Nicht schon wieder! Große Razzia bei Hermes aufgrund WDR-Recherchen

Schild der Staatsanwaltschaft Köln
Erst im September diesen Jahres geriet Hermes aufgrund einer Razzia in die Schlagzeilen. Damals wurden im Raum Gotha Paketzusteller aus Moldawien, der Ukraine und Weißrussland festgenommen, die mit teilweise gefälschten Papieren für einen Subunternehmer von Hermes arbeiteten (Paketda berichtete). Und jetzt ist genau die gleiche Masche in NRW - u.a. Euskirchen - aufgeflogen. Dort arbeiteten 16 Moldauer mit vermutlich gefälschten Pässen für einen Hermes-Subunternehmer (vgl. justiz.nrw.de).

Es gibt allerdings einen Unterschied zur Razzia in Gotha: Diesmal hat das Prüfsystem für Subunternehmer, das Hermes regelmäßig von SGS TÜV-Saar durchführen lässt, im Vorfeld angeschlagen (Paketda berichtete über das System). Gegenüber dem WDR, dessen verdeckte Recherchen die Razzia auslösten, teilte Hermes mit: "An der mit Hermes kooperierenden Zustellbasis sind uns über die Auditierung in der Tat Unregelmäßigkeiten gemeldet worden. Ein der Aufklärung dienendes Nachaudit ist für den Januar 2018 bereits terminiert." Hermes wolle dies aufgrund der WDR-Recherchen "zeitlich priorisieren".

Die Staatsanwaltschaft ermittelt werden des Verdachts der Hinterziehung von Sozialabgaben, wegen der Nichteinhaltung des Mindestlohns, wegen des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern und wegen Urkundenfälschung (Passfälschung). Wenn das alles der Weihnachtsmann wüsste! Ganz schön viele Einschläge im Kerbholz für 2017.

Besonders brisant sind die Recherchen von WDR-Reporter Dieter Könnes und seinem Team zur Bezahlung der Paketzusteller (hier in der Mediathek). Obwohl die Vorgaben der Hermes-Zentrale eigentlich verbieten, einen Stücklohn pro Paket zu bezahlen, soll dies bei einem Subunternehmer vorgekommen sein. Angeblich wurden 70 Cent pro Paket gezahlt. Teilweise sogar schwarz in bar auf die Hand, um Sozialabgaben zu vermeiden. Siehe auch Bericht bei eurotransport.de.

In einer Stellungnahme auf die Razzia teilte Hermes mit, dass das Subunternehmer-Prüfsystem "nachweislich effizient" sei und "nur mit Hilfe krimineller Energie unterlaufen werden" könne. Außerdem toleriere es Hermes nicht, wenn "Servicepartner gesetzliche Regelungen unterlaufen - egal, ob dies bewusst oder unbewusst geschieht." Falls nötig, werde Hermes rechtliche Schritte einleiten und sich ansonsten erstmal nicht zu weiteren Details äußern. Quelle: newsroom.hermesworld.com.

Update vom Dezember 2017: Hermes hat als Konsequenz verschärfte Subunternehmer-Vorschriften angekündigt. Ausführlicher Bericht hier.


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