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Großrazzia gegen Subunternehmer von Hermes, DPD, GLS


Das Wichtigste in Kürze:

  • Razzia gegen Subunternehmer in Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern
  • Schwerpunkt: Melsdorf, Neumünster, Wahlstedt
  • Mindestens 460.000 Euro Schaden durch nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge.

Am 18. September 2024 führte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Hauptzollamts Kiel eine groß angelegte Razzia gegen Logistikunternehmen in Schleswig-Holstein und weiteren Bundesländern durch. Rund 300 Einsatzkräfte durchsuchten insgesamt 24 Wohn- und Geschäftsräume sowie Lager. Im Visier standen Subunternehmen, die für die großen Paketdienste Hermes, DPD und GLS tätig sind. Der Verdacht: Illegale Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften, Schwarzarbeit und gefälschte Dokumente.


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Ermittlungen decken umfangreiche Verstöße auf

Die monatelangen Vorermittlungen richteten sich gegen acht Beschuldigte, die als Geschäftsführer oder Strohmänner tätig sind. Ihnen wird vorgeworfen, Arbeitskräfte aus Moldawien, Aserbaidschan, Georgien und der Türkei illegal nach Deutschland eingeschleust und diese ohne gültige Aufenthaltstitel als Zusteller beschäftigt zu haben. Zudem sollen keine oder nur unvollständige Sozialversicherungsbeiträge abgeführt worden sein.

Henning Hadeler, Oberstaatsanwalt in Kiel, sagte zu shz.de:

"Wir gehen von einem Schaden von mindestens 460.000 Euro aus, den diese Unternehmen durch nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge verursacht haben. Das ist jedoch nur eine erste Schätzung."

Vermögensarreste in Höhe von 186.000 Euro und 273.000 Euro gegen zwei Beschuldigte wurden bereits erlassen, um Gelder von deren Konten einzuziehen. Fahrzeuge und andere Güter dürfen ebenfalls beschlagnahmt werden.


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Falsche Papiere bei Verkehrskontrollen aufgefallen

Die Ermittlungen kamen ins Rollen, als bei routinemäßigen Verkehrskontrollen gefälschte Führerscheine und Ausweisdokumente von Paketboten auffielen, die für die betroffenen Subunternehmer tätig waren. Dies führte schließlich zur Razzia, bei der auch die Landes- und Bundespolizei im Einsatz war.

In Kiel wurden bei der Aktion acht illegal beschäftigte Paketboten aufgegriffen, die nun der Ausländerbehörde übergeben wurden und das Land verlassen müssen. Die Zusteller waren von ihren Chefs in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.


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Paketdienste distanzieren sich

Die betroffenen Paketdienste Hermes, DPD und GLS betonten gegenüber SHZ, von den illegalen Machenschaften der Subunternehmer nichts gewusst zu haben. Hermes-Sprecher Friedemann König teilte am 18.09. mit, dass durch die laufenden Ermittlungen Pakete liegen bleiben könnten, da der Zugriff auf die Sendungen derzeit nicht möglich sei.

DPD-Sprecher Marian Pawelka erklärte, man arbeite mit den Ermittlungsbehörden zusammen und werde etwaige Paketrückstände schnellstmöglich aufarbeiten. Auch GLS versicherte, dass die Geschäftsbeziehungen zu den betroffenen Subunternehmen bereits vor 1 bzw. 5 Jahren beendet wurden.


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Wiederholte Verstöße in der Branche

Während es in den 2010er Jahren regelmäßig zu Razzien bei Paketdiensten kam, schien es in den letzten Jahren ruhiger geworden zu sein. Der Eindruck entstand, dass sich die Zustände in der Branche verbessert hätten. Doch offenbar haben die Paketdienste ihre Subunternehmer nicht so stark im Griff, wie sie öffentlich behaupten.

Eine ähnlich große Razzia mit 280 Beamten gab es 2018 gegen Hermes. Damals ging es ebenfalls um Schwarzarbeit und nicht gezahlte Sozialversicherungsbeiträge (Paketda berichtete).

2021 gab es eine bundesweite Razzia, bei der ca. 2.200 Beamte über 50 Objekte in 12 Bundesländern durchsuchten. Der Schwerpunkt lag damals in Berlin und Brandenburg, und der Schaden belief sich mutmaßlich auf mehrere Millionen Euro (Paketda berichtete).


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