UPS-Chef Frank Sportolari gibt Interview in einem Podcast

UPS Deutschland-Chef Frank Sportolari
Im Podcast des E-Commerce-Blogs "Kassenzone" war der Chef von UPS Deutschland zu Gast: Frank Sportolari. Er sprach über die Herausforderungen der Weihnachtssaison, über Deutschland als Retouren-Weltmeister, über den Preiskampf auf dem deutschen Paketmarkt und warum UPS in Deutschland keine Paketstationen aufstellt.

Paketda fasst einige interessante Passagen des Interviews zusammen. Den gesamten Podcast mit weiteren Themen gibt es z.B. hier bei soundcloud.com zum Anhören.

Weihnachtssaison

Minute 12:50 - "Von uns wird erwartet, in sehr kurzer Zeit die doppelte Menge Pakete zu bearbeiten. Und das soll passieren, ohne dass man [die Kunden] die enorme Leistung anerkennt." Damit beschreibt der UPS-Chef die mangelnde Bereitschaft von Onlineshops, Aufschläge für die Weihnachtssaison zu bezahlen. Die Ausbildung eines Zustellers dauert mehrere Wochen, bis er den von UPS verlangten Standard erreicht hat. Für die etwa 6-wöchige Weihnachtssaison ist es ein hoher Aufwand, Aushilfskräfte derart auszubilden und nur für diese kurze Zeit einzustellen. "Es ist eine für mich noch nicht gelöste Geschichte", so Sportolari.


Deutschland ist Retouren-Weltmeister

Minute 13:30 - Ab dem 2. Januar gibt es eine massive Welle an Retouren. Sportolari: "Ich bin mir nicht ganz sicher, was da alles noch passieren muss, damit man das meistern kann. In anderen Industrien ist es ganz normal, dass man Future Options [Terminkontrakte] kaufen kann auf Kapazitäten. Vielleicht kommt es soweit, dass man das auch bei uns macht."

Minute 17:20 - Deutsche Kunden sind Weltmeister beim Zurückschicken. Frank Sportolari hat einige Jahre in Italien gearbeitet und dortige Onlineshops bei der Expansion nach Deutschland vor der hohen Retourenquote gewarnt. "Zum ersten Mal sahen sie [die italienischen Händler], dass jemand drei identische Paar Schuhe bestellt in 41, 42 und 43. Das ist ein typisches, deutsches Kaufverhalten." In den USA wird soetwas eingedämmt, indem Retouren kostenpflichtig sind und Kunden deshalb von vornherein nicht mehrere Artikel zur Ansicht bestellen.


Niedriges Paketporto

Minute 14:50 - "Man will für nix bezahlen." Auch das sei eine typisch deutsche Eigenschaft, so der UPS-Chef. Es gibt einen höllischen Wettbewerb auf dem deutschen Paketmarkt. Der Versand ist umsonst. Retouren sind umsonst. Der Markt gibt Preiserhöhungen nicht her. Im Idealfall würde sich Frank Sportolari ein Preismodell wünschen, bei dem Kunden mehr Porto bezahlen, wenn sie ihre Weihnachtsgeschenke nach dem 15. Dezember bestellen. Umgekehrt könnten Kunden belohnt werden, wenn sie frühzeitig bestellen - also vor der Peak Season.

Minute 22:20 - UPS erhebt einen Zuschlag für Pakete an Privatadressen, weil Privatkunden in der Regel nur ein einzelnes Paket am Tag erhalten. Firmenkunden erhalten hingegen mehrere Pakete pro Anlieferung, was für UPS effizienter ist.

Minute 27:00 - In den USA übergibt UPS Pakete teilweise an die Staatspost USPS, sofern es für UPS wirtschaftlicher ist. "Das kann hier in Deutschland nicht gemacht werden", so Sportolari, "weil die Deutsche Post einer der global Competitor auf dem Markt ist." In Deutschland herrschen seiner Einschätzung nach marktunübliche Verhältnisse. Der UPS-Chef weiter: "Ein großer Legacy-Carrier hat die Fähigkeit, gewisse Dinge zu dominieren, auf eine Art, die dazu führt, dass andere Marktteilnehmer Schwierigkeiten haben, Innovationen auf den Markt zu bringen." Mit Legacy-Carrier ist die Deutsche Post DHL gemeint als ehemaliger Staatsbetrieb.


Paketstationen / Abholautomaten

Minute 28:15 - Anders als in den USA stellt UPS in Deutschland keine Paketstationen auf, weil der Anteil an Privatkundenpaketen (B2C) noch zu gering ist. Am Anfang des Podcasts, bei Minute 06:15, sagt Sportolari zwar, dass UPS bei B2C-Paketen in Deutschland Marktanteile gewinnen will. Aber bei Minute 29:19 erwähnt er auch die Schwierigkeiten auf diesem Marktsegment: "Es ist für uns als Sektor sehr schwierig, Geld zu verdienen mit B2C durch die Marktgegebenheiten."

Minute 32:15 - Frank Sportolari: "Die Locker sind nicht unstrittig. Es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Locker nicht sehr beliebt sind bei den Kunden. Es ist nicht so, dass jeder wild ist auf Locker. Und in Deutschland auch nicht unbedingt auf die Access Points. Hier herrscht immer noch eine Mentalität "Ich will mein Paket zu Hause haben oder beim Nachbarn abgegeben haben". In anderen Ländern, in Großbritannien zum Beispiel, würde man nie im Leben auf die Idee kommen, ein Paket beim Nachbarn abzugeben. Die sind eher bereit, um 6.30 Uhr morgens ein Paket entgegenzunehmen. Das ist von Land zu Land ein bisschen anders."


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