Zurückgeschickte Russland-Pakete: Zollprobleme immer wahrscheinlicher

Seit mehreren Monaten melden sich im Paketda-Forum Kunden, die vergeblich auf Sendungen aus Russland warten. Weil die Probleme so lange andauern, scheinen sie eine gravierende Ursache zu haben. Es gibt täglich neue Beschwerden, sowohl über Standardpakete als auch EMS-Expresspakete.

Neuigkeiten vom 13.11.2020:
Ein Paketda-Leser hat von der Niederlassung der Russischen Post in Berlin erfahren, dass die Zollinhaltserklärungen CN22/23 angeblich nur für interne Zwecke sind und deshalb von Paketen aus Russland entfernt werden. Die Zolldaten werden stattdessen digital nach Deutschland übermittelt.

Problem: Digitale Zolldaten können in Deutschland erst ab 2021 verarbeitet werden (Paketda berichtete). In Radefeld ankommende Pakete werden von DHL nach Russland zurückgeschickt, wenn sie keine ausgedruckten CN22/23-Formulare haben. Der Zoll in Radefeld bekommt die russischen Pakete nie zu Gesicht, weil sie vorher von DHL abgefangen und retourniert werden.

Die Auskunft der Russischen Post stimmt mit Erfahrungen anderer Paketda-Nutzer überein. Am 16. Oktober schrieb uns ein DHL-Kunde, er habe mit der DHL-Hotline telefoniert und dort sei das Problem fehlender Zollpapiere bekannt. Aber die Kommunikation zwischen DHL und der Russischen Post soll "schwierig bis unmöglich" sein, deshalb gibt es keine Lösung des Problems.

Am 9. Oktober schrieb eine Kundin im Paketda-Forum, dass ihr Paket nach Russland retourniert wurde mit dem Vermerk "mangelhafte Angaben auf CN22". Die Zollinhaltserklärung war laut Angaben der Kundin korrekt ausgefüllt, am Paket vorhanden und nicht entfernt. Die Kundin schrieb: "Eins ist klar, die russische Post hat 100 Prozent nicht schuld, weil alle Zettel dran sind und die Rücksendeaufkleber aus Deutschland kommen."



Detaillierte Problembeschreibung

In Russland abgeschickte Pakete gelangen bis zum DHL-Paketzentrum Radefeld. Dort warten sie auf Zollabfertigung. In der Sendungsverfolgung erscheint nach einigen Tagen oder nach einigen Wochen plötzlich die Meldung "Die Sendung wird ins Zielland/Zielgebiet transportiert und dort an die Zustellorganisation übergeben." Diese Meldung bedeutet die Rücksendung nach Russland. Beispiel:


Bei DHL-Retouren endet die Sendungsverfolgung in Radefeld. Im Tracking der Russischen Post ist der Rückweg hingegen komplett verfolgbar. Anderes Beispielpaket:


Viele Kunden berichten, dass sich auf den zurückgeschickten Paketen ein Aufkleber mit dem Rücksendegrund "Sonstiges" befindet. Andere Kunden berichten, dass eine fehlende Zollinhaltserklärung als Rücksendegrund angekreuzt wurde.

Das für Radefeld zuständige Hauptzollamt Dresden konnte auf Anfrage nichts Genaues zu der Situation sagen. Die Rücksendungen würden "ausschließlich die Zuständigkeiten der Deutschen Post" betreffen, hieß es vom Zoll.

Aufschlussreicher ist die Aussage einer betroffenen Paketempfängerin vergangene Woche im Paketda-Forum. Sie schrieb:

"Das Problem liegt zu 100% bei der russischen Seite. Sie nehmen die Zollinhaltserklärungen entgegen, das Paket kommt in Deutschland an und wird aufgrund fehlender Informationen über die Erklärung zurückgeschickt. Meine Mutter in Russland hat heute das Paket zurückbekommen, in dem der Grund für die Rückgabe "Sonstige" auf RUSSISCH geschrieben ist. Dort, bei der Russischen Post, leitete meine Mama das Paket zurück nach Deutschland, ohne die Kosten für das Rückporto und das neue Porto zu bezahlen."

Auf Nachfrage, ob die Kundin wirklich meint, dass die von der Absenderin ausgefüllte Zollinhaltserklärung vom Paket entfernt wurde, schrieb sie:

"Ja, in Russland haben sie einfach die Zollinhaltserklärung in zwei Exemplaren herausgezogen und [das Paket] nach Deutschland geschickt."

Dieses Vorgehen klingt einerseits merkwürdig, andererseits hat die Paketda-Redaktion beim Versand eines Testpakets mit der Russischen Post Ähnliches erlebt. Die Zollinhaltserklärung wurde vom Paket entfernt und durch ein neues, spärlich ausgefülltes CN23-Formular ersetzt.


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