Plan: Geschäftskunden bekommen Rabatt für langsame Briefe


Die Frankfurter Allgemeine berichtet von Plänen der Deutschen Post, das Briefporto für Geschäftskunden zu vergünstigen.

Gegenüber der Zeitung bestätigt ein Postsprecher die Absicht, "Anreize für eine stärkere Nutzung digitaler Services und nachhaltiger Lösungen zu setzen." Mit nachhaltiger Lösung ist offenbar eine längere Lieferzeit gemeint.

Laut Deutscher Post ermöglicht der Laufzeitrabatt, das Briefnetz besser auszulasten. Die eingesparten Kosten möchte die Deutsche Post an ihre Geschäftskunden weitergeben.

Bei Briefen von Privatkunden darf die Deutsche Post nicht eigenmächtig die Lieferzeit verlängern. Es gilt die gesetzliche Vorgabe, dass mindestens 80% aller Briefe einen Tag nach dem Abschicken zugestellt werden müssen. Im Zuge der nächsten Reform des Postgesetzes könnte dies angepasst werden (Paketda berichtete).

Ob der Laufzeitrabatt für Geschäftskundenbriefe wirklich eingeführt wird, hängt laut FAZ von einem aktuell laufenden Prüfverfahren bei der Bundesnetzagentur ab (Paketda berichtete). Ein Ergebnis wird Mitte 2022 erwartet.

Interessant wird die praktische Umsetzung. Bietet die Deutsche Post bald zwei unterschiedlich teure Geschwindigkeitsstufen an, wie beispielsweise in der Schweiz mit A- und B-Post?

Bereits 2017 schrieb Post-Manager Ole Nordhoff in einem Strategiepapier, dass zukünftig die Fähigkeit benötigt werde, "Sendungen auch bewusst zu verlangsamen bzw. zu beschleunigen." Theoretisch könnte es sein, dass die Matrixcode-Frankiervermerke dazu genutzt werden, langsame von schnellen Briefen zu unterscheiden.

Aus Nordhoffs Strategiepapier wurden bislang viele Ideen realisiert, zum Beispiel die Auslieferung kleiner Päckchen/Pakete in der Briefzustellung und die Nachverfolgbarkeit jeder einzelnen Sendung (Matrixcode-Briefmarken).

Noch Zukunftsmusik ist die Preisdifferenzierung zwischen Versender- und Empfängerbedürfnissen. Nordhoff skizzierte dazu 2017 folgendes Szenario:

"Während heute ausschließlich der Versender das Porto bezahlt, könnte zukünftig (zumindest für die Briefmenge von geschäftlichen Versendern) ein Teil über den Empfänger erhoben werden. Maßgeblich für den Erfolg einer solchen 'Anschlussgebühr' ist aber sicherlich, dass die Empfänger einen echten Mehrwert ggü. dem Status Quo empfinden.

Dies kann meines Erachtens nur dadurch erzielt werden, dass mögliche briefliche Mehrwertdienste (z.B. prioritäre Zustellung an allen Werktagen) mit Empfangsoptionen für Pakete verknüpft werden. Erste Ideen zu einem "Prime"-Account von Briefen und Paketen existieren bereits und werden getestet werden, um die Marktakzeptanz von solchen Modellen besser zu verstehen."


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