Verdacht auf Schleuserbande: Durchsuchungen bei Hermes in Flensburg

Durchsuchungen bei Hermes in Harrislee
280 Beamte der Bundespolizei (mit Unterstützung der Bundesbereitschaftspolizei) und des Hauptzollamtes Itzehoe haben am 7. Juni 2018 zahlreiche Wohn- und Geschäftsräume in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durchsucht.

Bereits im Jahr 2017 begannen die Ermittlungen gegen mutmaßliche Haupttäter aus Aserbaidschan und Rumänien, die "banden- und gewerbsmäßig" Ausländer nach Deutschland eingeschleust haben sollen. Mit gefälschten rumänischen Ausweispapieren sollen überwiegend moldauische Staatsangehörige nach Deutschland gebracht worden sein, um hier unter vorgetäuschten Identitäten von EU-Bürgern als Paketzusteller zu arbeiten.

Die Bundespolizei spricht nicht explizit von Hermes, aber verschiedene Medienberichte z.B. bei shz.de belegen mit Fotos, dass die Polizei bei Hermes im Einsatz war. Laut BILD waren am Hermes-Standort Harrislee bei Flensburg "42 Einsatzkräfte vor Ort", die die Identitäten von mehr als 20 Fahrern überprüft haben.

Bei den Durchsuchungen wurden neben Dokumenten und Computern auch gefälschte Ausweisdokumente sichergestellt sowie Bargeld in Höhe von rund 30.000 Euro. In Neumünster entdeckten die Beamten eine schussbereite 7,6 mm Handfeuerwaffe und eine Schreckschusswaffe ohne Prüfzeichen.

Gegenüber dem NDR-Rundfunk sagte ein Polizeisprecher, dass es für die Polizei ein neues Phänomen sei, dass ein Unternehmen Fahrer im Ausland rekrutiere und hierzulande einschleuse.

Der Polizeisprecher bezog sich bei der Aussage vermutlich nicht auf die Hermes-Zentrale sondern auf den regionalen Hermes-Subunternehmer. Es klingt so, als sei der Unternehmer in die Rekrutierung illegaler Mitarbeiter eingeweiht gewesen. Vielleicht ist der Subunternehmer sogar unter den Hauptbeschuldigten. Laut Kieler Nachrichten befindet sich das Zentrum des illegalen Schleusernetzwerks in Harrislee - also in der Kleinstadt mit dem Hermes-Subunternehmerdepot. Dort wurden 3 von 5 Hauptbeschuldigten angetroffen. Von hier aus seien die Strippen gezogen worden.

Die Bundespolizei teilte abschließend mit, dass die Gesamtermittlungen andauern. Die zur Last gelegten Taten werden mit einer Freiheitsstrafe bis zu max. zehn Jahren geahndet. Es gelte die Unschuldsvermutung.

In einer Stellungnahme von Hermes vom 07.06. um 15 Uhr heißt es, dass "mit Hermes assoziierte Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen" aktuell nicht bestätigt werden können. Hermes bestätigt aber die Durchsuchung bei einem Servicepartner in Harrislee sowie "eine behördliche Überprüfung des Hermes-Depots in Rendsburg".


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