Deutsche Post plant 70 Prozent Verbundzustellung bis 2025

Fahrzeug der Deutschen Post
Unter der Schlagzeile "Deutschland verliert seine Briefträger" schreibt die Welt am Sonntag, dass Deutsche Post DHL "die Trennung der beiden Bereiche Briefe und Pakete weitgehend aufheben und die Sendungen in Zukunft von ein und demselben Beschäftigten austragen lassen will". Das ist die sogenannte Verbundzustellung.

Von solchen Plänen berichteten die Gewerkschaften DPVKOM und Verdi schon im Sommer 2021 (siehe unten). Im Raum Essen soll schon ein Pilotversuch stattgefunden haben, bei dem DHL-Zusteller auch Briefe auslieferten.

Weil stetig weniger Briefe verschickt werden, lohnt sich der Einsatz reiner Briefzusteller in immer wenigen Bezirken. Für die Post ist es außerhalb von Großstädten wirtschaftlicher, Briefe und Pakete gemeinsam auszuliefern. Vereinfach gesagt, kann dadurch eine Arbeitskraft in der Briefzustellung eingespart werden, und der/die Mitarbeiter/in in der Paketzustellung bekommt etwas mehr zu tun.

Möglicherweise hängt mit der Ausweitung der Verbundzustellung auch ein anderes Projekt des Postkonzerns zusammen. Und zwar flexible Zustellbezirke, deren Größe sich täglich je nach Sendungsaufkommen ändert (Paketda berichtete).

Gegenüber der Welt bestreitet die Deutsche Post einen Stellenabbau durch Verbundzustellung. In internen Unterlagen geht der Konzern aber von einigen "personellen Hinderungsgründen" aus, wie z.B. fehlende Führerscheine bei Briefzustellern, die bislang zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Außerdem schreibt die Welt am Sonntag, dass sich der Arbeitsweg von Postmitarbeitern verlängern könnte. Wahrscheinlich werden einige Zustellstützpunkte, die bislang nur für die Briefsortierung genutzt wurden, geschlossen.

Siehe auch: www.br.de | oldenburger-onlinezeitung.de



Fakten zur Verbundzustellung

In einer Zeitschrift für politische Entscheider teilte die Deutsche Post im September 2022 mit, dass "von den rund 55.000 Zustellbezirken in Deutschland bereits 55 Prozent auf die Verbundzustellung umgestellt" sind. 2017 lag der Anteil unter 50 Prozent, und bis 2025 soll er auf 70 Prozent steigen.

Deutschland gibt es insgesamt 118.600 Postmitarbeiter, die in der Zustellung arbeiten. Von ihnen sind 96.100 in der Brief- und Verbundzustellung tätig (81 Prozent). Der Anteil der reinen Paketzusteller beträgt folglich 19 Prozent.

Die Deutsche Post erklärt selbst, dass die Ausweitung der Verbundzustellung ein hohes Maß an Flexibilität von den betroffenen Mitarbeitern verlangt. "Denn notwendige Prozesse und Voraussetzungen für die Brief- und Paketzustellung unterscheiden sich zum Teil doch erheblich." Neue Verbundzusteller erhalten eine mehrwöchige Einarbeitung durch erfahrene Kollegen und Führungskräfte.

Eigenen Angaben zufolge werden an jedem Werktag in Deutschland ca. 49 Millionen Briefe und 6,7 Millionen Pakete durch Deutsche Post DHL zugestellt. Vor fünf Jahren waren es 61 Millionen Briefe und nur 4 Millionen Pakete pro Tag. Bis zum Jahr 2030 werden sich die Mengen weiter verschieben zu Lasten der Briefmengen. Dieser Veränderung des Sendungsmixes begegnet die Post durch eine Ausweitung der Verbundzustellung.



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Pilotversuch: DHL-Zusteller liefern Briefe aus

So berichtete Paketda im Januar 2022

Die Ver.di-Betriebsgruppen Essen / Hagen veröffentlichten im Sommer 2021 eine interessante Meldung zum "Zustellnetz der Zukunft" bei Deutsche Post DHL (Abbildung unten). Aufgrund sinkender Briefmengen soll die Verbundzustellung ausgeweitet werden. Verbundzusteller sind Mitarbeiter, die Briefe und Pakete gemeinsam ausliefern.

Nun will Deutsche Post DHL eine neue Variante unter dem Schlagwort Verbund 3.0 testen. "In einem kleinen abgesteckten Rahmen in der Niederlassung Betrieb Essen" findet ein Pilotversuch statt, bei dem Paketzusteller auch Briefe zustellen. Möglicherweise ist der Test inzwischen wieder beendet, weil die Verdi-Meldung vom Sommer 2021 stammt.

Wahrscheinlich liefern DHL-Zusteller keine Standardbriefe aus, sondern dickere Groß- und Maxibriefe, die nicht in Briefkästen passen.

Quelle: betriebsgruppe-essen-hagen.de


Deutsche Post DHL will Verbundzustellung offenbar ausweiten

So berichtete Paketda im August 2021

Die Gewerkschaft DPVKOM berichtet in ihrem Magazin (Ausgabe 3/2021), dass die Deutsche Post aufgrund des Rückgangs der Briefmengen die Verbundzustellung ausweiten will.

In Regionen mit Verbundzustellung werden Briefe und Pakete durch den gleichen Zusteller ausgeliefert und nicht - wie hauptsächlich in Städten - durch zwei unterschiedliche Zusteller.

DPVKOM berichtet, dass die Deutsche Post AG "die bisher vorwiegend im ländlichen Raum angewendete Verbundzustellung innerhalb der kommenden zwei Jahre nun auch auf urbane Randbereiche sowie Klein- und Mittelstädte ausweiten will." Durch diese Maßnahme können Kosten gesenkt werden, weil pro Haushalt nur ein Stopp notwendig ist und nicht mehr zwei Zusteller vorbeikommen müssen.

Im DPVKOM-Magazin heißt es, die Verbundzustellung werde aktuell in 32.000 von insgesamt 52.000 Briefzustellbezirken angewendet. 17.000 Zusteller/innen seien mit E-Trikes und E-Bikes unterwegs, von denen ein Großteil "nach dem Willen des Unternehmens jetzt bald Pakete zustellen und damit aufs Auto 'umsatteln'" sollen.

Diese Umstellung mache einigen Zustellern Angst, weil die Paketzustellung körperlich anstrengender als die Briefzustellung ist. DPVKOM fordert außerdem, dass die Deutsche Post für "sozial schwache Kolleginnen und Kollegen" ohne Führerschein die Kosten der Führerscheinausbildung übernimmt. Für solche Fälle gebe es einen Sozialfonds.


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