Deutsche Post beendet Sendungsverfolgung mit RFID-Funketiketten für Wenigversender

Deutsche Post Ländernachweis mit RFID Funkchips
Nach 5 Jahren wird die Deutsche Post das Produkt "Ländernachweis" zum 31.12.2020 einstellen. Das gilt für Kunden, die Ländernachweis-Etiketten im 20er oder 50er Pack gekauft haben. Geschäftskunden mit 500er-Rollen können den Service über das Portal Elektronisches Auftragsmanagement weiterhin nutzen.

Beim Ländernachweis handelt es sich um Etiketten mit integrierten RFID-Chips. Die auf Briefsendungen aufgeklebten Funketiketten lösen beim Ein- und Ausgang in internationalen Postzentren automatisch eine Trackingmeldung aus.

RFID-Scanner in einem Internationalen Postzentrum
In der Praxis hatte die Technologie drei Schwachstellen:

  • Nur in wenigen Ländern verfügbar (hauptsächlich Europa)
  • Nur Statusmeldungen aus internationalen Sortierzentren (weder davor noch danach)
  • Fehleranfällig, so dass häufig gar keine Trackingevents ausgelöst wurden.

Auf der Website des Verbandes International Post Corporation gibt es ein Interview mit Deutsche-Post-Manager Michael Wendeler zu den RFID-Funketiketten. 2019 sagte er, dass RFID-Etiketten auf kleinformatigen Briefsendungen und Postkarten problematisch sind, weil dann die "RFID-Tags [mehrerer Sendungen] nahe beieinander liegen und sich gegenseitig stören. Dies wirkt sich auf die Lesegeschwindigkeit aus und ist ein schwer zu lösendes Problem."

Wendeler erzählte auch von Zukunftsplänen, RFID-Tracking mit einem Zustellnachweis (Empfängerunterschrift o.ä.) zu kombinieren. Daraus wird wahrscheinlich nichts. Die weitestgehende Einstellung des Produktvertriebs hängt wahrscheinlich mit mangelnder Nachfrage zusammen.

Der Kauf eines Ländernachweis-Etiketts war wie Glückslos-Rubbeln im Lottokiosk. Im Voraus konnte man nie wissen, ob die Sendungsverfolgung funktionieren wird oder nicht. Die Versandart Warenpost International mit Tracking dürfte für viele Kunden ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Übrigens nimmt die Deutsche Post Ländernachweis-Etiketten nur originalverpackt zurück. Wer einen 20er oder 50er Pack angebrochen hat, bleibt darauf sitzen.

Wer Ländernachweis-Label übrig hat, kann sie bis 31.12.2020 unter www.deutschepost.de/rfid aktivieren. Der Versand aktivierter Label ist im ersten Halbjahr 2021 noch möglich.


Nachfolgend beispielhaft ein sehr ausführliches Ländernachweis-Tracking bei einer Sendung in die Schweiz (www.post.ch)
Beispiel-Tracking für Ländernachweis in die Schweiz

So berichtete Pakeda 2015

Internationale Sendungsverfolgung mit Funketiketten möglich (RFID-Ländernachweis)

Zur Nachverfolgung internationaler Briefsendungen bietet die Deutsche Post jetzt RFID-Funketiketten an. Sie werden unter dem Namen "Ländernachweis" verkauft.

Jedes Etikett hat eine eigene Sendungsnummer, die aufgedruckt ist und auf dem RFID-Chip gespeichert ist. Passiert ein Brief mit Funkchip eine Scanstelle in einem deutschen oder internationalen Briefzentrum (z.B. IPZ Frankfurt), erscheint ein Eintrag in der Sendungsverfolgung. Bei Sendungen in die USA und die Schweiz wird außerdem der Eingang beim Zoll erfasst. Die Funketiketten werden automatisch gelesen und nicht von Mitarbeitern eingescannt.

Die Funketiketten funktionieren nur für Briefsendungen und Warenpost International. Paketsendungen sind nicht verfolgbar, weil die RFID-Scanner nur in Briefzentren eingebaut sind.

Außerdem gewährleistet der Ländernachweis keine Zustellquittung. Die Übergabe an den Empfänger ist nicht belegbar. Das Tracking endet mit dem Verlassen des Internationalen Postzentrums im Zielland. Im Verlustfall einer Ländernachweis-Sendung gibt es keinen Schadenersatz.

Trotz dieser Nachteile ist der Ländernachweis der Deutschen Post eine sinnvolle, weil kostengünstige Zusatzleistung. Die Funketiketten eignen sich zum Tracking geringwertiger Sendungen, bei denen wenige Statusmeldungen über den Transportfortschritt ausreichend sind.

Die Deutsche Post hat insbesondere gewerbliche Warenversender als Zielgruppe ausgemacht, die ihren Kunden eine bessere Nachverfolgbarkeit der Lieferung bieten wollen. Denn internationale Sendungen brauchen manchmal etwas länger. Der Ländernachweis reduziert die Ungewissheit während des Transports, weil nachverfolgbar ist, wo die Sendung zuletzt gescannt wurde. Dies bietet Versendern und Empfängern eine bessere Möglichkeit, abzuschätzen, ob die Sendung planmäßig unterwegs ist.

In der Shop der Deutschen Post sind 20 RFID-Etiketten für zurzeit 19 Euro erhältlich (entspricht 0,95 Euro pro Stück). Es gibt auch 50er Packs für 45 Euro (entspricht 0,90 Euro pro Stück).

Jedes RFID-Funketikett muss vor dem Versand unter www.deutschepost.de/rfid aktiviert werden. Anschließend kann die Sendung regulär frankiert per Filiale oder Briefkasten verschickt werden. Einen Einlieferungsbeleg gibt es für Briefe mit Ländernachweis nicht.

In folgenden Ländern funktioniert das RFID-Tracking per Ländernachweis (Stand 2/2020):

Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien, Ungarn. Außerdem in den Nicht-EU-Ländern Schweiz und USA.

Die Infografik der Deutschen Post veranschaulicht die Funktionsweise des Ländernachweises:

Infografik zum RFID Funketikett mit Ländernachweis

Die Paketda-Redaktion hat in Selbstversuchen die Erfahrung gemacht, dass der Ländernachweis häufig nicht funktioniert. Die Etiketten lösen entweder überhaupt keinen Eintrag in der Sendungsverfolgung aus, oder es erscheint nur eine einzige Statusmeldung auf dem ganzen Transportweg (z.B. die Bearbeitung im IPZ Frankfurt).


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