Post gibt zu: Firmen bekommen Rabatte, um Portoerhöhung abzufedern

Briefsortierung bei Postcon In der gestrigen Bekanntmachung (www.dpdhl.com) des neuen Briefportos vermerkte die Deutsche Post auch Folgendes:

Für Einlieferungen von Geschäftskunden mit großen Briefmengen im Rahmen von Teilleistungen inklusive Infrastrukturrabatt wird die Preiserhöhung zum 1. Juli 2019 weitgehend kompensiert. Teilleistungs-Kunden werden im zweiten Halbjahr 2019 über den Zeitpunkt der nächsten Rabattanpassung informiert.

Der sogenannte Infrastrukturrabatt wird für bestimmte vorfrankierte Sendungen gewährt. Rabatte für "Teilleistungen" gewährt die Post, wenn Großkunden ihre Briefe u.a. nach PLZ vorsortiert einliefern.

Im März hatte schon die FAZ berichtet, dass Großkunden kaum von der Portoerhöhung betroffen sein werden, weil die Deutsche Post ihnen ab Juli höhere Rabatte gewährt (Quelle: www.faz.net).

Dass die Deutsche Post dieses Vorgehen nun ganz offen zugibt, ist ziemlich unverfroren. Es bedeutet nämlich, dass die Deutsche Post mit Absicht Privatkunden und kleine Firmenkunden herausgepickt hat, die die Portoerhöhung allein schultern sollen.

Dafür hat Postchef Frank Appel sogar beim Bundeswirtschaftsminister interveniert, damit dieser einen höheren Portospielraum genehmigt. Hätten Großkunden ab Juli keine höheren Rabatte bekommen, hätte die Post an ihnen mehr Geld verdient.

Mit dem unfairen Rabatt-Modell für Großkunden bewirkt die Post, dass Privatkunden und kleine Firmenkunden alle Mehreinnahmen allein bezahlen müssen, mit denen die Post zum Beispiel 5.000 neue Zusteller einstellen will. Großkunden profitieren von den neuen Zustellern zwar auch, sind an den Kosten aber kaum beteiligt.


Warum schont die Deutsche Post Großkunden?

Wahrscheinlich liegt es an der Konkurrenz durch private Briefdienste wie PIN Mail, Postcon, Mail Alliance, usw. Die Privaten haben es nämlich auf Firmenkunden und deren hohe Sendungsmengen abgesehen.

Würde die Deutsche Post das Porto für Firmenkunden ähnlich stark erhöhen wie für Privatkunden, wäre das für viele Unternehmen ein Grund, zur privaten Konkurrenz zu wechseln. Das will die Deutsche Post offenbar vermeiden, indem sie die Portoerhöhung für Großkunden quasi ausfallen lässt.

Die Angst der Deutschen Post vor der privaten Post ist begründet. So teilte das Unternehmen Postcon neulich mit: "Entge­gen der allge­mei­nen Markt­ent­wick­lung sieht die Bundes­netz­agen­tur eine Stei­ge­rung bei Umsatz und Markt­an­teil für den alter­na­ti­ven Brief­markt." Quelle: www.postcon.de

Insgesamt war der Umsatz mit Briefen in Deutschland von 2017 auf 2018 rückläufig. Während der Umsatz des Gesamtmarktes gesunken ist, konnten die privaten Briefdienste allerdings steigende Umsätze verzeichnen. Laut Postcon unter Berufung auf die Bundesnetzagentur haben die Privaten auch Marktanteile hinzugewonnen; auf jetzt 15,8 Prozent.


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