Das Weihnachtsgeschäft 2024 zeigte bei Hermes eine bemerkenswerte Entwicklung: Immer mehr Kunden wählen die direkte Zustellung an Paketshops. Im Vergleich zum Dezember 2023 stiegen die Lieferungen an Paketshops im Dezember 2024 um 16,8%.
Bisherige Umfragen zeigten stets ein anderes Bild, nämlich dass Endkunden die Lieferung nach Hause bevorzugen (vgl. Abbildung oben). Lieferungen an Paketshops sind bei Kunden eigentlich unbeliebt - und bleiben es vermutlich weiterhin. Selbst eine 16-prozentige Steigerung wird daran in den nächsten Jahren nichts ändern. Es sei denn, Paketdienste setzen ihre jahrelangen Ankündigung in die Tat um, Lieferungen nach Hause spürbar teurer zu bepreisen als Lieferungen an Paketshops (vgl. Berichte unten).
Im Dezember 2024 sagte ein DPD-Depotleiter aus Berlin zum RBB (YouTube), dass Lieferungen an Paketshops und Paketstationen zunehmen werden und dafür weniger Zusteller benötigt werden. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Personalmangels sei dies ein positiver Effekt für die Subunternehmer von DPD.
Carsten Hansen vom Paketdienst-Branchenverband BPEX sagte, es sei "notwendig, weitere Optionen zu entwickeln, wie Paketshops und anbieteroffene Paketautomaten". Neben kostensenkenden Effekten für Paketdienste gebe es für Empfänger auch den Vorteil, dass sie genau wissen, wo sich ihre Sendung befindet. Bei vergeblichen Zustellversuchen an Hausanschriften fange hingegen "die Lauferei" an zu ggf. weit entfernen Paketshops. Veranlasst ein Empfänger hingegen selbst die Lieferung zu einem Shop oder einer Abholstation, habe er eine größere Flexibilität und könne den jeweils besten Standort aussuchen.
DPD: Kunden werden in Zukunft für Haustürzustellung extra zahlen
So berichtete Paketda im Juli 2023
DPD-Manager Michael Knaupe bringt eine lange in Vergessenheit geratene Forderung wieder auf den Tisch: Einen Aufpreis für Kunden, die Pakete nach Hause geliefert bekommen möchten. In einer DPA-Meldung (siehe z.B. fnp.de) wird Knaupe mit den Worten zitiert, dass vor allem jüngere Menschen bereit seien, "im Sinne des Klimaschutzes auf die Lieferung bis zur Haustür zu verzichten und stattdessen selbst das Paket holen gehen."
Die Lieferung nach Hause nimmt laut DPD-Manager Knaupe in Zukunft ab und wird zu einem aufpreispflichtigen Premium-Produkt. Auch GLS-Deutschland-Chef Karl Pfaff erklärte im August 2024, dass "in einigen Jahren" bis zu 40% aller Pakete nicht mehr zur Hausanschrift geliefert werden, sondern an Paketstationen (Quelle).
Vorsicht bei Zukunftsprognosen
Paketdienst-Manager äußern sich bereits seit Jahren dahingehend, dass die Haustürzustellung an Bedeutung verlieren wird. Doch in der Praxis ist bislang keine Trendumkehr zu sehen. In osteuropäischen Ländern hat sich zwar die Lieferung an Paketstationen (Automaten) durchgesetzt, doch Kunden in Deutschland bevorzugen die Lieferung nach Hause - auch wenn sie gar nicht zu Hause sind.
Hermes-Chef Olaf Schabirosky machte 2018 den Anfang und forderte als erster Paketdienst-Chef einen Aufpreis, wenn Kunden Pakete nach Hause geliefert bekommen möchten. Daraufhin äußerten sich auch DPD und GLS, solchen Überlegungen nicht abgeneigt zu sein.
Preisstrategie-Experten von Simon-Kucher unterstützten die Forderung sogar und sagten, Paketdienste sollten sich Airlines oder Autovermietungen als Vorbilder nehmen, denn dort koste mehr Komfort auch extra (Quelle).
Ein kleinen Schritt in diese Richtung unternahm DPD im Februar 2023, als das Porto für Direktlieferungen an Paketshops stark gesenkt wurde (Paketda berichtete). In der günstigsten Preisklasse kostet ein DPD-Paket an einen Shop nur 3,29 Euro. Einige Wochen später zog GLS auf das gleiche Preisniveau nach. Dadurch wurden Haustürlieferungen indirekt teurer bzw. der Preisabstand zu Shop2Shop-Paketen wurde größer.
Bei Hermes tauchte 2019 kurzzeitig ein Preiszuschlags-Feld für Haustürlieferungen auf dem Paketschein auf (Paketda berichtete). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Hermes die technischen Voraussetzungen geschaffen hat, um Lieferungen nach Hause extra zu bepreisen. Aber eingeführt wurde es bislang nicht.
DHL-Geschäftskunden, die Pakete nach Schweden oder Finnland senden, müssen seit 2023 4,30 Euro mehr bezahlen für die Haustürzustellung. Vermeiden lassen sich die Extrakosten dies durch die Lieferung an einen Paketshop in der Nähe des Empfängers.
UPS-Chef: Kunden müssen bereit sein, für Haustürzustellung zu bezahlen
So berichtete Paketda im Februar 2022
Frank Jørgensen leitete 2022 die Geschäfte von UPS in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der Verkehrsrundschau erschien damals ein Interview mit ihm.
Darin stimmte Jørgensen private Endkunden auf Preissteigerungen ein. Wer wenig Porto zahlen will, bekommt Pakete nur zum Shop geliefert:
"Er [der Endkunde] muss wissen, dass unsere Zustellung an die Haustür zum Beispiel mehr kostet als an dem UPS-Access-Point-Standort oder der Paketstation. Denn pro Access Point können wir bis zu 100 Pakete ausliefern, an die Haustür dagegen oft nur ein einziges Paket. Sprich: Der Endkunde bekommt das, für das er auch bereit ist zu bezahlen."
Warum erwähnt Jørgensen in diesem Zusammenhang Paketstationen? UPS hat in Deutschland nur Paketshops, aber keine Abholstationen. Vor zwei Jahren zog der damalige UPS-Chef Frank Sportolari noch dieses Fazit:
"Die Locker sind nicht unstrittig. Es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Locker nicht sehr beliebt sind bei den Kunden. Es ist nicht so, dass jeder wild ist auf Locker. Und in Deutschland auch nicht unbedingt auf die Access Points. Hier herrscht immer noch eine Mentalität 'Ich will mein Paket zu Hause haben oder beim Nachbarn abgegeben haben'. "