Schlussstrich für Streetscooter-Elektrofahrzeuge

Die Deutsche Post DHL baut keine eigenen Elektrofahrzeuge mehr. Das Tochterunternehmen Streetscooter sollte eigentlich bis Ende 2019 verkauft werden, es fand sich allerdings kein Interessent für das Geschäft.

Deshalb nimmt die Deutsche Post DHL nun einmalig 300 bis 400 Millionen Euro in die Hand, um die Streetscooter-Produktion zu beenden. Die StreetScooter GmbH soll in einen Bestandsflottenbetreiber umgewandelt werden (vgl. Pressemitteilung der Post).

Bereits bestellte Streetscooter-Fahrzeuge wird die Post noch abnehmen. Das zieht sich bis ungefähr 2021 hin, wie electrive.net unter Berufung auf die DPA schreibt. Die bereits im Einsatz befindlichen Streetscooter werden bis zum Ende ihrer (Akku-) Lebenszeit weiterfahren und danach durch Fahrzeuge anderer Hersteller ersetzt.

Höchstwahrscheinlich ist vom Produktionsende auch der im Mai 2019 vorgestellte Streetscooter mit Brennstoffzelle betroffen, der für DHL Express entwickelt wurde (Paketda berichtete). Auch Streetscooter-Kunden außerhalb des Postkonzerns wie z.B. die Deutsche See werden sich mittelfristig nach neuen Fahrzeugen umsehen müssen.

Kritisch über den Streetscooter Work äußerte sich Transportunternehmer Michael Mlynarczyk von MMK Frachtdienste bei Facebook. Seiner Meinung nach können Pakete im Streetscooter nicht gegen Verrutschen und Umfallen gesichert werden, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Streetscooter behauptet zwar, dass eine Ladungssicherung möglich ist, aber laut Mlynarczyk sei das "bauartbedingt gar nicht möglich".



So berichtete Paketda im April 2019

In den letzten Monaten hat die Deutsche Post AG zahlreiche Projekte und Tochterfirmen verkauft oder eingestellt. Dazu gehören der Allyouneed-Onlinesupermarkt, der SimsMe-Messenger, der Postpay-Zahlungsdienst und das Siegfried-Vögele-Institut für Werbeforschung.

Jetzt steht offenbar das Tochterunternehmen Streetscooter auf der Prüfliste. Medienberichten zufolge soll Streetscooter-Erfinder und bisheriger Geschäftsführer Achim Kampker im Streit mit Postchef Frank Appel hingeworfen haben. Quelle: elektroauto-news.net. Die Deutsche Post sagt, Kampker habe Streetscooter auf eigenen Wunsch verlassen.

Kürzlich gab Post-Finanzchefin Melanie Kreis der Süddeutschen Zeitung ein Interview und sagte: "Wir prüfen, wie sich Streetscooter gut und profitabel weiterentwickeln kann. Da gibt es unterschiedliche Optionen. Wir werden im Verlauf dieses Jahres schauen, wo wir hinwollen." Quelle: cio.de

Spiegel.de schreibt, Postchef Frank Appel würde das Tochterunternehmen Streetscooter "am liebsten gewinnbringend verkaufen". Allerdings bedeute das einen Imageverlust, weil der Streetscooter ein Vorzeigeprojekt sei und es mit etablierten Autobauern wie VW und Daimler aufgenommen habe.

Seit dem Weggang von Topmanager Jürgen Gerdes herrscht im Postkonzern das große Aufräumen. Was nicht zum Kerngeschäft gehört, wird dichtgemacht oder abgestoßen. In diese Strategie würde ein Verkauf des Streetscooters gut hineinpassen. Denn der Bau von Automobilen ist keine Kernkompetenz der Deutschen Post; genausowenig wie ein Onlinesupermarkt oder eine Whatsapp-Nachahmer-App. Um Streetscooter am Massenmarkt zu etablieren, technisch weiterzuentwickeln und den Vertrieb zu stärken, wäre ein Verkauf an einen klassischen Autobauer sicherlich eine gute Möglichkeit.

Elektrofahrzeug von DHL


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