Post-Vorstandsmitglied Tobias Meyer um wachsende Marktmacht der Online-Giganten besorgt

Deutsche Post Konzernvorstand Tobias Meyer (links)
Im Newsletter "Postforum", den die Deutsche Post für politische Entscheider herausgibt, äußert sich Konzernvorstand Tobias Meyer zur aktuellen Corona-Situation und der "wachsenden Marktmacht der Online-Giganten". Meyer erwähnt zwar nicht ausdrücklich Amazon, aber den Otto-Konzern mit Hermes dürfte er mit der Bezeichnung Online-Gigant kaum gemeint haben.

Meyer wörtlich: "Auch wir sehen die wachsende Marktmacht der Online-Giganten mit Sorge. Sie erhöht nicht nur den Preisdruck auf dem Paketmarkt; auch auf dem Briefmarkt entsteht eine neue Dynamik, wenn unsere Wettbewerber in Städten auch warentragende Sendungen zustellen."

Daraus kann man schlussfolgern, dass Amazon Logistics auch viele kleinformatige Sendungen ausliefert, die sonst per Warenpost von der Deutschen Post zugestellt worden wären. Die Versandart Warenpost wurde im Sommer 2020 eingeführt, u.a. um Briefzentren wegen des Mengenrückgangs bei klassischen Briefen besser auszulasten.

Auf dem Paketmarkt drückt Amazon Logistics das Preisniveau indirekt. Einige Onlinehändler lagern ihre Logistik nämlich komplett an Amazon aus und nutzen den Service Fulfillment by Amazon (FBA). In diesem Fall gibt es keine direkte Vertragsbeziehung zwischen Onlinehändler und Paketdienst mehr. Amazon ist sozusagen zwischengeschaltet und kann Mengen auf seinen eigenen Kurierdienst Amazon Logistics umlenken.

Weil die Paketdienste Amazon sehr günstige Versandkonditionen gewähren, ist es für kleine und mittelgroße Onlinehändler vorteilhaft, keine Direktverträge mit Paketdiensten abzuschließen, sondern FBA zu nutzen. Paketdienste verlieren dadurch kleine Kunden, die zwar geringe Mengen hatten aber dafür viel höheres Porto zahlten als Amazon.

Deutsche-Post-Vorstandsmitglied Tobias Meyer beurteilt die Subunternehmer-Strukturen bei Paketdiensten wie Amazon Logistics kritisch:

"Unser Anspruch ist es, deutschlandweit einen hochwertigen und trotzdem erschwinglichen Brief- und Paketversand anzubieten. Gleichzeitig wollen wir kundenfreundlicher werden und unseren CO2-Fußabdruck deutlich reduzieren. Das wird nicht gelingen, wenn regulatorische Eingriffe einen Wettbewerb ausschließlich auf Basis von Lohnkosten und einen Flickenteppich von Sub-Unternehmerstrukturen erzwingen."

Unklar bleibt, welche "regulatorischen Eingriffe" Meyer meint. Dass Paketdienste Subunternehmer beauftragen, ist ja seit Ewigkeiten Praxis in der Branche. Und regulatorische Eingriffe, die Subunternehmerstrukturen angeblich erzwingen, sind auch nicht erkennbar. Im Gegenteil: Seit 2019 gilt ein Paketbotenschutzgesetz, das die Ausbeutung durch Subunternehmer verhindern soll.

Tobias Meyer bedankt sich schließlich noch bei allen Mitarbeitern von Deutsche Post DHL, die im Jahr 2020 hohe Sendungsmengen bewältigt haben. "Durch erhebliche Schutzmaßnahmen waren unsere etwa 3.000 Betriebsstätten jeden Tag betriebsfähig. Ich hoffe, dass diese Leistung in der Diskussion um ein neues Postgesetz berücksichtigt wird.", so Meyer.

Das Postgesetz wurde Anfang 2021 in einer Minireform überarbeitet. Mit einer großen Reform ist, wenn überhaupt, frühestens 2022 zu rechnen. Details dazu wird man evtl. im Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung finden, die im September gewählt wird.


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