Weltpostverein: Noch kein Beschluss zur Öffnung für private Postgesellschaften


Alle vier Jahre findet ein Weltpostkongress statt, auf dem Vertreter der 192 Mitgliedsländer die internationale Zusammenarbeit besprechen. Noch bis zum 27. August 2021 läuft der aktuelle Weltpostkongress in Abidjan (Elfenbeinküste).

Eigentlich sollte bei dieser Gelegenheit festgelegt werden, ob und wie sich der Weltpostverein für private Postgesellschaften öffnet. Bislang sind nur (teil-) staatliche Postgesellschaften im Weltpostverein vertreten, wie z.B. die Deutsche Post, Royal Mail, Poste Italiane, etc. Private Post- und Paketdienste wie UPS, FedEx, Amazon und China-Logistiker sind nicht vertreten, obwohl deren Sendungsmengen zusammengenommen größer sind als die Mengen der staatlichen Posten.

In einer Pressemitteilung teilt der Weltpostverein (UPU) nun mit, dass eine Taskforce "eine Reihe von Empfehlungen abgeben wird, die darauf abzielen, nach Wegen zu suchen, um das seit über zwei Jahrzehnten diskutierte [Öffnungs-] Ziel am besten zu erreichen."

Das klingt nach Wischiwaschi. Offenbar konnten sich die Länder auf nichts Handfestes einigen. Die "Taskforce" schlägt deshalb einen weiteren, außerordentlichen Weltpostkongress vor. Es sollen nicht erneut 4 Jahre ins Land gehen, um konkrete Öffnungsschritte zu beschließen.

Außerordentliche Kongresse sind beim Weltpostverein eine Seltenheit, die bislang erst drei Mal vorkam. 1900, 2018 und 2019. Beim letzten Mal ging es darum, einen Austritt der USA aufgrund zu günstigen Chinaportos zu verhindern (Paketda berichtete).


So berichtete Paketda im Mai 2021:

Im jetzt veröffentlichten Jahresbericht der Bundesnetzagentur (PDF) ist vermerkt, dass die Öffnung des Weltpostvereins vor allem finanzielle Gründe hat. Auf Seite 141 des Berichts heißt es: "Mit der Integration anderer Unternehmen/Organisationen in die Prozesse des Weltpostvereins (WPV), die ebenfalls Interessen im Postsektor vertreten, verbindet sich die Hoffnung, zusätzliche Mittel zu generieren, um den Fortbestand des WPV und damit den eines weltweit einheitlichen Postgebiets zu gewährleisten."

Im August 2021 findet der nächste Kongress des Weltpostvereins statt. Dort entscheiden die Mitglieder über weitere Öffnungsschritte. Die Bundesnetzagentur hat eigenen Angaben zufolge an einem Vorschlag zur Öffnung des WPV mitgearbeitet.


So berichtete Paketda im Februar 2021:

Öffnung des Weltpostvereins für fremde Postfirmen kommt voran

Der Interessenverband europäischer Postunternehmen, PostEurop, kann sich eine Öffnung des Weltpostvereins für Dritte grundsätzlich vorstellen. Im Februar 2020 vertrat der Verband noch einen skeptischeren Standpunkt bezüglich der Einbeziehung privater Logistikunternehmen in den Weltpostverein (Paketda berichtete).

Der Chef des Weltpostvereins, Bishar A. Hussein, ist ein großer Befürworter der Öffnung des Weltpostvereins. Er wünscht sich, dass Logistiker wie z.B. DHL, UPS, Amazon oder Alibaba via Weltpostverein enger mit den lokalen, (teil-) staatlichen Postgesellschaften zusammenarbeiten können (siehe Bericht vom Oktober 2019 unten).

PostEurop hat nun eine Taskforce gebildet, um die Öffnung des Weltpostvereins zu begleiten. Vorgeschlagen wird ein 3-Stufen-Modell (siehe posteurop.org):

In Phase 1 werden Produkte und Dienstleistungen identifiziert, die für fremde Logistiker geöffnet werden könnten. Für jede Kategorie werden Risiken und Nutzen abgewogen, die eine Öffnung mit sich brächte.

In Phase 2 wird die Öffnung der identifizierten Produkte und Dienstleistungen in kleinem Umfang getestet. Dadurch sollen u.a. mögliche unerwünschte Auswirkungen auf andere Dienste oder Partner ermittelt werden.

In Phase 3 werden erfolgreich erprobte Produkte und Dienstleistungen des Weltpostvereins zu festgelegten Bedingungen dem gesamten Postsektor zugänglich gemacht.


So berichtete Paketda im Oktober 2019

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Chef des Weltpostvereins: Private Anbieter könnten Zugang erhalten

Der Direktor des Weltpostvereins, Bishar A. Hussein, hat dem Postalhub-Podcast ein Interview gegeben (www.thepostalhub.com). Darin erklärte Hussein, dass sich der Weltpostverein den neuen, globalisierten Märkten anpassen müsse (ca. ab Minute 7:00). Wenn es nach ihm gehe, solle sich der Weltpostverein für private Post- und Paketdienste öffnen. Diese sollten die Möglichkeit einer speziellen Mitgliedschaft bekommen, um dadurch leichter mit anderen Postgesellschaften zu kooperieren.

Bislang sei der Weltpostverein, so Hussein, nur ein Zusammenschluss von designated operators. Das sind die (ehemals) staatlichen Postgesellschaften. Private Postdienste spielen im Weltpostverein keine Rolle, weil es pro Land nur einen designated operator gibt; und das ist meistens die staatliche Post.

Laut Bishar A. Hussein sollten private Anbieter im Weltpostverein vertreten sein, damit sie offiziell Zugang zum weltweiten Postnetzwerk bekommen. Bislang sei der internationale Versand von privaten Unternehmen durch die Hintertür organisiert. Damit meint er vermutlich die Direkteinschleusung, wenn z.B. Pakete in Asien mit einem deutschen Paketaufkleber versehen werden und hierzulande als nationales Paket an DHL, DPD, Hermes, etc. übergeben werden. Den Transport von Asien nach Deutschland übernehmen Anbieter wie OrangeConnex, YunExpress, Flyt oder SunYou.

Wörtlich sagte Hussein (bei Minute 9:10): "If DHL or UPS or Amazon or Alibaba want to play in UPU they [could] come in, they become an associated member or sort of something, and then we have terms and conditions of the entry. They pay for the services and of course they become part of the global postal system. Therefore the UPU will be serving not a segment of the postal industry but the entire postal industry. That is my dream and my wish, but again, this will be depend on the member countries."


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