei verspäteten Prio-Paketen bzw. Amazon-Prime-Paketen gegenüber dem Paketdienst kein Schadenersatz geltend machen. Als betroffener Kunde reklamieren Sie am besten direkt beim Verkäufer. Gerüchteweise gewährt Amazon für verspätete Prime-Pakete einen Gratismonat Prime.

► Kommt ein Standardpaket mal nicht binnen 3 Tagen beim Empfänger an, lässt sich daraus kein Schadenersatz-Anspruch ableiten. Selbst bei einwöchiger Verspätung nicht.

Der Paketda-Redaktion ist sogar ein Fall bekannt, bei dem ein Paket mehrere Monate verschollen war und der Paketdienst bereits Schadenersatz für den Verlust ausgezahlt hatte. Das Paket tauchte jedoch wieder auf, wurde zugestellt und der Paketdienst verlangte den Schadenersatz zurück, weil die Transportleistung seitens des Paketdienstes erbracht wurde. Zwar erst nach etlichen Monaten - aber sie wurde erbracht.

Grundsätzlich gilt: Ein Standardpaket kann aus Sicht der Paketdienste niemals verspätet sein. Eben weil kein bestimmter Liefertermin zugesagt wird. Allerdings gehen Paketdienste davon aus, dass ein Paket verschollen bleibt, wenn es ca. 20 - 30 Tage nach Versand nicht beim Empfänger angekommen ist. Lesen Sie für diese Fälle unseren Ratgeber für verlorene Pakete.

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Einschreiben oder Brief verspätet

Einschreiben sind nicht schneller als normale Briefe, und Einschreiben werden nicht bevorzugt transportiert. Die Unterschiede eines Einschreibens zum Standardbrief bestehen im Zustellnachweis sowie in einem geringen Versicherungsschutz gegen Verlust (Einwurf-Einschreiben max. 20 Euro, normales Einschreiben max. 25 Euro).

Nur im Falle eines Verlusts muss die Deutsche Post für ein Einschreiben Schadenersatz bezahlen. Wird ein Einschreiben verspätet geliefert, muss die Post keinen Schadenersatz bezahlen. Denn die Deutsche Post garantiert für Einschreiben (und für Standardbriefe) keine bestimmte Lieferzeit. Daraus ergibt sich in der Logik der Post, dass ein Einschreiben gar nicht verspätet sein kann - denn es wurde ja kein Liefertermin zugesichert.

Und wann gilt ein Brief / Einschreiben als verloren? Zitat aus den AGB der Deutschen Post, Punkt 6.4, Stand 1.2.2017: "Eine Sendung gilt als verloren, wenn sie nicht innerhalb von 20 Tagen nach Einlieferung an den Empfänger abgeliefert ist und ihr Verbleib nicht ermittelt werden kann."

► Die Paketda-Redaktion empfiehlt: Ist ein inländisches Einschreiben nach 1 Woche nicht beim Empfänger angekommen, geben Sie einen Nachforschungsauftrag bei der Post auf. Bei Einschreiben ins nahe Ausland sollten Sie 2 Wochen abwarten. Bei Einschreiben nach Übersee 3 Wochen.

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Der Paketdienst hat den voraussichtlichen Liefertermin nicht eingehalten

Viele Paketdienste wie z.B. DHL, DPD oder Hermes zeigen in der Sendungsverfolgung an, wann ein Paket voraussichtlich geliefert wird. Auch GLS und UPS bieten diesen Service an, indem Sendungsankündigungen per E-Mail verschickt werden. Damit soll es den Paket-Empfängern erleichtert werden, die Annahme des Pakets zeitlich zu planen oder ein Paket umzuleiten.

Aus rechtlicher Sicht sind die Paketankündigungen unverbindliche Prognosen. Als Kunde kann man den Paketdienst auf die Einhaltung der prognostizierten Lieferzeit nicht festnageln. Die Paketlieferung wird von vielen Faktoren beeinflusst wie z.B. das Paketaufkommen, die Straßenverhältnisse oder defekte LKW / Zustellfahrzeuge. Auch die plötzliche Krankheit eines Zustellfahrers kann jegliche Prognosen über den Haufen werfen.

► Als Kunde kann man einen Paketdienst nicht verklagen, wenn der voraussichtliche Liefertermin nicht eingehalten wird. Es handelt sich um unverbindliche Computerprognosen, die auf durchschnittlichen Erfahrungswerten basieren.

Dass die Computerprognosen nicht intelligent sind, lässt sich auch daran erkennen, dass beispielsweise DHL bis in die Abendstunden hinein noch eine voraussichtliche Paketlieferung ankündigt, obwohl das Paket an dem betreffenden Tag gar nicht ins Zustellfahrzeug eingeladen wurde und der Zusteller längst Feierabend hat.

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Wer kann die verspätete Lieferung reklamieren: Absender oder Empfänger?

Empfänger haben kein Vertragsverhältnis mit dem Paketdienst und deshalb schlechte Karten, um ein verspätetes Paket beim Paketdienst zu reklamieren. In extremen Fällen, bei denen Pakete um Wochen zu spät ankommen, erhält der Empfänger vielleicht aus Kulanz eine kostenlose Paketmarke. Mehr ist kaum drin.

Aber es gibt zusätzlich das Verbraucherrecht, welches bei Versandhandels- bzw. Onlinebestellungen greift. Also wenn eine Privatperson bei einer Firma kauft.

► Onlineshops sind verpflichtet, ihren Kunden die voraussichtliche Lieferdauer mitzuteilen. Und Onlineshops haften für das Verschulden der von ihnen beauftragten Paketdienste. Wenn ein neues Smartphone z.B. mit "lieferbar in 2-3 Werktagen" beworben wird, aber das Paket bleibt bei DHL hängen, dann kann der Händler die Schuld nicht auf DHL abwälzen. Der Händler ist dafür verantwortlich, dass die Ware innerhalb der versprochenen Lieferzeit beim Kunden eintrifft.

Wenn Sie als Empfänger von einer verspäteten Onlinebestellung betroffen sind, reklamieren Sie die Verspätung beim Händler. Der Händler soll sich wiederum mit dem Paketdienst in Verbindung setzen und den Verbleib des Pakets klären. Sie als Kunde müssen Ihrem Paket nicht selbst hinterherlaufen.

Schafft es der Händler nicht, das Paket innerhalb einer angemessenen Wartezeit von z.B. 1 Woche zu liefern, dann fragen Sie ihn nach einer Ersatzlieferung. Vielleicht lässt sich der Händler darauf ein, und schickt eine neue Warenlieferung an Sie ab.

Grundsätzlich steht Ihnen als Kunde ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu. Dieses beginnt erst mit Erhalt der Ware zu laufen. Sie können den Widerruf aber selbstverständlich auch vor Erhalt der Ware ausüben. Wenn Sie das Warten auf ein verspätetes Paket satt haben, erklären Sie dem Händler (Absender) den Widerruf des Kaufs. Sie erhalten dann den Kaufpreis zurück.

Hier Musterbrief einer Widerrufserklärung

Sofern das Paket irgendwann noch bei Ihnen eintrifft, müssen Sie entweder die Annahme verweigern oder es manuell an den Händler zurückschicken.

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Hat der Absender eine Lieferung zum bestimmten Termin versprochen?

Lieferungen werden immer dann zu einem sog. Fixtermin vereinbart, wenn die Ware zu einem bestimmten Ereignis (Termin) benötigt wird und eine verspätete Lieferung sinnlos wäre. Ein bekanntes Beispiel für Fixtermin-Lieferungen sind z.B. Brautkleider. Würde ein Brautkleid erst nach der Hochzeit geliefert werden, hätte die Braut dafür keine Verwendung mehr. Fixtermine müssen vom Lieferanten eingehalten werden, um sich nicht schadenersatzpflichtig zu machen. Allerdings gelten Fixtermine nur, wenn sie ausdrücklich vereinbart wurden, zum Beispiel indem im Kaufvertrag der Liefertermin mit dem Zusatz "fix" oder "verbindlich eintreffend" vermerkt ist.

Laut Gesetz muss ein kalendermäßig bestimmbarer Liefertermin vereinbart worden sein (vgl. § 286 BGB). Beispiel 1: Der 25. Juni 2017 ist ein solcher, eindeutiger Termin. Beispiel 2: Die 17. Kalenderwoche 2017 ist ebenfalls kalendermäßig bestimmbar. Die Lieferfrist würde am letzten Tag der 17. Kalenderwoche ablaufen.

Kalendermäßig nicht bestimmbar ist ein Liefertermin, wenn der Absender z.B. schreibt: "Die Ware verlässt in 2-3 Tagen unser Lager". Denn es ist ungewiss, wie lange der Transport vom Lager bis zum Kunden dauert.

Wie verhält es sich bei telefonischen Liefervereinbarungen? Werden z.B. Möbel oder Haushaltsgeräte per Spedition geliefert, erhält der Empfänger i.d.R. 1-2 Tage vorher einen Anruf der Spedition. Der telefonisch angekündigte Liefertermin (z.B. "übermorgen 12-18 Uhr") ist jedoch kein Fixtermin. Es handelt sich um ein sogenanntes Avis des Spediteurs.

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Fixer Liefertermin nicht eingehalten: Was nun?

Wurde Ihnen als Kunde vom Verkäufer ein exakter Liefertermin genannt, der mit dem Zusatz "fix" oder "verbindlich" oder ähnliches zugesichert wurde, dann haben Sie bei Nichteinhaltung des Liefertermins folgende Möglichkeiten:

• Sie erklären Ihren Rücktritt vom Kaufvertrag. Der Verkäufer braucht die Ware in diesem Fall gar nicht mehr liefern. Und Sie als Kunde brauchen nicht bezahlen (bzw. bekommen bei Vorkasse Ihr Geld zurück). Rechtsgrundlage ist § 323 BGB Außerdem können Sie als Kunde Schadenersatz gegen den Verkäufer geltend machen (vgl. § 325 BGB).

Schadenersatz können z.B. Mehrkosten sein, die Ihnen als Kunde entstehen, weil Sie die Ware woanders kaufen müssen. Aber Vorsicht: Solche Ansprüche sind schwierig durchzusetzen. Und als Kunde haben Sie eine sogenannte Schadenminderungspflicht. Wenn ein deutscher Verkäufer beispielsweise eine Couch zu spät liefert, dürfen Sie diese Couch nicht ersatzweise in Übersee kaufen, weil sie dort aufgrund der Liefergebühren unverhältnismäßig teuer wäre. Bevor Sie Schadenersatz fordern, besprechen Sie sich am besten mit einem Anwalt, um die Erfolgsaussichten und die Angemessenheit des Schadenersatzes beurteilen zu lassen.

• Sie bestehen weiterhin auf Erfüllung des Kaufvertrages, also auf die Lieferung der Ware. Und Sie verlangen Schadenersatz wegen verspäteter Lieferung. Diese Möglichkeit ergibt sich aus § 280 Absatz 2 BGB Die Höhe des Schadenersatzes ist schwierig zu bemessen und vom Einzelfall abhängig. Wenn Ihnen z.B. ein Rasenmäher zu spät geliefert wurde, und Sie mussten sich deshalb einen Rasenmäher ausleihen, könnten Sie vom Verkäufer die Leihgebühren als Schadenersatz verlangen. Wenn Sie hingegen wegen einer verspäteten Lieferung neuer Möbel noch einige Wochen auf dem alten Sofa sitzen mussten, so ist dies kein finanziell messbarer Schaden und nicht als Schadenersatz geltend zu machen.

Achtung: Als Kunde dürfen Sie keine Mitschuld am Lieferungsverzug haben. Wenn ein Paket z.B. in einem Paketshop lagerte, weil Sie es zu Hause zum versprochenen Liefertermin nicht angenommen haben, dann trifft den Verkäufer keine Schuld. Ebenfalls ausgeschlossen ist eine Haftung bei Höherer Gewalt, z.B. wenn starker Schneefall den Straßentransport verzögerte.

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Ungefährer Liefertermin nicht eingehalten: Verkäufer in Verzug setzen

Hat der Verkäufer keinen fixen Liefertermin zugesichert, sondern nur eine grobe oder geschätzte Lieferdauer angegeben (z.B. "Mitte August"), so muss der Kunde den Verkäufer zunächst in Verzug setzen. Dies ergibt sich aus § 286 BGB Das In-Verzug-Setzen ist erst möglich, wenn der grobe Liefertermin verstrichen ist. Beim Beispiel Mitte August also der 15.08

In dem Mahnbrief muss der Kunde den Verkäufer auffordern, die Ware bis zum Tag X zu liefern. Die Frist bis zum Tag X muss angemessen lang sein. Wenn es sich z.B. um einen Möbelkauf handelte, und die Möbel hatten sowieso 8 Wochen Lieferzeit, so scheinen 2 Wochen Nachfrist angemessen. Handelt es sich hingegen um einen alltäglichen, schnell lieferbaren Gegenstand wie z.B. eine Spielekonsole, dann genügt auch 1 Woche Nachfrist.

► Setzen Sie den Verkäufer am besten schriftlich per Einschreiben in Verzug. Sie brauchen nämlich einen Nachweis, falls der Verkäufer auch die Nachfrist ohne Lieferung verstreichen lässt.

Sofern innerhalb der von Ihnen gesetzten Nachfrist keine Ware geliefert wird, und der Verkäufer keine Entschuldigung dafür hat (z.B. Höhere Gewalt), können Sie vom Kaufvertrag zurücktreten und/oder Schadenersatz wegen verspäteter Lieferung verlangen. Diese Möglichkeiten sind im vorherigen Abschnitt erklärt.

Tipp: Nutzen Sie unsere Musterbriefe, um Händler in Verzug zu setzen und ggf. Schadenersatz zu fordern.
Musterbriefe zum Lieferungsverzug

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Unterschiede bei Standardpaketen und Expresspaketen

Während bei Standardpaketen aufgrund der AGB-Klauseln der Paketdienste keine Verzögerung eintreten kann, sieht es bei Expresspaketen anders aus. Expresspakete werden innerhalb Deutschlands üblicherweise von einen Tag auf den anderen zugestellt. Voraussetzung ist, dass das Paket rechtzeitig bei der Post bzw. in einem Paketshop abgegeben wurde.

Für Expresspakete gelten frühere Einlieferungszeiten als für Standardpakete. Damit sie noch taggleich weitertransportiert werden, ist eine Einlieferung vormittags am sichersten. Die genauen Einieferfristen erfahren Sie i.d.R. in der Paketshop-Suche von DHL, UPS & Co. Falls dort kein Annahmeschluss für Expresspakete angezeigt wird, werden an den Standort womöglich gar keine Expresspakete angenommen! Erkundigen Sie sich ggf. beim Paketshop-Mitarbeiter direkt vor Ort.

Sofern der Absender die Einlieferfrist eingehalten hat, muss auch der Paketdienst die versprochene Lieferzeit einhalten. In aller Regel kommen innerdeutsche Express-Pakete am nächsten Tag beim Empfänger an. Bei internationalen Paketen kann es länger dauern. Das hängt vom gewählten Versandtarif ab. Je schneller, desto teurer.

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Schadenersatz, wenn ein Expresspaket zu spät ankommt

Wenn ein Expresspaket verspätet geliefert wird, haftet der Paketdienst i.d.R. für die Verspätung. Ein Blick in die AGB ist erforderlich, um die Höhe der Haftung zu kennen. Für gewisse Liefergebiete bestehen eventuell Ausnahmen (z.B. keine Expresslieferungen auf Inseln).

Paketda hat die AGB mit Stand 6/2016 unter die Lupe genommen, jedoch ohne Gewähr. Bitte vergewissern Sie sich selbst durch einen Blick in die aktuellen AGB Ihres Paketdienstes


Haftung bei Verspätung von DHL Express

Bei DHL gibt es mehrere Dokumente, die für die Haftungsfrage bei verspäteten Paketen heranzuziehen sind. Es gelten die DHL AGB und zusätzlich Regelungen für die "Geld-zurück-Garantie". Letztere greift, wenn DHL Express das Paket später zustellt wird als vom Kunden beauftragt.

► Achtung, die Geld-zurück-Garantie von DHL Express beschränkt sich auf die Rückerstattung des Aufpreises für eine sogenannte Zeitoption. Damit ist eine garantierte Zustellung z.B. vor 12 Uhr gemeint. So eine Zeitoption kann nur der Absender des Pakets bei DHL Express beauftragen. Wird die Zeitoption nicht eingehalten, bekommt der Absender den Aufpreis dafür zurück.

Fiktives Beispiel: Ein DHL-Express-Paket mit Zustellung am nächsten Werktag vor 12 Uhr kostet 40 Euro Porto. Ein "normales" DHL-Express-Paket mit Zustellung bis zum Ende des nächsten Werktags kostet 30 Euro. Die Differenz beträgt 10 Euro. Diesen Aufpreis für die Zustellung vor 12 Uhr würde DHL Express erstatten, falls der Termin nicht eingehalten wird.

Interessant ist außerdem Abschnitt 6.3. der DHL-AGB. Dort heißt es, dass bei Paketen mit zugesagter Lieferfrist "die Haftung von DHL für die Überschreitung dieser Lieferfrist bzw. die Abweichung von diesem Termin auf den dreifachen Betrag der Fracht (dreifaches Entgelt) begrenzt" ist. Der Absender kann demnach nicht nur den Aufpreis für die Zeitoption zurückverlangen, sondern Schadenersatz bis maximal zum dreifachen Wert des bezahlten Portos.

Allerdings zahlt DHL Express so einen hohen Schadenersatz nicht grundlos. Als Absender sollte man dem DHL-Kundenservice darlegen, welcher Schaden aufgrund der verspäteten Lieferung eingetreten ist und wie hoch dieser ausgefallen ist. Wenn aufgrund der Fehlleistung von DHL Express beispielsweise ein teures Taxi (oder ein Direktkurier) mit einer Ersatzlieferung losgeschickt werden musste, dann sind die dadurch entstandenen Kosten mit Belegen nachzuweisen.

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Haftung bei Verspätung von DPD Expresspaketen

Bei DPD gelten die Standard-AGB in Verbindung mit den Beförderungsbedingungen "Express-Service". Eine wichtige Voraussetzung für DPD-Express-Pakete ist deren Kennzeichnung mit einem speziellen rot-weiß-gestreiften Klebeband. Dieses stellt DPD dem Absender zur Verfügung. Die DPD-Mitarbeiter erkennen Expresspakete anhand des gestreiften Klebebands und behandeln sie bevorzugt.

Bei verspäteten Expresspaketen innerhalb Deutschlands haftet DPD für "hierdurch verursachte Vermögensschäden" maximal mit dem dreifachen Betrag des bezahlten Portos. Bei internationalen Expresspaketen wird nur das Porto zurückgezahlt und kein darüber hinausgehender Schadenersatz (Haftung mit dem einfachen Betrag).

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Haftung bei Verspätung von UPS-Express-Paketen

Genauso wie DHL Express bietet auch UPS für Terminpakete eine Geld-zurück-Garantie. Dort heißt es: "Sollte UPS Ihre Sendung nicht bis zur angegebenen Uhrzeit zustellen, werden wir Ihnen auf Antrag die Versandkosten erstatten oder gutschreiben ..., jeweils netto ohne Mehrwertsteuer, Abgaben, Zölle oder Gebühren".

Auf dieser Website sind die entsprechenden Voraussetzungen genannt. Wichtig ist, dass die Reklamation innerhalb von 15 Tagen nach dem ursprünglich vorgesehenen Liefertermin bei UPS ankommt. UPS zahlt kein Porto zurück, wenn es sich z.B. um Sperrgut handelt oder wenn der Verzögerung auf höhere Gewalt zurückzuführen ist.

In Punkt 7 der UPS-AGB steht der Vermerk, dass UPS generell keine Lieferfristen vereinbart oder bestätigt. Auch die Geld-zurück-Garantie sei nicht als solche zu verstehen. Wenn es "hart auf hart" kommt, kann sich UPS also auf diese Klausel berufen und Schadenersatzansprüche seiner Kunden abwehren.

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Haftung bei Verspätung von GLS-Express-Paketen

GLS wirbt mit einer sogenannten "Regellaufzeit" von 24 Stunden innerhalb Deutschlands. Diese findet sich sogar in Punkt 2.5 der GLS-AGB. Im darauffolgenden Satz heißt es jedoch einschränkend: "Die Einhaltung der Regellaufzeit wird weder zugesichert noch garantiert."

Privatkunden haben bei GLS keine Möglichkeit, Expresspakete zu verschicken. Dies ist gewerblichen Kunden vorbehalten; also z.B. Versandhändlern, die regelmäßig mit GLS verschicken. Expresspakete heißen bei GLS "Guaranteed24Service" und deren Handhabung ist in den AGB in Punkt 6 geregelt.

Wenn ein GLS-Expresspaket mehr als 15 Minuten zu spät beim Empfänger eintrifft, zahlt GLS dem Absender den Expresszuschlag zurück. Einschränkungen: Die Umsatzsteuer wird nicht zurückgezahlt und die Höhe der Rückzahlung ist "abhängig vom Ausmaß der Lieferfristüberschreitung". Daraus kann man wohl ableiten, dass umso weniger Geld erstattet wird, je kürzer die Verspätung ist. Diese Klausel ermöglicht GLS ziemlich viel Spielraum bei der Bemessung des Schadenersatzes. Nach Einschätzung der Paketda-Redaktion hat GLS im Vergleich mit DHL, UPS und DPD die kundenunfreundlichste Regelung bei verspäteten Expresspaketen.

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Haftung bei verspäteten Hermes-Paketen

Hermes bietet keine Expresslieferungen an. In Punkt 2.3 der Hermes-AGB heißt es wörtlich: "2.3 Hermes führt keinen Terminverkehr durch. Die Einhaltung einer bestimmten Lieferfrist ist nicht geschuldet." Insofern lässt sich kein Schadenersatz für verspätete Pakete durchsetzen.

Hermes geht laut Punkt 6.6 der AGB davon aus, dass ein innerdeutsches Paket als verloren gilt, wenn es 20 Tage nach dem Absenden nicht beim Empfänger angekommen ist. Der Absender kann in diesem Fall Schadenverlust wegen Verlust bei Hermes geltend machen (siehe Ratgeber Paket-Nachforschung).

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