Sortier- und Fördertechnik in Paketzentren

Wenn Sie regelmäßig die Sendungsverfolgung eines Paketdienstes verwenden, wissen Sie, dass ein Paket i.d.R. mehrere Niederlassungen durchläuft. An jedem Standort wird es erneut sortiert und für den Weitertransport mit Paketen aus anderen Niederlassungen gebündelt. Dadurch erreichen Paketdienste eine hohe Ausnutzung der LKW-Ladeflächen, allerdings steigt mit jedem Sortiervorgang auch die Transportdauer und die Gefahr von Fehlleitungen. Deshalb werden an die technischen Einrichtungen in einem Paketdepot besonders hohe Anforderungen gestellt, sowohl hinsichtlich Genauigkeit als auch Belastbarkeit. Paketda zeigt Ihnen hier die verschiedenen Förder- und Sortiertechniken, die in einem Paketdepot zum Einsatz kommen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie ein Paketzentrum aufgebaut ist
  2. Infografik zum Paketzentrum
  3. Entladung der Pakete
  4. Eingangssortierung
  5. Kippschalensorter
  6. Cross-Belt-Sorter
  7. Schuhsorter
  8. Sortiertechniken im Zusammenspiel
  9. Schuhsorter
  10. Sortiertechniken im Zusammenspiel

Wie ein Paketzentrum aufgebaut ist

Jeder Paketdienst hat seine eigene, bevorzugte Bauweise für Paketzentren. Bei DHL haben die Frachtzentrum z.B. (fast) alle einen U-förmigen Grundriss. Auf der linken und rechten Seite des U-Schenkels befinden sich die Sortieranlagen. Je nach Zielregion eines Pakets wird es an dem jeweiligen Ausgangstor vom Förderband gekippt und in einen LKW verladen. Pakete, die nicht im Fernverkehr transportiert werden müssen sondern deren Zustellgebiet in der Region des Paketzentrums liegen, werden gesondert über Nahendstellen ausgeschleust. Die Infografik (zur Verfügung gestellt von DHL) vermittelt einen guten Überblick von den Abläufen in einem Paketdepot.

Infografik in einem neuen Fenster als Vollbild ansehen

Infografik zum Paketzentrum

Diese Stationen durchläuft ein Paket bei DHL (vergleichen Sie die Nummern mit der Infografik)

Schritt 1)

An der Unterseite des U-förmigen Paketzentrums erfolgt die Paketanlieferung. Die Zusteller entladen ihre Fahrzeuge meist mit Teleskopbändern, die ausziehbar sind und an die Tür des Fahrzeugs angedockt werden. Erfolgt die Anlieferung mittels Fernverkehrs-LKW, sind die Pakete in Collis gepackt, die zur Entladung von der Ladefläche gerollt werden.

Schritte 2) + 3)

Nach dem Entladen gelangt jedes Paket in die Eingangserfassung, so dass z.B. in der Online-Sendungsverfolgung der aktuelle Aufenthaltsort des Pakets erkennbar wird. Pakete, die noch keinen Leitcode haben, werden anhand ihrer Empfängeradresse automatisch leitcodiert (= ein Barcode-Label mit verschlüsselter Empfängeradresse wird erzeugt). Falls eine Anschrift nicht computerlesbar ist, wird das Adressetikett in Sekundenschnelle automatisch abfotografiert im Verwaltungstrakt des Paketzentrums einer Videocodierkraft vorgelegt. Mehrere Mitarbeiter sind ständig damit beschäftigt, unlesbare Adressen zu entziffern. Tipp für Paketkunden: Im Sinne einer schnellen Paketabfertigung sollten Sie idealerweise Online-Paketscheine verwenden oder in Blockbuchstaben schreiben.

Schritt 4)

Anschließend erfolgt die Paketsortierung anhand der Zielregion. Dafür durchläuft ein Paket das Sortierzentrum auf Förderbändern solange, bis es sein Ausgangstor erreicht hat (Für jede PLZ-Leitregion gibt es ein eigenes Tor). Das System erkennt automatisch den richtigen "Absprungzeitpunkt" und schubst das Paket vor dem Tor vom Förderband. Über eine Rutsche gelangt das Paket dann in Richtung Verladetor. Zu den Sortiertechniken finden Sie unten auf dieser Seite nähere Informationen.

Schritte 5) + 6)

Nachdem die Pakete am richtigen Ausgangstor gelandet sind, müssen sie erneut zum Weitertransport verladen werden. Das Verstauen auf Rollcontainer bzw. in den Zustellfahrzeugen erfolgt in Handarbeit. Innerhalb Deutschlands werden Pakete in aller Regel per LKW auf der Straße befördert. Auf wenigen, einzelnen Strecken werden auch Bahntransporte eingesetzt.


3D-Grafik DHL Frachtzentrum 3D-Modell eines DHL-Frachtzentrums

↑ zum Inhaltsverzeichnis


Entladung der Pakete

Die Anlieferung von Sendungen im Paketzentren kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Im innerdeutschen Fernverkehr werden LKW eingesetzt, um große Sendungsmengen zu transportieren. Die Pakete können innerhalb des LKW auf Rollcontainer verladen sein, so dass man die Container zum Entladen einfach aus dem LKW herausschieben kann. Viele Paketdienste verzichten jedoch darauf und stapeln die Pakete direkt in den Laderaum des LKW. Zum Entladen wird dann ein Teleskopgurtförderer in den Laderaum des LKW geschoben, auf die ein Mitarbeiter die Pakete ablegt. Die Teleskopbänder sind ausziehbar (daher der Name), elektrisch betrieben und fördern die Pakete zu den Eingangssortern.

Im Nahverkehr erfolgt die Anlieferung von Paketen mit kleineren Transportern (z.B. Mercedes Sprinter). Das zu entladene Paketvolumen ist eher gering, es handelt sich zumeist um Retourenpakete, die ein Zusteller im Laufe des Tages bei Kunden abgeholt hat. Transporter werden nicht mit Teleskopgurtförderern entladen, weil ihr Laderaum dafür zu klein ist. Vielmehr werden Teleskop-Rollenförderer eingesetzt (vgl. Bild rechts), die nah an die Entladetür des Transporters geschoben werden. Es handelt sich hierbei um ausziehbare Förderbänder, die rein mechanisch (ohne Strom) funktionieren. Das Paket wird auf dem Rollenförderband abgelegt und gleitet auf dem geneigten Förderband selbst in Richtung Eingangssorter.

↑ zum Inhaltsverzeichnis


Eingangssortierung

Wenn der Entladevorgang bewältigt ist, läuft die restliche Sortierung im besten Falle vollautomatisch ab. Die Pakete gelangen vom Teleskopförderer zunächst in die Eingangserfassung, wo das Adressetikett gescannt wird, um die Zielregion zu bestimmen. Anschließend wird das Paket einem sog. Sorter zugeführt. Anhand des ermittelten Ziel-Paketzentrums wird das Paket vom Sorter an ein bestimmtes Ausgangstor weitergeleitet. Und zwar genau an jenes Tor, von welchem ein LKW in die Zielregion abfährt. DHL betreibt z.B. 33 Paketzentren, deshalb hat jedes DHL-Paketzentrum mind. 32 Verladetore.

Je nach Größe und Sperrigkeit eines Pakets ist evtl. auch eine manuelle Sortierung notwendig, weil automatische Sorter lediglich mit Standardmaßen zurechtkommen. Übergroße Pakete werden deshalb aus dem automatischen Sortierprozess ausgeschleust und von einem Mitarbeiter händisch zum entsprechenden Verladetor gebracht.

Kippschalensorter

Wie es der Name schon vermuten lässt, besteht eine Kippenschalen-Sortieranlage aus kippenden Schalen. Die Pakete werden auf einem schnell laufenden Förderband transportiert und stehen in einer Holz-, Kunststoff- oder Metallschale. Die Schalen sind entweder rundherum oder zumindest zu einer Seite geöffnet. Sie werden automatisch schräg angehoben, sobald das Paket am zugehörigen Ausgangstor angelangt ist. Das Paket gleitet vom Förderband über eine Rutsche hinunter zum Ausgangstor. Dort nimmt ein Mitarbeiter das Paket in Empfang und stapelt es in den LKW oder auf einen Rollcontainer.

Betrieb eines Kippschalensorters im Video


↑ zum Inhaltsverzeichnis


Cross-Belt-Sorter

Der Name dieser Sortieranlage lautet auf Deutsch "Querbandsortierer". Es handelt sich um ein Gurtförderbandsystem, das aus einer Hauptlinie besteht, an die mehrere Nebenförderbänder angeschlossen sind. Das Besondere ist, dass der Cross-Belt-Sorter nicht aus einem durchgehenden Förderband besteht sondern aus mehreren Fördersegmenten, die einzeln ansteuerbar sind. Vereinfacht gesagt sind es viele einzelne Gurtförderbänder (von jeweils ca. 1 Meter Länge), die hintereinander gereiht werden. Jedes Paket wird exakt in der Mitte eines solchen Moduls platziert. Sobald das Paket am Ausschleusepunkt (Abgangstor) angekommen ist, setzt sich das entsprechende Modul des Cross-Belt-Sorters in Bewegung und schiebt das Paket vom Band herunter. Im Video wird deutlich, wie diese Technik funktioniert.

↑ zum Inhaltsverzeichnis


Schuhsorter

Ein Schuhsorter sortiert nicht nur Pakete von Zalando, sondern trägt seinen Namen aufgrund der auf einem Förderband angebrachten "Schuhe". Damit werden bewegliche Elemente bezeichnet, die an den Seiten des Förderbands mitlaufen. Sobald ein Paket das Förderband verlassen soll, schiebt ein Gestänge unterhalb des Förderbands die Schuhe auf die gegenüberliegende Seite. Die Schuhe drücken das Paket somit vom Band herunter, z.B. auf ein anderes Förderband oder auf eine Rutsche. Wie im Video zu sehen ist, werden zum Abschieben eines Pakets genau soviele Elemente in Bewegung gesetzt, wie für die Größe des Pakets nötig sind.

↑ zum Inhaltsverzeichnis


Sortiertechniken im Zusammenspiel

In dieser 3D-Animation des niederländischen Herstellers Vanderlande sehen Sie mehrere der zuvor vorgestellten Sortier- und Fördertechniken bei DPD im Einsatz. Vanderlande hat das DPD-Depot in Veenendaal (Niederlande) ausgerüstet und dabei z.B. Teleskopförderbänder und Cross-Belt-Sorter verwendet. In Deutschland kommt Vanderlande-Sortiertechnik zum Beispiel im Hermes-HUB in Ohrdruf zum Einsatz.



Verladung und Weitertransport

Nachdem alle Pakete die Sortierung durchlaufen haben und an ihren entsprechenden Ausgangstoren angelangt sind, werden sie auf LKW verladen und in die Zielregion transportiert. Das Verladen erfolgt mit den gleichen Techniken, die oben beim Entladevorgang geschildert wurden. Übrigens: Der eigentliche Sortiervorgang geschieht in weniger als 1 Sekunde. Moderne Sorter benötigen etwa 500 Millisekunden, um ein Paket dem richtigen Ziel zuzuweisen. Bis ein Paket vom Eingangstor ans Ausgangstor gelangt ist, vergehen hingegen etwa 15-20 Minuten. Das liegt an den Förderstrecken innerhalb eines Paketzentrums, die mehrere Kilometer lang sind. Solch lange Strecken werden benötigt, um ein hohes Paketvolumen bewältigen zu können.

Im Volllastbetrieb können in einem durchschnittlichen Paketzentrum mehr als 20.000 Pakete pro Stunde bearbeitet werden. Das DHL-Paketzentrum Obertshausen ist sogar für 50.000 Stück ausgelegt. Schnelle Durchlaufzeiten sind wichtig, damit die LKW-Fahrpläne eingehalten werden können. Es gibt festgelegte Zeiten (sog. Cut-off), zu denen LKWs von einem Paketzentrum abfahren müssen, um rechtzeitig beim Ziel-Paketzentrum anzukommen. Alle Pakete, die bis zur Cut-off-Zeit nicht am Verladetor angekommen sind, werden erst mit der darauffolgenden Fahrt weitertransportiert; i.d.R. erst in der folgenden Nacht. Je später ein Paket in einer Postfiliale eingeliefert wird, und je größer die Entfernung zum Empfänger ist, desto höher ist das Risiko, dass kein taggleicher Weitertransport mehr erfolgt.

↑ zum Inhaltsverzeichnis