Briefporto 2022: Standardbrief wird 85 Cent kosten

Briefporto 2022
Die Deutsche Post hat die geplante Portoerhöhung für 2022 veröffentlicht. Die am meisten genutzten Versandarten werden um 5 Cent teurer.

Paketda beurteilt die moderate Erhöhung als kundenfreundlich. Bloß Postkarten sind mit 70 Cent überdurchschnittlich teuer, so dass der Unterschied zum Standardbrief immer geringer wird.

Das neue Porto gilt vom 1.1.2022 bis 31.12.2024. Ergänzungsmarken erhalten Kunden ab dem 2. Dezember 2021 in Postfilialen und auf deutschepost.de.

Das neue Porto muss noch durch die Bundesnetzagentur genehmigt werden, wovon aber auszugehen ist. Die Behörde hatte zuvor den Spielraum für die Portoerhöhung festgelegt: 4,6 Prozent.

Die Deutsche Post ist mit der Portoerhöhung nicht ganz zufrieden. In einer Pressemitteilung heißt es:

Die Portoerhöhung "ist allerdings weniger als der Ausgleich der zwischenzeitlich eingetretenen Lohnkostensteigerungen und erst recht kein Ausgleich für die in den nächsten Jahren zu erwartende Steigerung der Stückkosten durch weiter sinkende Briefmengen, höhere Inflation und Zusatzkosten für einen klimafreundlicheren Briefdienst. Auch der Spielraum für Tariferhöhungen bei den Beschäftigten der Deutschen Post innerhalb der kommenden drei Jahre wird deutlich eingeschränkt."


Warum steigt das Briefporto nur um 5 Cent?

Die Bundesnetzagentur teilt mit, dass die geringe Erhöhung des Briefportos mit dem starken Paketaufkommen zusammenhängt: "Der Paketbereich trägt diesmal im besonderen Maße zur Lastendeckung und damit zu einer Entlastung des Briefbereichs bei."

Diese Aussage bezieht sich wahrscheinlich auf die Verbundzustellung. Das ist die gemeinsame Auslieferung von Briefen und Paketen, insbesondere in ländlichen Regionen. In größeren Städten werden Briefe und Pakete durch separate Zusteller geliefert.

Bei der internen Kalkulation werden die Verbundzustellkosten nach Brief- und Paketbereich getrennt. Müssen Zusteller/innen jetzt bei mehr Kunden wegen Paketen stoppen, entfallen auf den Paketbereich anteilsmäßig auch höhere Zustellkosten. Dadurch wird der Briefbereich entlastet und der Spielraum für Preiserhöhungen bei Briefen reduziert.

Abzuwarten bleibt, wie sich das DHL-Paketporto 2022 entwickelt. Auch hierbei hat die Post keine freie Hand, sondern benötigt eine behördliche Genehmigung. Folgt man der Argumentation der Bundesnetzagentur beim Briefporto, dürfte es beim Paketporto einen höheren Preisspielraum geben.


Umfrage

85 Cent Briefmarke


Anzeige


Portorabatt für Großkunden wird wohl erhöht

Die FAZ (www.faz.net) will erfahren haben, dass die Deutsche Post mit Großkunden gesprochen hat, um die Portoerhöhung abzufedern. Die Großkundenpreise sollen in 2022 nur um 0,3 bis 0,4 Prozent steigen. Dies werde durch eine Erhöhung der Rabatte erzielt.

Im Großkundengeschäft hat die Deutsche Post mehr Konkurrenz durch private Briefdienstleister. Um keine Großkunden an die Konkurrenz zu verlieren, gewährt die Post also einfach höhere Rabatte. Privatkunden, kleine und mittelständische Unternehmen werden hingegen voll zur Kasse gebeten.



Werbebriefe verteuern sich um 6 bis 7%

Firmenkunden wurden von Deutsche Post DHL recht früh über Preiserhöhungen informiert. Für Werbebriefe (Dialogpost) zahlen sie ab dem nächsten Jahr 2 Cent mehr pro Sendung (Quelle).

  • Dialogpost bis 20g verteuert sich von 28 auf 30 Cent
  • Dialogpost bis 50g verteuert sich von 35 auf 37 Cent

Die Preiserhöhung begründet die Post wie folgt: "Die Kosten für Betriebsmittel sowie Energie- und Transportleistungen steigen unaufhaltsam weiter. Diese Entwicklung gepaart mit dem Anspruch, auch weiterhin faire Löhne zu zahlen, zwingt uns, die Preise im Dialogmarketing zum 01.01.2022 moderat anzupassen."


So berichtete Paketda im August 2021

Gerüchte um Briefporto 2022: Steigt es auf 1 Euro?

Am 31.12.2021 läuft die Genehmigung des aktuellen Briefportos aus. Weil das Porto seit drei Jahren nicht erhöht wurde, können Kunden der Deutschen Post ab 2022 nahezu garantiert mit einem höheren Porto rechnen.

Bei der Bundesnetzagentur, die das Porto genehmigen muss, hat die Deutsche Post schon einen Antrag mit den neuen Briefpreisen für 2022 eingereicht. Der Antrag ist streng geheim, so dass man nur spekulieren kann, welche Versandarten um wie viel Cent teurer werden.

"Welt"-Redakteur Birger Nicolai, der in Postthemen üblicherweise gut informiert ist, schreibt in einem Artikel:

"Zuletzt war dieses Porto zum Juli 2019 von 70 Cent auf 80 Cent und damit gleich um 14 Prozent gestiegen. Spekuliert wird darüber, dass die Post nun den Preis von einem Euro für den Brief anstrebt."

- 1 Euro für einen 20g-Brief wäre ein echter Portohammer. Das entspräche einer Preissteigerung um 25 Prozent!

- Bei einer normalen Portoerhöhung um 14 Prozent (wie zuletzt 2019), würde ein Standardbrief 91 Cent kosten.

Eine 25%-ige Preiserhöhung wäre früher verboten gewesen. Die Bundesregierung hat die Porto-Berechnungsformel jedoch zu Gunsten der Deutschen Post geändert. Neuerdings wird bei der Berechnung des deutschen Briefportos auch das Porto im europäischen Ausland berücksichtigt. Vereinfacht gesagt: Wenn das Porto in unseren Nachbarländern hoch ist, darf die Deutsche Post mitziehen.

Birger Nicolai von der "Welt" erwähnt in seinem Artikel noch eine Tatsache, die "für die Deutsche Post nicht gerade zu einem idealen Zeitpunkt" kommt. Die Briefmengen sind im zweiten Quartal 2021 um 6,7 Prozent angestiegen (verglichen mit dem 2. Quartal 2020). Das ergibt sich aus einer Präsentation, die die Deutsche Post jüngst an Investoren herausgab:


Mit steigenden Briefmengen lässt sich schlecht ein höheres Briefporto begründen. Bislang argumentierte Postchef Frank Appel nämlich damit, dass die Briefzentren und Zusteller durch sinkende Briefmengen weniger ausgelastet seien, und deshalb pro einzelne Sendung höhere Stückkosten entstehen. Im April 2021 sagte Appel zur Welt am Sonntag:

"Tatsache ist, dass die Briefmengen im vergangenen Jahr dramatisch zurückgegangen sind und dass wir einen Tarifvertrag mit steigenden Lohnkosten abgeschlossen haben. Statt der üblichen zwei bis drei Prozent lag der Mengenrückgang im Briefversand bei zehn Prozent. Der mehrfach verlängerte Lockdown hat dazu geführt, dass Unternehmen deutlich weniger Werbepost verschicken. Im Herbst werden wir sehen, was die Netzagentur entscheidet."

Vergleicht man die aktuelle Steigerung in Höhe von 6,7% mit dem Mengenrückgang von 10% im Jahr 2020, bleibt eine Differenz von 3,3%. Mit dieser Quote liegt der Mengenrückgang fast wieder im Normalbereich.

Aber wie gesagt: Bei der Festlegung des neuen Portos spielen nicht nur Briefmengen und Kosten eine Rolle, sondern auch das Porto in Nachbarländern. Deshalb bleibt es ein großes Geheimnis, welches Porto die Deutsche Post für 2022 beantragt hat und in welcher Höhe es letztendlich genehmigt wird.

Denkbar ist außerdem, dass die Deutsche Post aufgrund der Marktunsicherheiten keinen Portoantrag für 3 Jahre (also 2022 bis 2024) eingereicht hat, sondern vielleicht nur für 1 oder 2 Jahre. Dadurch könnte das Porto bei Bedarf schneller angepasst werden. Zum Beispiel bei unerwartet stark sinkenden Briefmengen infolge langfristiger Corona-Effekte. Möglicherweise wechseln einige Unternehmen dauerhaft von gedruckter Werbepost zum Digitalmarketing. Aber vielleicht auch nicht, denn die 6,7%-ige Mengensteigerung ist ein deutliches Zeichen, dass gedruckte Werbepost weiterhin wirkt.



So berichtete Paketda im Mai 2021

Deutsche Post DHL: Preiserhöhungen werden kommen

Thomas Schneider, Produktionschef bei Deutsche Post DHL, wurde von shz.de u.a. zum Thema Preiserhöhungen interviewt. Der Artikel ist nach einer kostenlosen Registrierung frei lesbar.

Schneider erklärt, dass aufgrund sinkender Briefmengen sowie Kostensteigerungen bei der Paketbeförderung Preiserhöhungen bei Briefen und Paketen notwendig sein werden. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Post und DHL das Ausmaß der Preiserhöhungen nicht selbst festlegen dürfen. Es ist eine Genehmigung der Bundesnetzagentur notwendig. Das Genehmigungsverfahren fürs Briefporto 2022 läuft bereits. Eine Entscheidung wird die Bundesnetzagentur Anfang November 2021 bekannt geben (Quelle).

Interessant ist Schneiders Antwort auf die Frage, ob das Briefgeschäft noch rentabel sei. Schneider bejaht und erklärt, "dass wir sehr effizient arbeiten und das Paket- und Briefgeschäft immer mehr miteinander verzahnen. Wer im ländlichen Raum wohnt, bekommt seine Briefe mittlerweile zusammen mit den Paketen."

Bei dieser Aussage spitzt der Verband BIEK sicherlich die Ohren. Dort vermutet man schon seit Jahren, dass in der Verbundzustellung das rentable Briefgeschäft die Paketzustellung quersubventioniert. Dies war auch ein Argument der erfolgreichen BIEK-Klage gegen die Briefporto-Berechnungsformel (Paketda berichtete).



So berichtete Paketda im Januar 2021

Genehmigungsverfahren für neues Briefporto startet in Kürze

In den nächsten Wochen startet die Bundesnetzagentur das Genehmigungsverfahren für das neue Briefporto. Das aktuelle Briefporto gilt nur bis zum 31.12.2021.

Das Bundeswirtschaftsministerium kam in zeitliche Bedrängnis, weil die aktuelle Porto-Berechnungsformel durch ein Gerichtsurteil als unzulässig eingestuft wurde (Paketda berichtete). Zur Festlegung des Briefportos 2022 dürfte die Formel eigentlich nicht mehr verwendet werden.

In einer Art Schnellverfahren bekommt die unzulässige Portoformel nun eine rechtlich saubere Grundlage. Damit steht einem teureren Briefporto für 2022 nichts mehr im Wege.

Quelle: www.bmwi.de


  Zuletzt aktualisiert am   |   Autor:
Anzeige

✉ Verpassen Sie nichts mit dem Paketda-Newsletter: Kostenlos abonnieren per E-Mail oder bei Telegram