Neuer UPS-Chef: Kunden müssen bereit sein, für Haustürzustellung zu bezahlen


Frank Jørgensen leitet seit 2021 die Geschäfte von UPS in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der Verkehrsrundschau ist nun ein Interview mit ihm erschienen. Darin wiederholt Jørgensen die altbekannte UPS-Floskel, dass man im Geschäftskundenbereich sehr stark sei und die Paketzustellung an Privatkunden an Bedeutung gewinne.

Dass die Belange von Privatkunden UPS in Wahrheit kaum interessieren, zeigt Jørgensen Aussage, dass die UPS-Website angeblich übersichtlicher gestaltet wurde. Auf die Sendungsverfolgung trifft das Gegenteil zu; dort wurde die Übersichtlichkeit reduziert. Die Paketscheinbuchung ist zudem so aufwändig wie bei keinem Wettbewerber.

Jørgensen stimmt private Endkunden auf Preissteigerungen ein. Wer wenig Porto zahlen will, bekommt Pakete nur zum Shop geliefert:

"Er [der Endkunde] muss wissen, dass unsere Zustellung an die Haustür zum Beispiel mehr kostet als an dem UPS-Access-Point-Standort oder der Paketstation. Denn pro Access Point können wir bis zu 100 Pakete ausliefern, an die Haustür dagegen oft nur ein einziges Paket. Sprich: Der Endkunde bekommt das, für das er auch bereit ist zu bezahlen."

Warum erwähnt Jørgensen in diesem Zusammenhang Paketstationen? UPS hat in Deutschland nur Paketshops, aber keine Abholstationen. Vor zwei Jahren zog der damalige UPS-Chef Frank Sportolari noch dieses Fazit:

"Die Locker sind nicht unstrittig. Es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Locker nicht sehr beliebt sind bei den Kunden. Es ist nicht so, dass jeder wild ist auf Locker. Und in Deutschland auch nicht unbedingt auf die Access Points. Hier herrscht immer noch eine Mentalität 'Ich will mein Paket zu Hause haben oder beim Nachbarn abgegeben haben'. "

Frank Jørgensen kündigt vage an, dass UPS zurzeit mit einem "Anbieter aus dem Ausland" Gespräche führe, der in Deutschland flächendeckend Paketstationen aufstellen wolle. Möglicherweise werde UPS mit dem Anbieter eine Kooperation eingehen.

Spekulation: Vielleicht handelt es sich um das Unternehmen InPost, das beim Börsengang 2021 viele Millionen Euro einnahm. Der Börsenkurs stürzte anschließend um 72% ab. Aber diese Verluste betreffen nur die Aktionäre. Bei InPost sind die Millionen weiterhin vorhanden und sollen laut Reuters für die internationale Expansion genutzt werden.

Ein weiterer Abholstation-Betreiber, der in Deutschland aktiv werden will, ist Instabox aus Schweden (Paketda berichtete). Laut deren Website steht sogar schon eine Instabox in Berlin (Quelle). Mit anderen Paketdiensten kooperiert Instabox jedoch nicht. Die Stationen werden ausschließlich von eigenen Kurieren beliefert.


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