Die Deutsche Post hat am 18. März 2025 feierlich die Eröffnung ihres neuen Briefzentrums in Germering bei München bekannt gegeben. Dabei ist die eigentliche Überraschung nicht das moderne Gebäude oder die leistungsfähige Technik, sondern die Tatsache, dass das Sortierzentrum schon seit Monaten in Betrieb ist.
Im Mai 2024 begann der Umzug aus dem alten Briefzentrum Starnberg (PLZ-Bereich 82), im Herbst 2024 folgte das Münchner Briefzentrum (PLZ-Bereiche 80, 81). Seitdem werden in Germering täglich bis zu zwei Millionen Sendungen verarbeitet. Darunter auch ca. 33.000 warentragende Sendungen, die mit zwei separaten Multiformatsortern bearbeitet werden.
Germering ist das einzige Briefzentrum, das für drei Leitbereiche (80,81,82) zuständig ist. Und nach Angaben der Deutschen Post ist es gemessen am Maschinenpark das größte Briefzentrum Deutschlands.
Warum erst jetzt die große Eröffnungszeremonie, obwohl der Betrieb schon seit gut sechs Monaten läuft? Offiziell spricht die Deutsche Post von einem "letzten Meilenstein, der mit der heutigen "offiziellen Inbetriebnahme" erreicht sei. Faktisch wurde das Briefzentrum Germering aber seit Herbst 2024 genutzt, weil damals die alten Standorte in München und Starnberg nach und nach geräumt wurden. Der Umzug fand während des laufenden Betriebs statt.
Dass es in Germering ein großes Briefzentrum geben würde, war nicht immer unumstritten. 2020 sammelten Bürger Unterschriften gegen das Bauprojekt, unterlagen aber letztlich einem Stadtratsbeschluss. Heute zeigt sich Germerings Oberbürgermeister Andreas Haas versöhnlich: "Wir freuen uns, dass die Deutsche Post nun bei uns in Germering ihr Zuhause gefunden hat und wünschen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie sich an ihrem neuen Standort wohlfühlen. Herzlich willkommen!" Aufgrund der Bürgerkritik hat das Briefzentrum graue Außenwände, anstatt wie andernorts gelbe.
Für die Deutsche Post ist der Neubau auch ein politisches Signal. Konzernvorständin Nikola Hagleitner betonte, dass man trotz sinkender Briefmengen und steigender Kosten weiter in Deutschland investiere - mit der Erwartung, dass die Politik ihrerseits für wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen sorgt.
So lief der Mega-Umzug
Wie tz.de berichtete, erfolgte im September 2024 die Schließung des Briefzentrums München (Bereich 80, 81). Von Mai bis Juli war bereits der PLZ-Bereich 82 nach Germering verlagert worden (Quelle).
Die mehr als 60 Sortieranlagen und Maschinen mussten in den alten Briefzentren nacheinander abgebaut und am neuen Standort in Germering wieder aufgebaut werden. Es war nicht möglich, alle Maschinen gleichzeitig abzubauen, da dies die Briefbearbeitung in München und Starnberg komplett lahmgelegt hätte. Allein die Großbriefsortieranlage benötigt für den Ab- und Wiederaufbau jeweils 16 bis 20 Wochen, wie sueddeutsche.de berichtet.
Für das denkmalgeschützte Areal der Posthalle in der Arnulfstraße in München gibt es seit Jahren wechselnde Pläne. Angedacht ist die Entwicklung eines Wohn- und Geschäftsviertels, wobei die historische Posthalle für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.
2.500 Einwohner aus Germering sind gegen neues Briefzentrum
So berichtete Paketda im September 2020
Der Neubau eines Briefzentrums in Germering entwickelt sich zu einer zähen Angelegenheit. Die neueste Aktion ist eine Unterschriftensammlung von Bürgern, die den Bau des Briefzentrums verhindern wollen (siehe merkur.de). Die Kritiker haben dafür mehr als 2.500 Unterschriften gesammelt und bemängeln, dass der Verkehr im Ort zunehmen wird, das Briefzentrum keinen signifikanten Nutzen habe und viel Bauland verbrauche.
Im Januar 2020 hatte sich der Stadtrat Germerings "mit deutlicher Mehrheit" für den Bau des Briefzentrums ausgesprochen. Deshalb ist zu erwarten, dass der Stadtrat das gestartete Bürgerbegehren letztendlich ablehnen wird. Sind die gesammelten Unterschriften gültig, muss es aber in jedem Fall eine erneute Abstimmung im Stadtrat geben.
Die Deutsche Post hat sich aufgrund der Verzögerungen entschieden, die Briefzentren in Starnberg und München länger zu betreiben als geplant. Eigentlich sollte der Neubau in Germering Ende 2021 oder Anfang 2022 fertig werden.
Nachtrag vom Dezember 2021: Die Bürgereinwände waren erfolglos. Der erste Spatenstich ist nun erfolgt. Laut Abendzeitung soll das Briefzentrum Germering Ende 2023 in Betrieb gehen.
Deutsche Post will zwei Briefzentren ersetzen
So berichtete Pakete im September 2018
Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf ein internes Schreiben der Deutschen Post, dass die Briefzentren in Schorn und in der Münchener Arnulfstraße verkauft wurden. Käufer ist die Unternehmensgruppe Büschl. Es handelt sich um ein Immobilienunternehmen, das Wohn- und Gewerbeobjekte plant und baut.
Auf dem Gelände in Arnulfstraße will Büschl ein neues Stadtteilzentrum errichten. Die bogenförmige, denkmalgeschützte Posthalle wird in das neue Konzept eingebunden. Ab dem Jahr 2021 sollen dort Wohnungen, Gewerbeflächen sowie "Einrichtungen für jung und alt" entstehen, sagte Unternehmenschef Ralf Büschl zur Zeitung tz. Die Zeitung spekuliert über die Ansiedlung von Ikea oder einer Konzerthalle.
Laut Süddeutscher Zeitung (SZ) wird das 100.000 Quadratmeter große Grundstück in der Arnulfstraße auf einen Marktwert im dreistelligen Millionenbereich geschätzt. Das Geld verwendet die Post für ein neues Briefzentrum außerhalb von München.
Die SZ zitiert aus einem internen Post-Rundschreiben, dass die Verhandlungen für ein Ersatzgrundstück "bereits sehr weit fortgeschritten" seien. In dem neuen Briefzentrum werden künftig alle Sendungen der PLZ-Regionen 80, 81 und 82 bearbeitet. Für 80/81 ist bis Ende 2020 weiterhin das Briefzentrum München-Arnulfstraße zuständig. Die PLZ-Region 82 wird bislang noch vom Briefzentrum Schorn bei Starnberg abgedeckt. Auch dieser Standort wurde an die Unternehmensgruppe Büschl verkauft.
Quellen: tz.de | sueddeutsche.de | merkur.de