Weihnachtsspecial: Ein Zusteller gibt Auskunft


Special zu Weihnachten: Ein Zusteller, der bei DHL arbeitet, gewährt im Interview mit Paketda Einblicke in seine Arbeit. Hier kommen sechs Alltagsfragen und die interessanten Antworten dazu:


Kann man als Zusteller das Livetracking abschalten?

Das geht nicht. Die einzige Möglichkeit, Live-Tracking unmöglich zu machen ist, die MoNa (Mobile Navigation) gar nicht erst mit dem Handscanner zu verbinden. Das soll aber nicht sein. Es wird großen Wert drauf gelegt, jeden Zusteller mit einem MoNa-Gerät rauszuschicken. Aber manchmal gibt es nicht genug Geräte für alle Mitarbeiter. Sind z.B. 100 Zusteller im Einsatz, und es gibt nur 90 MoNA-Geräte, müssen 10 Zusteller ohne Navigation rausfahren. Ich kann aber sagen, dass das Rollout für MoNa gut herangeschritten ist und viele Zusteller damit eingedeckt sind.


Was macht man, wenn nicht alle Pakete in den Lieferwagen passen?

Meistens wird dann gesagt, dass man die entsprechenden Pakete zur Seite legen darf. In der Regel fährt dann ein anderer Kollege, der bspw. im Innendienst tätig ist oder ein Zusatzfahrer, um die Sendungen noch taggleich zuzustellen. Andernfalls bleiben die Sendungen tatsächlich liegen und werden am nächsten Tag ausgeliefert. Das geht meines Wissens nach aber nur bei Sperrgut-Sendungen, weil deren Laufzeiten nicht so knapp bemessen sind und auch mal einen Tag länger brauchen dürfen.


Stichwort Pendelpakete: Fällt es auf, wenn jeden Tag wieder das gleiche Paket als Irrläufer ankommt?

Definitiv, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Erst vor kurzem hatte ich den Fall, dass ein von mir als unzustellbar gescanntes Paket am nächsten Tag wieder auf meinem Band lag - obwohl ich es tags zuvor ordnungsgemäß zurückgeschickt habe. Und das passierte 2 Mal. Da fragt man sich, wieso und weshalb. Aber früher oder später findet jedes Paket seinen korrekten Bestimmungsort. ;-)


Wo werden beschädigte Pakete nachverpackt?

Das kommt auf den Grad der Beschädigung an. Sofern es leichte Beschädigungen sind, die man gut verkleben kann, ohne den Karton wieder in eins zusammen fügen zu müssen, werden Pakete in der Zustellbasis nachverpackt. Sollte man allerdings feststellen, dass zum Beispiel Wein ausgelaufen ist, hilft nur noch die Nachverpackungsstelle im Paketzentrum. Das gilt auch für Pakete, die so sehr beschädigt sind, dass ein Weitertransport ausgeschlossen ist.


Kann man mit den Handscannern Fotos machen, um beschädigte Pakete zu dokumentieren?

Nein, das ist nicht möglich. Die Funktion, mit dem Handscanner Fotos zu machen, ist nur dafür vorgesehen, um z.B. bei VIP-Sendungen die Unterschrift des Kunden inkl. der Sendungsnummer zu fotografieren. Sollte ein Paket beschädigt sein und der Kunde nimmt es unter Vorbehalt an, haben wir als Zusteller nur die Möglichkeit, im Unterschriftenfeld das Wort "beschädigt" + Unterschrift zu vermerken. So weiß die Schadensabteilung direkt bescheid und kann sich eventuelle Rückfragen ersparen.


Wie wird entschieden, wohin Pakete bei Abwesenheit des Empfängers umgeleitet werden?

In der Regel wird auf dem Scanner nur die naheliegendste Filiale angezeigt. Es kann aber auch mal vorkommen, dass man mehrere Filialen zur Auswahl hat. Die Entscheidung, welche Filiale es werden soll, obliegt dem Zusteller selbst. Wichtig dabei ist natürlich, dass der Kunde nicht kilometerweise zur Filiale fahren muss und dass diese geöffnet hat. Die Postbank-Filialen schließen gerne mal "aus betrieblichen Gründen", weshalb einige Kunden verärgert sind, weil sie nicht an ihr Paket kommen.

Deshalb sollen bei unserer Zustellbasis in einigen Postbank-Filialen keine Pakete mehr hinterlegt werden. Uns wird gesagt, dass wir, sofern wir als Zusteller über eine Packstations-Karte verfügen, priorisiert an Packstationen benachrichtigen sollen, da diese immer mehr ausgebaut werden und es für den Kunden ganz klar von Vorteil ist. Keine langen Warteschlangen und man kann rund um die Uhr sein Paket abholen. Und angesichts der Corona-Pandemie meidet man Menschenmengen und Kontakte.



Vielen Dank für das Interview!

Paketda wünscht allen Leser/innen und Zusteller/innen frohe Weihnachten. Nach den letzten Wochen mit extrem hohen Paketmengen sind die Feiertage so verdient wie nie zuvor.


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