Die Deutsche Post treibt die Automatisierung ihrer Briefzentren weiter voran. Ein neues System soll Sendungen, die bislang manuell sortiert werden mussten, wieder in die automatische Verarbeitung zurückführen. Dadurch soll die sogenannte Resthandsortierung deutlich reduziert werden.
Grundsätzlich werden Briefe in den Briefzentren maschinell nach Postleitzahl und Zustellgang sortiert. Problematisch sind jedoch Sendungen, deren Adresse von Maschinen nicht zuverlässig erkannt wird, zum Beispiel wegen schlechter Handschrift, ungünstiger Typografie oder weil Aufkleber und Briefmarken das Adressfeld überdecken. Diese Sendungen mussten bislang häufig von Beschäftigten manuell bearbeitet werden.
Für solche Fälle hat die Deutsche Post gemeinsam mit dem Logistiktechnologie-Anbieter Körber sogenannte Address Digitalization Stations (ADS) eingeführt. An diesen Arbeitsplätzen werden problematische Sendungen erneut gescannt und digital erfasst.
Eine fest installierte Kamera sowie optional ein Handscanner lesen das Adressfeld der problematischen Sendung aus. Die Software versucht anschließend, die Adresse automatisch zu erkennen und zu vervollständigen. Dabei kommt das KI-gestützte Lesesystem "ARTread" zum Einsatz, das sowohl maschinell gedruckte als auch handgeschriebene Adressen analysieren kann. Störfaktoren wie Briefmarken oder Aufkleber werden herausgefiltert.
Auf einem Touchscreen erhält der Bediener anschließend einen vollständigen Adressvorschlag. Nach Bestätigung wird ein gelbes Label mit der digitalisierten Adresse gedruckt und auf die Sendung geklebt. Danach kann der Brief wieder in die automatische Sortieranlage eingespeist werden.
Nach einem Pilotprojekt Anfang 2024 wurde das System bundesweit in den Briefzentren eingeführt. Seit Juli 2024 sind nach Angaben von Körber 120 dieser Digitalisierungsstationen im Einsatz.
Die manuelle Tätigkeit reduziert sich dabei im Wesentlichen auf das Auflegen der Sendung unter den Scanner, das Aufkleben des neuen Labels und das Weiterleiten in den automatisierten Sortierprozess.
In der internen Sprache der Deutschen Post hat sich dafür bereits ein Begriff etabliert: Problematische Sendungen werden an den Arbeitsplätzen "geheilt", weil sie anschließend wieder automatisch verarbeitet werden können.
Nach Darstellung des Herstellers Körber soll die Technologie mehrere Effekte bringen:
- geringerer Personalaufwand in der Handsortierung
- kürzere Durchlaufzeiten im Briefzentrum
- weniger Fehlsortierungen
Die Deutsche Post verfolgt seit Jahren das Ziel, möglichst viele Arbeitsschritte in der Briefverarbeitung zu automatisieren. Die Digitalisierung von bislang schwer lesbaren Adressen gilt dabei als ein weiterer Baustein, um manuelle Tätigkeiten im Sortierprozess zu reduzieren.
Quelle: koerber.com