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Keine Marktakzeptanz: Deutsche Post beendet »Digitale Kopie« für Briefe

Screenshot Digitale Kopie
Am 24.06.2024 stellt die Deutsche Post einen Service ein, den ohnehin kaum jemand nutzte: die Digitale Kopie. Damit war es möglich, schon vor Zustellung eines Briefes den Inhalt als PDF per E-Mail zu bekommen. "Der Service hat leider nicht mehr die notwendige Marktakzeptanz", so die Deutsche Post.

Die Digitale Kopie stand Nutzern von Web.de und GMX zur Verfügung, und zwar in Verbindung mit der Briefankündigung. Die Briefankündigung zeigt nur das Umschlagfoto ankommender Briefe. Die Digitale Kopie zeigt zusätzlich den Inhalt. Vorausgesetzt, der Absender hat den Briefinhalt bei der Deutschen Post hochgeladen.

Nur Großkunden wie z.B. die Deutsche Bahn, Energieversorger, Banken, Versicherungen konnten versenderseitig die Digitale Kopie nutzen. Obwohl die Deutsche Post als Anreiz 3 Cent Rabatt aufs Porto gewährte (siehe unten), war vielen Firmen der Aufwand zu hoch, ihre Briefe als PDF an die Deutsche Post zu übermitteln.

Negative Folge für Empfänger: Die Digitale Kopie wurde so gut wie nie ausgelöst. Einige Paketda-Nutzer, die sich dafür registriert hatten, zweifelten sogar an der Funktionstüchtigkeit der Digitalen Kopie, weil sie sie nie erhielten.

Die Deutsche Post spricht von einem veränderten Nutzungsverhalten, "insbesondere der Übergang vom PC zum Smartphone als primärem digitalen Empfangskanal", so dass der Mehrwert der Digitalen Kopie gering ist und für viele Versender den "notwendigen Aufwand nicht mehr rechtfertigt".

Als Alternative zur Digitalen Kopie empfiehlt die Deutsche Post ihren Service POSTSCAN. Hierbei wird an die Hausanschrift adressierte Post an ein Scanzentrum umgeleitet, dort geöffnet, digitalisiert und dem Empfänger online zur Verfügung gestellt.





Briefankündigung bleibt bestehen

Die Einstellung der Digitalen Kopie betrifft nicht die Briefankündigung. Laut Deutscher Post nutzen inzwischen fast 4 Millionen Kunden die Briefankündigung (Vorschaubilder ankommender Briefe) in der DHL-App, bei Web.de oder GMX. Die Briefankündigung soll zudem "funktional immer weiter ausgebaut" werden.



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Rückblick: So funktionierte die Digitale Kopie

Im März 2021 startete die Deutsche Post in Kooperation mit GMX und Web.de die "Digitale Kopie". Es handelte sich eine Erweiterung der Briefankündigung, die seit Juli 2020 möglich ist.

Nutzer der Briefankündigung erhalten per E-Mail ein Schwarz-Weiß-Vorschaubild von Briefen, die an sie unterwegs sind. Wird zusätzlich die Digitale Kopie aktiviert, erhält man auch den Inhalt von Briefen per E-Mail zugeschickt.

Die Deutsche Post öffnet keine Briefe. Deshalb funktioniert die Digitale Kopie nur, wenn der Absender den Briefinhalt als PDF an die Deutsche Post übermittelt. Das trifft vor allem auf große Firmen zu, wie Banken, Versicherungen oder Energieversorger. Laut www.dpdhl.com sind zum Start 50 Großversender (z.B. Vodafone, Otto.de) dabei und ca. 10.000 normale Firmenkunden.

Falls ein Absender keine Briefinhalte bereitstellt, funktioniert die Briefankündigung wie bisher: Nur der Umschlag wird im Briefzentrum fotografiert und dem Empfänger vorab per E-Mail zugeschickt.

Vor Jahren hatte die Deutsche Post bereits erfolglos versucht, die Digitale Kopie in Verbindung mit dem E-Postbrief zu vermarkten. In einem Post-Strategiepapier aus 2017, das Paketda vorliegt, schrieb Dr. Ole Nordhoff (damals CEO Post Deutschland):

Um möglichst viele Nutzer für den E-Postbrief zu gewinnen, "sollten wir die E-Postbriefe da zustellen, wo die Menschen bereits digital unterwegs sind, und nicht erwarten, dass sie zu einem neuen digitalen Briefkasten wechseln. Wir müssen also digitale E-Postbriefe auch in Portale / Plattformen / Oberflächen zustellen können, in denen bereits heute (täglich) elektronische Nachrichten gelesen werden. Das können E-Mail-Oberflächen, aber auch soziale Netzwerke oder Shopping-Plattformen sein."

Laut Deutscher Post nutzten im Oktober 2020 ca. 1 Mio. Menschen die Briefankündigung. Laut sueddeutsche.de sind es im März 2021 1,2 Mio. Menschen.




Deutsche Post gewährt Rabatt für digitale Kopie

Im "Sektorgutachten Post", das die Monopolkommission 2019 veröffentlichte (hier als PDF), wurde ein Rabatt in Höhe von 3 Cent erwähnt, den die Deutsche Post einigen Großkunden gewährt. Die Deutsche Post AG erklärte das Rabattsystem gegenüber der Monopolkommission wie folgt:

"Diese Vergütung erhalten sogenannte Reichweitenpartner, d. h. Versender, die pro Quartal selbst oder unter Einbeziehung verbundener Unternehmen mindestens 200.000 Briefe überwiegend als B2C Kommunikation an Empfänger in Deutschland bei der Deutschen Post AG digital einliefern oder einliefern lassen und berechtigt sind, über den Inhalt der in den Sendungen enthaltenen Daten zu verfügen."

Die Deutsche Post will also einen Anreiz dafür schaffen, dass möglichst viele Briefe digital eingeliefert werden, damit die digitale Kopie bei Privatkunden etabliert werden kann. Private Briefdienste halten die Aktion jedoch für einen "verschleierten Rabatt für einen physischen Brief" (vgl. Seite 25 des Gutachtens). Ihre Begründung: Großkunden erhalten auch für solche Briefe 3 Cent Rabatt, die gar nicht als digitale Kopie zugestellt werden. Sind von 200.000 verschickten Briefen beispielsweise 1.000 Empfänger für die digitale Kopie registriert, wird kein Rabatt in Höhe von 30 Euro gewährt sondern in Höhe von 6.000 Euro (0,03 Euro x 200.000).



Wie werden die Briefumschläge und Briefinhalte einander zugeordnet?

Die Digitale Kopie funktioniert nur, wenn der Absender eine Frankierung mit Matrixcode verwendet (sog. DV-Freimachung). In dem Matrixcode ist eine Frankier-ID enthalten, die für jeden Brief individuell und einzigartig ist.

Wird ein Matrixcode im Briefzentrum gescannt, entschlüsselt das System im Hintergrund die Frankier-ID und prüft, ob der Absender dazu Briefinhalte per PDF hochgeladen hat. Trifft das zu, und hat der Empfänger des Briefs den Service "Digitale Kopie" aktiviert, bekommt er den Briefinhalt vorab per E-Mail zugesandt.


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