Das Zustellprojekt "Startklar" der Deutschen Post steht offenbar kurz vor der Einführung. Darauf deutet eine aktuelle Veröffentlichung der Gewerkschaft DPVKOM hin.
Bei "Startklar" geht es darum, mehrere Arbeitsschritte in der Zustellung neu zu organisieren. Vorbereitung, Vorsortierung und Beladung der Zustellfahrzeuge sollen stärker getrennt werden. "Tätigkeiten, die die bislang von den Zustellern erledigt wurden, werden dann von anderen Beschäftigten übernommen", schreibt DPVKOM.
Gemeint ist insbesondere die Gangfolge-Sortierung, die zunehmend von den Zustellstützpunkten in die Briefzentren verlagert werden soll. Ziel sei es, Abläufe effizienter zu gestalten und die Zustellung weiter zu rationalisieren.
Gangfolge bezeichnet die Reihenfolge, in der Sendungen von Zustellern ausgeliefert werden. Die meisten Briefe werden bereits heute in den Briefzentren automatisch in dieser Reihenfolge sortiert. Nicht maschinenfähige Sendungsarten müssen Zusteller bislang vor Dienstbeginn im Zustellstützpunkt von Hand sortieren. Seit 2024 arbeitet die Deutsche Post daran, nicht maschinenfähige Sendungen zu "heilen" und automatisch sortierbar zu machen (Paketda berichtete).
Die Gewerkschaft kritisiert diese Pläne deutlich, weil die neuen Betriebsabläufe die Arbeitsbedingungen der Zusteller verschlechtern könnten. Statt Verbesserungen befürchten Gewerkschafter "schlechtere Dienstpläne" und zusätzliche Belastungen für Beschäftigte. Denkbar ist ein späterer Dienstbeginn für Zusteller, weil Briefe evtl. aufgrund der zusätzlichen Arbeitsschritte im Briefzentrum später an die Zustellstützpunkte ausgeliefert werden. Ob sich das bewahrheitet, bleibt in der Praxis abzuwarten.
Bereits 2024 hatte Paketda über das Projekt berichtet. Damals sprach die DPVKOM von einem Sparprogramm, das Teil der Strategie 2030 der Deutschen Post sei. Die Gewerkschaft sieht in "Startklar" einen weiteren Schritt in Richtung Rationalisierung der Zustellung. Neben der Ausweitung der Verbundzustellung und der Einführung von Zustellwänden würden nun auch organisatorische Abläufe in den Zustellstützpunkten verändert.
Ob und wann "Startklar" bundesweit umgesetzt wird, hat die Deutsche Post bislang nicht offiziell angekündigt. Laut DPVKOM solle es nach den Betriebsratswahlen losgehen, die Anfang Mai 2026 stattfinden.
Neues Sparprojekt bei der Deutschen Post
So berichtete Paketda im Mai 2024
Die Deutsche Post will die Kosten auf der letzten Meile senken. Bereits bekannte Einsparmaßnahmen sind die Ausweitung der Verbundzustellung sowie die Einführung von Zustellwänden. Nun berichtet die Gewerkschaft DPVKOM von einem neuen Sparprojekt namens "Startklar" oder umgangssprachlich "gepackte Tasche".
Bis 2026 will die Deutsche Post flächendeckend die Gangfolge-Sortierung für Großbriefe umsetzen. Aktuell besteht sie nur für kleinformatige Briefe. Gangfolge bedeutet, dass Briefe bereits im Briefzentrum in der Reihenfolge sortiert werden, in der sie zugestellt werden. Dadurch wird die händische Sortierarbeit in den Zustellstützpunkten reduziert.
Laut DPVKOM will die Deutsche Post im Rahmen ihrer Strategie 2030 "im Bereich der Zustellung bis zu 30 Prozent" Personalkosten einsparen. Gegenüber Paketda dementiert die Post diese Zahl.
DPVKOM befürchtet, dass die zusätzliche Gangfolge-Sortierung mehr Zeit in Anspruch nimmt und sich der Verteilschluss im Briefzentrum nach hinten verschiebt. Dadurch würden auch die Zusteller später Post erhalten und die Arbeit später beginnen. Weil weniger manuell sortiert werden muss, kann zudem Arbeitszeit reduziert werden oder Zustellbezirke vergrößert werden.
Quelle: www.dpvkom.de