40% weniger Chinapakete bei Hermes

Dennis Kollmann, Hermes Germany
Im Dezember 2021 wurde bekannt, dass die Sendungsmengen aus China in die EU stark rückläufig sind. Branchenexperte Walter Trezek schätzte die Einbußen im Netzwerk des Weltpostvereins auf 20 bis 30 Prozent (siehe weiter unten).

Eine mögliche Ursache des Mengenrückgangs in den Netzen staatlicher Postgesellschaften hätte sein können, dass Chinashops häufiger mit privaten Dienstleistern versenden. Doch diese These scheint nicht haltbar. Dennis Kollmann, Mitglied der Geschäftsführung von Hermes Germany, blickt im hauseigenen Hermes-Podcast auf 2021 zurück:

"Hohe Frachtraten im See und Luftverkehr: Das hat neben neuen Zollbestimmungen den Import von günstigen Waren aus China um fast 40% einbrechen lassen. Und das macht bei uns schon 7 bis 8 Prozent des Volumens aus. Wenn das auf einmal um 40 Prozent einbricht, hatten wir in der Form nicht erwartet, hat das natürlich einen Effekt.

Es ist auch kein rein deutsches Phänomen. [...] Den Kollegen in UK, in den Staaten geht es ganz genauso. [...] Ich persönlich finde das aus Nachhaltigkeitsaspekten begrüßenswert. Ich kriege immer Zuckungen, wenn meine Tochter zwei Haarklammern direkt aus China bestellt und das per Direct Ship für 2,50 Euro hierhin kommt."



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Chinaimporte via UPU-Netz in die EU rückläufig

So berichtete Paketda im Dezember 2021

Branchenexperte Walter Trezek hat bei Linkedin.com Daten der EU-Kommission veröffentlicht, die die Auswirkungen des IOSS-Verfahrens beschreiben. Mit IOSS haben z.B. chinesische Onlineshops die Möglichkeit, von deutschen Kunden im Voraus die Mehrwertsteuer zu kassieren, so dass bei Lieferung keine Einfuhrabgaben bezahlt werden müssen.

Laut den von Walter Trezek veröffentlichten Zahlen wurden per IOSS-Verfahren bislang ca. 2 Milliarden Euro Steuern eingenommen. Die Importe in die EU sollen allerdings drastisch zurückgegangen sein. Trezek sagt, es gebe keine verlässlichen Zahlen, er schätzt den Rückgang aber auf insgesamt 40%. Importe aus China seien um ca. 20-30% gesunken.

Diese Zahlen beziehen sich nur auf das Netzwerk des Weltpostvereins, also beispielsweise den Versand mit Chinapost und die Zustellung durch Deutsche Post DHL. Nicht erfasst sind Transporte durch private Spediteure (Cainiao, 4PX, Orange Connex, Speedpak, Asendia, etc.). Diese Spediteure erledigen EU-Importe i.d.R. inklusive Zollabfertigung, so dass Bestellungen anschließend als inländische Sendungen an Hermes, DPD, DHL, Deutsche Post oder private Briefdienste übergeben werden.

Abschließend schreibt Trezek, dass die EU-Kommission das Problem der Doppelbesteuerung erkannt hat. Weil das IOSS-Verfahren nicht immer reibungslos funktioniert, müssen Kunden bei Lieferung manchmal erneut Einfuhrabgben bezahlen.




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