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Längere Brieflaufzeiten: Private Briefdienste könnten profitieren


Durch das neue Postgesetz darf die Deutsche Post Briefe künftig langsamer transportieren (3-4 Tage). Das könnte die Wettbewerbsposition privater Briefdienste bei Kleinversendern und Privatkunden verbessern, so Branchenexperten des WIK-Instituts.

Bislang fällt es Wettbewerbern schwer, überregional vergleichbare Lieferzeiten wie die Deutsche Post anzubieten. Verlangsamt die Deutsche Post hingegen ihre Lieferzeit, gleichen sich die Qualitäten der Deutschen Post und privater Briefdienste an.

Das WIK-Institut sieht darüber hinaus Spielraum für Preiserhöhungen bei privaten Briefdiensten, weil die Deutsche Post das Porto am 1.1.2025 nahezu sicher anheben wird. Private Briefdienste könnten mitziehen, ihr Porto ebenfalls erhöhen und dennoch preiswerter bleiben als die Deutsche Post.

Außerdem könnte die Deutsche Post gegen Aufpreis einen schnellen Brieftarif mit 1-2 Tagen Lieferzeit anbieten. Private Briefdienste sind innerhalb ihrer eigenen Versorgungsgebiete fähig, Briefe ohne Aufpreis am nächsten Tag zuzustellen.

Die genannten Vorteile sollte man allerdings nicht überbewerten, weil private Briefdienste laut WIK "allein mit den Mengen der Kleinversender nicht wirtschaftlich arbeiten" können. Besonders wichtig sind Großkunden mit hohen Versandmengen. Ihnen gegenüber wird die Deutsche Post AG vermutlich "zunächst an ihrer aktuellen Qualitätsstrategie festhalten" und Entgelte niedrig halten, um den Spielraum von Wettbewerbern zu begrenzen.

Sollte es zu Marktaustritten privater Briefdienste und weniger Wettbewerb kommen (Remonopolisierung), erwarten die WIK-Experten bei der Deutschen Post eine Strategieänderung "in Richtung Qualitätsverschlechterung und steigender Preise".

Quelle: www.wik.org



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Interessantes über private Briefdienste

So berichtete Paketda im März 2022

Das Beratungs- und Forschungsunternehmen WIK gab im Dezember 2021 eine interessante Studie heraus über private Briefdienste (www.wik.org). Darin finden sich einige Aussagen und Zahlen, die sonst noch nirgendwo veröffentlicht wurden.


PIN Mail & Amazon

In Berlin liefert PIN Mail briefkastengängige Warensendungen für Amazon aus. Das Volumen beträgt durchschnittlich 25.000 Sendungen pro Tag. Weil Amazon ab 2022 eine Zustellbestätigung verlangt, plant PIN Mail die "Einführung mobiler Scanner für alle Zustellpartner. Scans der Zustellung werden innerhalb von zwei Stunden als Batch-Datei an Amazon übertragen."

Zur Senkung des Diebstahlrisikos tragen PIN-Zusteller Warensendungen in Rucksäcken am Körper. Bei steigenden Mengen werden ggf. abschließbare Behälter angeschafft. (Seite 4 der Studie)



Scanner sind teuer

Nicht alle privaten Briefdienste, die dem Netzwerk Mail Alliance angehören, können Zustellnachweise anbieten, weil die mobilen Geräte teuer sind.

In der Studie heißt es: "Aufgrund hoher Kosten für die Ausstattung von Zustellern mit geeigneten Scannern und der dafür notwendigen Software ist ein Zustellnachweis für alternative Briefdienste preislich nicht darstellbar. Daher liegt der Kundenfokus der mail alliance auf sehr kostenbewussten Kunden aus Asien, die üblicherweise Waren von sehr geringem Wert an deutsche Onlinekäufer verschicken." (Seiten 13 und 14)



30% Mengenrückgang aus China

Die Mail Alliance liefert pro Monat ca. 500.000 Warensendungen im Auftrag eines chinesisches Fulfillment-Anbieters aus. Das Durchschnittsgewicht einer Sendung beträgt nur 42 Gramm.

Vielerorts war schon zu hören, dass seit Sommer 2021 weniger Chinasendungen nach Deutschland kommen (Paketda berichtete). Die Mail Alliance beziffert den Rückgang auf ca. 30 Prozent (Seite 13).



Gerücht: DPD kooperiert mit privaten Briefdiensten

Die WIK GmbH will in Hintergrundgesprächen mit Marktexperten erfahren haben, dass DPD in einigen Regionen mit privaten Briefdiensten kooperiert. Die Briefdienste agieren dabei wohl wie ein DPD-Subunternehmer und erledigen die Zustellung auf der letzten Meile.

So eine Kooperation besteht seit 2019 auch zwischen Hermes und Nordkurier Logistik in Mecklenburg-Vorpommern (vgl. newsroom.hermesworld.com).



Amazon-Eigenzustellung in Mecklenburg-Vorpommern

Im September 2021 hat Amazon offenbar damit begonnen, die Zustellung in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns an eigene Subunternehmer zu vergeben. Dadurch sind die Mengen, die Hermes an Nordkurier übergibt, um 20% zurückgegangen.

Die Autoren der Studie schreiben, dass dadurch die "Wettbewerbsposition der Nordkurier im Vergleich zu reinen Paketzustell-Subunternehmen tendenziell gestärkt" wurde. Weil Nordkurier Briefe und Pakete im Verbund ausliefert, steigen die Durchschnittskosten nicht so stark an wie bei reinen Paketzustellern (Seite 11).


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