Oben: Udelv Fahrzeug (Foto: Planzer Paket)
Der Schweizer Paketdienst Planzer testet ab 2025 einen selbstfahrenden Lieferwagen von Loxo in Bern. Doch Planzer plant schon die nächste Entwicklungsstufe: 2026 soll ein fahrerloses Transportfahrzeug von Udelv in Dietikon auf die Straße gebracht werden.
Im Jahr 2021 hatte Planzer fünf autonome Lieferwagen bei Udelv bestellt, deren Auslieferung ursprünglich für 2023 vorgesehen war. Allerdings konnte dieser Zeitplan aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, die den gesamten amerikanischen Sektor für autonomes Fahren betreffen, nicht eingehalten werden, wie Planzer gegenüber Paketda erklärte. Die Präsentation ist nun anlässlich der Erlebniswelt Phänomena 2026 (phaenomena.ch) geplant.
Das Udelv-Fahrzeug ähnelt einer mobilen Packstation: Es fährt selbstständig zu den Empfängern, die das entsprechende Fach mit ihrer Lieferung einfach per Smartphone öffnen können. Dieser Ansatz könnte sowohl die Effizienz der letzten Meile verbessern als auch den Paketempfang für Kunden komfortabler gestalten, weil in engen Zeitfenstern geliefert wird.
Das Schweizer Startup Loxo verfolgt ähnliche Pläne wie Udelv, testet in Bern jedoch nur das autonome Fahren. Die Be- und Entladevorgänge müssen noch von Menschen durchgeführt werden.
Auch in Deutschland wird autonome Lieferlogistik entwickelt. Ehemalige DHL-Manager arbeiten zurzeit an einer selbstfahrenden Paketstation namens Smarcel. Sie rechnen mit einem Durchbruch solcher Fahrzeuge in den 30er Jahren.
Technologisch weit entwickelt sind die Mini-Lieferwagen des estnischen Unternehmens Clevon. Diese Fahrzeuge liefern im Baltikum bereits erfolgreich Supermarktbestellungen und Pakete aus. DHL Express zeigte sich nach einem Pilotprojekt im Jahr 2023 zufrieden mit den Ergebnissen (Paketda berichtete). Gemäß gesetzlicher Vorgaben werden die Fahrzeuge von einem Teleoperator überwacht, der bei Problemen eingreift.
Oben: Fahrerlose Clevon-Fahrzeuge in Litauen (Foto: Clevon)
Oben: Prototyp von Loxo (Foto: LOXO)
LOXO: Autonomes Fahrzeug liefert Pakete in Bern
So berichtete Paketda im September 2024
In Bern startet bald ein gemeinsames Pilotprojekt der Planzer Transport AG und des schweizerischen Start-ups LOXO. Zwei Jahre lang wird ein autonomer Lieferwagen Pakete an 14 Orten in der Stadt abliefern.
Der Lieferwagen namens "Mathilde" ist ein VW-ID.-Buzz-Elektrofahrzeug. Die Inbetriebnahme erfolgt vermutlich im Frühjahr 2025, weil dann neue Gesetze in der Schweiz das autonome Fahren ermöglichen. Trotz des selbstfahrenden Lieferwagens wird noch Personal benötigt, nämlich zum Be- und Entladen.
Der Pilotbetrieb erfolgt zur Sicherheit mehrstufig: Anfangs wird ein Fahrer im Fahrzeug sitzen. In Phase zwei sitzt die Person nur noch überwachend auf dem Beifahrersitz. In der dritten Phase sitzt niemand mehr im fernüberwachten Lieferwagen.
Die zuständige Behörde UVEK hat für die erste Testphase grünes Licht gegeben. Verläuft sie gut, kann nach einigen Monaten Phase 2 freigegeben werden. Eigenen Angaben zufolge ist die Software "LOXO Digital Driver" die erste Level-4-Technologie in Europa, die auf öffentlichen Straßen operiert.
Die 67 Kilometer lange Fahrtroute des Elektroautos führt vom Planzer-Standort im Berner Stadtteil Weyermannshaus zu definierten Umschlagspunkten im übrigen Stadtgebiet. Dort werden die Pakete auf kleinere Elektrofahrzeuge umgeladen und von Planzer-Mitarbeitern an Endkunden zugestellt.
Planzer und LOXO planen bereits Weiterentwicklungen, zum Beispiel den Einsatz von Wechselbehältern, um das Konzept auf andere Schweizer Städte auszuweiten.
Quellen: bern.ch | parcelandpostaltechnologyinternational.com | loxo.ch | linkedin.com | Video: baerntoday.ch
Warum heißt das Auto Mathilde?
Der autonome Lieferwagen "Mathilde" wurde nach der Ehefrau von Max Planzer benannt, der 1936 das Transportunternehmen gründete. Von Beginn an arbeitete Mathilde Planzer im Unternehmen mit. Das Foto unten zeigt sie in einem der Lieferwagen. Ohne Wissen oder Zustimmung ihres Mannes hatte Mathilde die Führerscheinprüfung abgelegt. Die Kosten für die Fahrstunden sparte sie heimlich vom Haushaltsgeld ab.
2018 wurde neben dem Speditionsgeschäft auch eine Paketsparte gegründet (Paketda berichtete).