Deutsche Post wollte strukturelle Defizite des Streetscooters über Briefporto finanzieren

Ausriss aus dem Amtsblatt der Bundesnetzagentur
Die Bundesnetzagentur hat die beabsichtigte Berechnungsgrundlage fürs Briefporto 2022 veröffentlicht (PDF). Darin sind verschiedene Kosten des Tochterunternehmens Streetscooter aufgeführt, die laut Antrag der Deutschen Post ("Betroffene") ins Briefporto einfließen sollen.

Zulässig sind sogenannte Fleetkosten (vermutlich Leasingraten), Abschreibungen und Gewährleistungskosten.

Abgelehnt wurde von der Bundesnetzagentur die Einberechnung "herstellungsbezogener Kosten der Streetscooter GmbH, die von der Bereitstellung und Nutzung der Fahrzeuge für die Zustellung von Postsendungen bei der Betroffenen zu trennen sind". Weil die Bundesnetzagentur das Dokument teilweise geschwärzt hat, ist nicht feststellbar, welche Kosten genau gemeint sind.

Außerdem schreibt die Behörde bezüglich anderer Streetscooter-Kosten, dass diese "offenkundig nicht wettbewerbsübliche Kosten" seien. Sprich: Bei anderen Autoherstellern entstehen diese Kosten entweder gar nicht oder in geringerer Höhe. Laut Bundesnetzagentur liege die Ursache der Kosten in "strukturellen Defiziten" beim Streetscooter. Deshalb dürfen sie nicht übers Briefporto refinanziert werden.

Es dürfen nur solche Kosten in die Briefportoformel einfließen, denen effizient erbrachte bzw. eingekaufte Leistungen gegenüberstehen. Die Kosten müssen marktüblich sein. Der Begriff KeL steht für "Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung".



Deutsche Post will Tochterfirma StreetScooter nach Luxemburg verkaufen

So berichtete Paketda am 6. Oktober 2021

Die Welt berichtet von einer unbekannten, luxemburgischen Firma namens "Odin Automotive", die das StreetScooter-Geschäft von der Deutschen Post übernehmen will. Odin Automotive wurde erst am 17. September 2021 gegründet. Hauptgesellschafter sei ein bekanntes Ex-Vorstandsmitglied von BMW und Deutschen Bank, schreibt die Welt. Eine Googlesuche nach "Odin Au­to­mo­ti­ve Sàrl" verläuft erfolglos.

Eine EU-Handelsregister-Auskunft zeigt den Firmensitz im Boulevard F.W. Raiffeisen 17 in Luxemburg an. Dort befindet sich laut Bing Maps ein Bürogebäude, in dem mutmaßlich mehrere Mieter untergebracht sind.

Die geplante StreetScooter-Übernahme durch Odin ist auf der Website des Bundeskartellamts vermerkt und wird zurzeit geprüft.

Schon 2019 wollte die Deutsche Post die Produktion des StreetScooters aus dem Postkonzern herauslösen und verkaufen. Das gelang jedoch nicht, so dass schließlich eine Komplettaufgabe der Produktion für Ende 2020 verkündet wurde.

Das Marktumfeld für Elektroautos verbesserte sich zwischenzeitlich. Im April 2021 gab die Deutsche Post bekannt, den StreetScooter weiterhin herzustellen. In 2022 soll ein neuer, größerer Lieferwagen auf den Markt kommen.



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Ja, er lebt noch: Neues Streetscooter-Modell geplant

So berichtete Paketda im April 2021
Neuer Lieferwagen: Streetscooter Gigabox
Weil der Streetscooter außerhalb des Postkonzerns kaum Kunden findet, sollte die Produktion Ende 2020 eigentlich eingestellt werden. Doch kurz vor knapp konnte das Elektroauto vor dem Scheitern gerettet werden. Weil die Deutsche Post aufgrund ihres Null-Emission-Ziels viele Elektroautos benötigt und sie angeblich bei keinem anderen Hersteller findet, wird der Streetscooter weiterhin gebaut. Für 2022 ist sogar ein neues Modell namens StreetScooter Gigabox geplant.

Die Basis des Fahrzeugs bildet ein gewöhnlicher Streetscooter. Ein riesiger Kastenaufbau soll Platz für ca. 240 Pakete bieten, erklärt DHL in einer Pressemitteilung.

Auf dem Foto des Prototypen sind möglicherweise drei Regelreihen im Laderaum erkennbar. Das wäre eine Neuerung, denn ein klassischer Streetscooter hat bislang überhaupt keine Regale. Der Prototyp soll 2021 getestet werden, die Einführung des Serienmodells ist für 2022 geplant.


DHL baut 2021 doch noch Streetscooter

So berichtete Paketda im November 2020

Eigentlich wollte Deutsche Post DHL die Autoproduktion bei ihrem Tochterunternehmen Streetscooter Ende 2020 einstellen. Es sollten nur noch Restaufträge abgearbeitet werden und keine neuen Fahrzeugbestellungen mehr angenommen werden.

Diese Pläne haben sich nun etwas geändert, wie der Postkonzern in einer Telefonkonferenz mit Journalisten mitteilte. Um die selbstgesteckten CO2-Ziele zu erreichen, braucht die Post weiterhin Elektrofahrzeuge - es gibt angeblich keinen adäquaten Ersatz für den Streetscooter. Deshalb soll die Produktion in 2021 fortgeführt werden.

An dem ursprünglichen Plan, die Autoproduktion komplett einzustellen, hat sich jedoch nichts geändert. Das wird irgendwann passieren, aber später als geplant. Eine weitere Ursache für die Verschiebung seien "längerfristig laufende Verträge" mit Lieferanten, schreibt www.finanzen.net.




So berichtete Paketda im Februar 2020

Schlussstrich für Streetscooter-Elektrofahrzeuge

Die Deutsche Post DHL baut keine eigenen Elektrofahrzeuge mehr. Das Tochterunternehmen Streetscooter sollte eigentlich bis Ende 2019 verkauft werden, es fand sich allerdings kein Interessent für das Geschäft.

Deshalb nimmt die Deutsche Post DHL nun einmalig 300 bis 400 Millionen Euro in die Hand, um die Streetscooter-Produktion zu beenden. Die StreetScooter GmbH soll in einen Bestandsflottenbetreiber umgewandelt werden (vgl. Pressemitteilung der Post).

Bereits bestellte Streetscooter-Fahrzeuge wird die Post noch abnehmen. Neubestellungen gibt es nicht mehr, wie electrive.net unter Berufung auf die DPA schreibt. Die bereits im Einsatz befindlichen Streetscooter werden bis zum Ende ihrer (Akku-) Lebenszeit weiterfahren und danach durch Fahrzeuge anderer Hersteller ersetzt.

Höchstwahrscheinlich ist vom Produktionsende auch der im Mai 2019 vorgestellte Streetscooter mit Brennstoffzelle betroffen, der für DHL Express entwickelt wurde (Paketda berichtete). Auch Streetscooter-Kunden außerhalb des Postkonzerns wie z.B. die Deutsche See werden sich mittelfristig nach neuen Fahrzeugen umsehen müssen.

Kritisch über den Streetscooter Work äußerte sich Transportunternehmer Michael Mlynarczyk von MMK Frachtdienste bei Facebook. Seiner Meinung nach können Pakete im Streetscooter nicht gegen Verrutschen und Umfallen gesichert werden, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Streetscooter behauptet zwar, dass eine Ladungssicherung möglich ist, aber laut Mlynarczyk sei das "bauartbedingt gar nicht möglich".

Elektrofahrzeug von DHL


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