Warum stellen DPD, Hermes und GLS keine Paketautomaten auf?

Paketomat von GLS in Slowenien DPD, Hermes und GLS haben gemeinsam die Parcellock-Technologie zum Öffnen von Paketkästen entwickelt, aber durchschlagende Erfolge wurden damit nicht erzielt. Zurückhaltendes Kundeninteresse betrifft offenbar alle Paketkasten-Anbieter, wie Neuhandeln.de berichtete.

Paketkästen richten sich in erster Linie an Hausbesitzer. Doch warum 300 Euro für einen Paketkasten ausgeben, wenn sich die eigene Garage mit Abstellgenehmigung genauso gut eignet? Außerdem sind in Gegenden mit Einfamilienhäusern mehr Familienmitglieder tagsüber zu Hause, die auch Pakete für Nachbarn annehmen.

In städtischen Gebieten ist die Paketzustellung hingegen schwieriger. Deshalb gibt es dort vergleichsweise viele Paketshops. DHL und Hermes haben in Deutschland die meisten Filialen bzw. Shops, nämlich 27.000 und 14.000.

DPD (6.000), GLS (5.000) und UPS (3.000) tun sich mit dem Aufbau ihres Paketshop-Netzes schwerer. UPS liefert vergleichsweise wenige Pakete an Privatkunden und scheut deshalb womöglich Investitionen in dieses Marktsegment.

Bei DPD, Hermes und GLS ist die Zurückhaltung schwerer zu verstehen. Sie verkaufen ja schon Paketkästen an Privathaushalte, da liegen Packstation-ähnliche Automaten eigentlich nahe. Doch in einer von Hermes kürzlich veröffentlichten Studie wird diese Lieferoption einfach ignoriert.

Stattdessen mischt jetzt Amazon in diesem Markt mit und stellt immer mehr Amazon Locker auf, insbesondere an Shell-Tankstellen (Paketda berichtete).

Einen Paketshop zu eröffnen ist vermutlich mit tausend Euro möglich (Investition in Scanner, Drucker, Mitarbeiterschulung). Ein Abholautomat ist hingegen nicht unter 5.000 bis 10.000 Euro zu bekommen, zuzüglich Erdarbeiten für Netzanschluss. Laufende Kosten für technischen Support und (Stellplatz-) Miete entstehen bei Automaten und Paketshops gleichermaßen.

Trotz viel höherer Kosten haben sich Amazon und Shell entschieden, keine Amazon-Paketshops in den Tankstellen zu eröffnen, sondern Amazon Locker aufzustellen.

Vielleicht ist es in Deutschland mittlerweile schwierig geworden, Einzelhändler zu finden, die ihre Ladenflächen einem Paketshop zur Verfügung stellen. Ein Indiz dafür könnte sein, dass DPD im Jahr 2014 noch das Ziel ausgab, seine damals 5.000 Paketshops auf 8.000 auszuweiten (Paketda berichtete). Offenbar ist DPD seit 2016 bei 6.000 Shops stecken geblieben.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung bei Paketstationen könnte die mangelnde Akzeptanz deutscher Kunden sein. Denn in Osteuropa handeln GLS und DPD ganz anders. In Ungarn, Rumänien, Tschechien und in der Slowakei stehen mehr als 70 öffentliche Parcellocker von GLS. DPD betreibt 45 Automaten in Lettland, Litauen, Estland und weitere Frankreich. In Großbritannien startete Hermes 2013 einen Versuch, der aber offenbar nicht weiterverfolgt wurde (vgl. postandparcel.info).

DPD Paketstation in Litauen

Dass Amazon in Deutschland in einer Hau-Ruck-Aktion so viele Abholstationen aufbaut, wirft die Frage auf, warum DPD, Hermes und GLS das in all den Jahren zuvor nicht auch getan haben? Dadurch konnte DHL sein eigenes Packstation-Netz ungestört ausbauen.

Amazon hat vor dem Aufstellen von Locker-Automaten in Deutschland sicherlich kalkuliert, ob klassische Paketshops nicht die wirtschaftlichere Alternative sind. DPD, Hermes und GLS können schließlich auch rechnen. Aber irgendeinen Faktor zugunsten von Abholstationen hat Amazon entweder höher gewichtet als die Konkurrenz - oder die Konkurrenz hat den Faktor übersehen.

Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, wer sich beim Thema Abholstationen verrechnet hat. Amazon oder die Wettbewerber?


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